Jubiläumskonzert: 20 Jahre KlezMeshugge

Als wir am 16. Mai 1999 im Kleinen Konzertsaal des Gasteig als KLEZMORIM unser erstes großes Konzert gaben (mit Garik Bruskin/p, Andi Arnold/cl, Sepp Ametsbichler/b, Günther Basmann/dr), waren wir überwältigt von dem Ansturm und dem Interesse, das wir damals auslösten. Kaum jemand kannte uns — wie konnte es also sein, dass wir nach kürzester Zeit ausverkauft waren?! Nachdem etwa 60 Leute keinen Einlass mehr fanden und nach Hause geschickt werden mussten, stellte sich heraus, dass viele dachten, wir seien die berühmten THE KLEZMORIM aus Kalifornien, die in jener Zeit mitverantwortlich waren für das große Klezmer-Revival in den 80er und 90er Jahren! 

Nun, wir haben es nicht — wie unsere Namensvettern — in die New Yorker Carnegie Hall oder ins Pariser L’Olympia geschafft. Aber wir können auf 20 Jahre Bandgeschichte mit vielen fantastischen Musikerinnen und Musikern zurückblicken! Wir haben tausende von Kilometern im Tourbus durch ganz Deutschland von Rostock bis Konstanz, von Göttingen bis Cottbus, von Passau bis Berlin zurückgelegt. Wir sind auf allerkleinsten Kellerbühnen wie dem ONO in Bern und der Blauen Maus in München, in zahllosen Kleinkunstbühnen, Kulturzentren und Theatern zwischen Wien und Freiburg, in Kirchen und Synagogen zwischen Binswangen, Pilsen und Prag, im Königspalast von Turin und dem barocken Teatro Alfieri in Asti aufgetreten. Wir haben Open Air Konzerte vor 4.000 Leuten in Kloster Banz gegeben, wo wir mit dem ‘Sonderpreis für Songpoeten’ ausgezeichnet wurden, und auch mal vor drei Zuschauern in einem Bauernhof-Biergarten bei Regensburg, wo jeder von uns als Gage 10 frische Eier bekam. Wir sind mit unserem alten VW-Bus, dem KlezMobil, und sprichwörtlich mit Kind und Kegel nach Griechenland gereist, um einen Sommer lang auf Dorfbühnen modernen Klezmer zu spielen; in kleiner Besetzung haben wir 2009 ein Konzert in Ein Hod in Israel gegeben. 

Seit 1999 haben wir unterschiedliche Konzertprogramme, das musikalische Tanz-Theater SALAM SHALOM, die Polit-Revue REALITY CHECK, die musikalische Lesung JIDDISCHE WEIHNACHT, das Gedenkprogramm UNTER DEINEN WEISSEN STERNEN, viele Begleitprogramme zu Veranstaltungen und Festen, mehrere Musikvideos und sechs CDs produziert; die siebte erscheint pünktlich zum Jubiläumskonzert am 5. Oktober — eine Zusammenstellung der besten Aufnahmen der vergangenen beiden Jahrzehnte, seit 2015 unter dem Namen ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH.

Mit mir auf der Bühne standen von Anfang an Andi Arnold mit Klarinette und Saxophonen, Günther Basmann am Schlagzeug, bald kamen Georg Karger am Kontrabass, Jan Eschke am Klavier und schließlich Pit Holzapfel an E-Gitarre und Posaune dazu. Dazwischen wirkten noch viele weitere Musiker*innen und Gäste mit; sechs von ihnen werden mit uns am 5. Oktober im Gasteig den Abend mit Ausschnitten aus den jeweiligen Programmen gestalten: Mouna Sabbagh, Roman Seehon und meine Tochter Lili Sommerfeld aus SALAM SHALOM, Linda Benedikt und Miene Costa aus REALITY CHECK und Martin Umbach aus der JIDDISCHEN WEIHNACHT.

Wir freuen uns alle sehr auf dieses große Fest und hoffen, dass auch Du mit uns feierst! Vertreter der Stadt München werden auch anwesend sein, wie ich gestern erfahren habe. Sie sollen beobachten, ob während der Veranstaltung “antisemitische Inhalte geäußert werden”. Dafür hat die Fachstelle für Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit gesorgt — ein Bereich, der direkt dem Münchner Oberbürgermeister unterstellt ist. Sie veranlasste, dass die Gasteig München GmbH mir diese Email schickte, auf die ich so reagiert habe. Dass ich diesen Vorgang hier öffentlich skandalisiere, geschieht also mit klarer Absicht und vorheriger Ankündigung. Du kannst Deine Meinung dazu direkt per Email an die Fachstelle und den Münchner Oberbürgermeister kundtun (und mich gerne CC setzen).

Wieder einmal kann ich nur sagen:
Manchmal sprachlos —
aber niemals mundtot!!

Nichtsdestotrotz: Wir lassen uns die Laune nicht verderben und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!

Jubiläumskonzert: 20 Jahre KlezMeshugge
5. Oktober 2019, 20 Uhr
München, Kleiner Konzertsaal im Gasteig
Karten bei MünchenTicket

Herzliche Grüße,

PS: Ab sofort ist meine Website noch schneller aufrufbar: Du brauchst nur noch nirit.de im Browser eingeben! Auch auf meinen Publikationen wird künftig nur noch ‘Nirit’ stehen, wie ich hier schon mal mit einem Blick auf das neue CD-Cover verrate… 

“Coolste Oma” und die Bedeutung von Kunst

Für uns darstellenden Künstler*innen ist der Herbst der Jahresbeginn: Jetzt geht es endlich los mit Proben, Vorbereitungen auf die Saison, Vorstellungen, in der wir uns zeigen und erzählen können, was uns bewegt und wie wir die Welt verändern wollen, damit sie gerechter, friedfertiger und gesünder wird. Wir wollen unser Publikum anstecken, es inspirieren, animieren, unterhalten und begeistern. Der Philosoph und Künstler Philipp Ruch hat mit dem Zentrum für politische Schönheit ein Kollektiv auf die Beine gestellt und Aktionen ins Leben gerufen, die ihresgleichen suchen. Seine Sichtweise von Kunst deckt sich weitestgehend mit meiner, darum möchte ich ihm heute das Wort geben. Hier ein Ausschnitt aus dem letzten Kapitel seines Buches Schluss mit der Geduld, zusammengestellt von der Schriftstellerin Mely Kiyak für ihren Blog auf der Seite des Gorki-Theaters Berlin.
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Unser Jubiläumskonzert findet in weniger als drei Wochen statt und wir sind schon alle seeeehhr aufgeregt!! Wir proben, feilen, singen, spielen, schreiben und freuen uns darauf, das Beste aus 20 Jahren Klezmer und Meshugge-Sein, aus traditionellen, modernen und eigenen Liedern und Texten am 5. Oktober im Münchner Gasteig zu präsentieren. Mit dabei sind die Gäste Mouna Sabbagh, Roman Seehon und Lili Sommerfeld, die schon 2003 mit uns das Tanz-Theater SALAM SHALOM gespielt haben; Martin Umbach aus der musikalischen Lesung JIDDISCHE WEIHNACHT; und Linda Benedikt und Miene Costa aus der Polit-Revue REALITY CHECK. Bei MünchenTicket kann man Karten reservieren! Und gerne Freunde zum Konzert einladen….!
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Der Film FRAU STERN, in dem meine Mutter mit 81 Jahren die Titelfigur spielte und gerade noch die Uraufführung erlebte, bevor sie im Februar verstarb, läuft nun bereits in der dritten Woche in vielen deutschen Kinos und hat begeisterte Reaktionen ausgelöst. Ich hoffe, dass sie sich irgendwo auf ihre Weise an diesem sensationellen Erfolg erfreuen kann. Ich freue mich jeden Tag für sie mit.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen – beim weltgrößten Klimastreik (hier alle Orte in Deutschland) am 20. September (zumindest im Geiste) und spätestens am 5. Oktober beim Jubiläumskonzert im Gasteig!