Verschiedene Aspekte…

… sind die Grundvoraussetzung für differenziertes Denken und Handeln. Erst wenn es gelingt, die Dinge von unterschiedlichen Perspektiven aus zu betrachten, können Denkmuster sich verändern, können verhärtete Fronten aufweichen, kann Festgefahrenes sich bewegen. So erhoffe ich mir, dass auch die aspekte-Sendung im ZDF am kommenden Freitag, den 22. Mai um 23 Uhr etwas beitragen kann zur Weiterentwicklung der unseligen Diskussion um vermeintlichen Antisemitismus bei Kritikern der israelischen Besatzungspolitik, unter anderem mit einem Interview-Beitrag von mir.

https://hinter-den-schlagzeilen.de/lieber-respekt-als-angstEinen Text-Beitrag zum Thema Angst und wie wir damit umgehen können habe ich als Gastautorin in diesem Mandala-Blog geschrieben (hier die Version auf Englisch und hier die Langversion auf hinter-den-schlagzeilen.de). Über Kommentare und Feedback freue ich mich — bitte auf der Website in der Kommentar-Funktion.

LILI SINGT LIVE!
Ganz besonders freue ich mich ankündigen zu können, dass meine Tochter Lili ab Donnerstag, den 21. Mai wöchentlich um 19 Uhr ein Kurzkonzert geben wird! Live aus ihrem Wohnzimmer gibt es Musik mit Motto und einem Drink: SONGS ON THE ROCKS. Dieser Link funktioniert auch, wenn Du keinen eigenen Facebook-Account hast!

Auch wer keinen Facebook-Account hat, kann durch diesen Link am Konzert teilnehmen
Auch wer keinen Facebook-Account hat, kann durch diesen Link am Konzert teilnehmen

Zum Schneiden weiterer Koch-Videos bin ich noch nicht gekommen, aber ich mache mich dran, versprochen! Gekocht, gebacken und gedreht hab ich schon jede Menge… Danke für die vielen schönen Feedbacks zu meinen kleinen Koch-Kanal-Exkursionen.

Auf bald, im virtuellen Raum, oder in geistig-seelischer Verbindung, oder vielleicht mal zufällig unter freiem Himmel, im Wald oder am See…

Herzlichst,

sprechen und spalten oder lieber SCHWEIGEN?

Der Wunsch nach einem dritten Weg

Ich rede ja gerne, aber momentan fällt es mir schwer. Es wird so viel geredet, erklärt, behauptet, mit Zahlen um sich geworfen. Alle sind Experten geworden für irgendwas — aber ich kann da nicht mitreden. Ich will auch gar nicht. Bei meinen zaghaften Versuchen, entweder mit Humor zu all den Verordnungen oder mit einer gewissen Skepsis gegenüber Impfungen eine Diskussion anzustoßen, bin ich auf etwas gestoßen, das ich bisher nur aus der Israel-Palästina-Debatte kenne: Extreme Polarisierung. Entweder Du bist für oder Du bist gegen uns. Wenn Du für die Palästinenser bist, hasst Du Israel, bist sogar Antisemit; Du spielst den Feinden in die Hände, Du bist Verräter. Etwas anderes ist nicht vorstellbar.
Es braucht immer einen langen Prozess, bis Leute, die sich für Freunde Israels halten, in einem Gespräch — wenn sie sich denn überhaupt darauf einlassen — beginnen zu begreifen, dass Du nicht gegen Israel bist, wenn Du für die Rechte der Palästinenser eintrittst (Verzeihung, Freund*innen, dass ich heute die männliche Form wähle — es flutscht besser auf der Tastatur, auch wenn ich jedes Mal “*innen” denke. Aber halt, stopp: Auch dieser Gedanke lässt mich stocken: Darf ich heute noch ungestraft die männliche Form wählen? Bin ich jetzt Antifeministin? Unbewusst? Gleichgültig gegenüber den Errungenschaften der Emanzipation? Oder soll ich jetzt einfach mal nicht so ‘nen Aufstand machen und herrgottnochmal die Gender-korrekte Form wählen? Aber wie genau ist die?! Du merkst: Es ist kompliziert).

In der Israel-Palästina-Debatte werden immer wieder Argumente wie Geschütze aufgefahren, die darauf zielen, Dich zu diskreditieren. Kommen diese Argumente von Institutionen und Amtsträgern, kannst Du davon ausgehen, dass Du mundtot gemacht werden sollst (hierzu gäbe es viel zu sagen — dazu ein andermal an anderer Stelle, oder hier). Kommen die Argumente jedoch in persönlichen Gesprächen ist es interessant zu beobachten, wie es Leuten leichter fällt, unsereins in eine Schmuddelecke zu stecken anstatt sich damit auseinander zu setzen, dass die Dinge komplexer sind als nur “dafür” und “dagegen”, dass es viel, viel mehr gibt dazwischen. Sind es nicht die leisen Zwischentöne, die in der menschlichen Kommunikation die wesentliche Rolle spielen, die Komplexität erfahrbar machen? Diese kleinen feinen Klänge vermisse ich nicht nur im Kontext Israel/Palästina, ich vermisse sie mehr als alles andere in unserer aktuellen Welt der vergangenen Wochen. Ich leide nicht so sehr unter der Trennung von geliebten Menschen — Trennungen und große zeitliche und örtliche Entfernungen musste ich von klein auf ertragen lernen. Ich leide viel mehr unter der Polarisierung und der mit ihr einhergehenden Spaltung in gut und böse, richtig und falsch, “geht gar nicht” und “muss unbedingt sein”. Jene zeitlich-örtliche Distanz ist eine physische und kann überwunden werden; sie ist kein social, sie ist physical distance. Die in diesen Wochen erlebte Distanz hingegen wird zunehmend unüberwindbar, sie spaltet uns, sie treibt uns voneinander weg wie Sterne nach einem kosmischen Knall, die in alle Ewigkeit auseinander driften, nur weil unsere Meinungen ideologisch eingetütet werden in “rechts” oder “links”, “Regierungskonformist” oder “Verschwörungstheoretiker”, “Realist” oder “Esoteriker”.
Ich frage mich, wo unsere Debattenkultur hin ist, wo der wissenschaftliche, aber vor allem wo der gesellschaftliche Diskurs geblieben ist?! Ein Diskurs, in dem unterschiedliche Meinungen fundiert dargelegt, von allen Seiten betrachtet, immer wieder neu geordnet, gerne emotional, aber auch sachlich geführt und meinetwegen auch beurteilt werden dürfen, ohne dass die Menschen dahinter gleich verurteilt werden! Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir inmitten einer adaptiven Herausforderung stehen, für die es keine bekannten technischen Lösungen gibt. Umso mehr erschüttert mich die Absolutheit, mit der argumentiert und geurteilt wird, als wäre alles andere — egal auf welcher Seite — alternativlos.

Immer wieder höre ich Sätze wie “Ich traue mich kaum, es zu sagen, aber…” oder “Man muss echt aufpassen, was man sagt”. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich selbst schon bei solchen oder ähnlichen Sätzen ertappt. Ich weigere mich jedoch zu denken, dass wir unsere Meinung hierzulande nicht äußern dürfen. Und noch kann ich mühelos den Beweis antreten, dass ich das kann. Etwa so:

Israels Besatzungspolitik ist völkerrechtswidrig.
Der israelische Staat verletzt die Menschenrechte der Palästinenser seit Jahrzehnten.
In Israel herrscht eine de facto Apartheidpolitik (laut UN-Definition).
Zwischen Mittelmeer und Jordan gibt es de facto nur eine Regierungsmacht: Für Juden gestaltet sie sich demokratisch, für Palästinenser als Militärdiktatur.

Der Staat Israel spricht mitnichten für alle Juden der Welt.

All das und noch viel mehr kann ich hier sagen. Und doch: Werden Versuche unternommen, kritische Meinungsäußerungen z.B. in Bezug auf Israel und Palästina zu verhindern? Und ob! Bekomme ich dadurch Probleme? Oh ja, und wie! Aber dennoch, ich kann hier in aller www-Öffentlichkeit oder zuhause oder bei Freunden oder bei öffentlichen Veranstaltungen all das sagen und schreiben. Erst wenn diese Zeilen gelöscht werden von einer staatlichen Aufsichtsbehörde, werde ich von einer Meinungsdiktatur, von faschistoiden Regime-Strukturen sprechen. Täte ich das jetzt, würde ich allen Opfern von Diktaturen und Opfern von Faschismus nicht gerecht werden. Ebenso wie man den Opfern des Antisemitismus nicht gerecht wird, besonders den Opfern des Holocaust posthum schreiendes Unrecht geschehen lässt, wenn Kritiker des Staates Israel als Antisemiten diffamiert werden, wie aktuell im Falle von Prof. Achille Mbembe geschehen (lies dazu unbedingt den Aufruf jüdischer Wissenschaftler und Künstler, den offenen Brief der Jüdischen Stimme oder am besten Achille Mbembe selbst).

Erkenne ich jetzt schon Gefahren für unsere Demokratie, etwa durch extreme Kontrollmechanismen, die wir uns kaum auszudenken wagen und die vielleicht dadurch, dass wir verängstigt sind, viel schneller greifen? Oh ja, keine Frage. Können, dürfen wir das alles diskutieren und unterschiedliche Meinungen dazu stehen lassen, ohne Zynismus, Abwertung, Ausgrenzung, Diffamierung? Das würde ich mir wünschen, würde mir meine Meinung bilden und auch ändern wollen, auch darüber scherzen dürfen, ohne gleich befürchten zu müssen, in irgend eine Schublade gesteckt zu werden. Hinter der extremen Polarisierung, die es schon lange gibt und die in den vergangenen Wochen exponentiell gestiegen ist wie manch andere Kurve, verspüre ich vor allem eines: Angst. Angst ist eine nahezu unbezwingbare Kraft, die lähmen oder aggressiv machen kann. Ich kenne keine zuverlässige Methode, sie endgültig loszuwerden, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch die Angst einen Feind hat, vor dem sie sich fürchtet. Es ist der menschliche Wille, die menschliche Entscheidungsfähigkeit. Jedem Menschen wohnt sie inne; jedes menschliche Wesen hat die Fähigkeit, mit Willensstärke diese eine Entscheidung zu treffen:
Von Dir, Angst, lasse ich mich nicht beherrschen! Verschwinde aus meinem Leben!
Es hilft, das oft zu wiederholen, am besten laut. Es eröffnen sich völlig neue Perspektiven von Welt, vom Leben selbst, wenn nicht Angst, sondern der freie Wille die Oberhand über das eigene Denken und Handeln gewinnt.

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Nun zu meinen Empfehlungen diese Woche:
Ich bin eine große Vertreterin dessen, dass man am besten am Originalschauplatz mit eigenen Augen sieht und mit eigenen Ohren hört, bevor man sich eine Meinung bildet. Darum bin ich seit Jahren mit Menschen in Israel und Palästina unterwegs, lasse sie selbst sehen und mit Menschen vor Ort sprechen. Dabei werde ich von meinem Freund Yahav begleitet, einem zertifizierten israelischen Reiseleiter (der Beste!), der endlich ein erstes Video gemacht hat zu Jaffa:


Da zur Zeit das Reisen nicht so gut möglich ist, bietet das Münchner DOKFilmfestival in diesem Jahr die großartige Chance, mit 121 Filmen von zuhause aus ganz Deutschland in die Welt zu gucken.

HIER findest Du das gesamte Programm, das heute beginnt und online abrufbar ist. Aus meiner Sicht spannend: DOK.focus lasting memories beschäftigt sich mit Zeitzeug*innen des Nationalsozialismus und dem Umgang der nachfolgenden Generationen mit deren Vermächtnis. Bestimmt auch sehenswert: KOSHER BEACH aus Israel; IBRAHIM: A FATE TO DEFINE aus Palästina; und drei Filme aus dem Iran SUNLESS SHADOWS, THE UNSEEN und COPPER NOTES OF A DREAM (stimmt, ich habe eine Vorliebe für #Mittlerer und Naher Osten!).

Informationen zum Vorverkauf, den Tickets, Zahlungsmöglichkeiten und technischen Details findest Du hier.

Ich wünsche gute Unterhaltung und empfehle tiefes, lächelndes, angstbefreiendes Durchatmen!

Herzlichst,