Lieber Brieffreund, liebe Brieffreundin,
was soll ich sagen — das Leben ist schön. Für manche von uns jedenfalls. Die Welt dreht sich weiter, ganz gleich, wieviel Pflanzenvernichtungsmittel israelische Flugzeuge über Gaza und dem Libanon versprühen, ob die Bombardements in Gaza und die Vertreibungen in der Westbank weitergehen und ob Deutschland sich mit Geld und Waffen an alledem beteiligt. Hier auf einer einsamen thailändischen Insel ist es paradiesisch, das teile ich gerne mit Dir:

Aber man nimmt sich und die eigenen Gedanken ja sowieso immer mit, egal, wie weit man verreist. Das kennst Du sicher. Also, was soll ich sagen: Es geht mir persönlich sehr gut, ich erhole mich von zwei anstrengenden Jahren als (vorwiegend) Gastronomin und nehme die Dinge, wie sie sind:

Das israelische Magazin +972 räumt mal wieder mit der Mär vom „Waffenstillstand“ auf und erklärt, warum es so wenige unabhängige Quellen gibt, die aus Gaza berichten: weil möglichst viele Journalisten dort getötet werden, nach wie vor. Dass die geschätzte Zahl von 72.000 getöteten Palätinensern in Gaza ziemlich sicher weit unterschätzt ist, darauf deutet unter vielen anderen auch dieser Bericht hin, demzufolge Israel Waffen einsetzte, die durch Temperaturen von über 3.000 Grad Celsius zur Verdampfung von allem führten, auch von Menschen. Spurensuche zwecklos, Begräbnis überflüssig.
Da man gar nicht genug über all dies sprechen kann — ich meine wirklich alles, das Schöne und das Unerträgliche — gibt es heute jede Menge Termine, ganz meinem Leitspruch gemäß:
Manchmal sprachlos, niemals mundtot!
Bereits morgen geht es los mit der Internationalen Münchner Friedenskonferenz, die vom 13.-15. Februar unter dem Motto steht „Gegen den Strom der Gewalt“. Das Programm ist hochkarätig besetzt, u.a. mit Deborah Feldman und Shir Hever, die demnächst auch bei mir in Chemntz sein werden (dazu mehr weiter unten) sowie mit Fabian Scheidler. Anmeldung ist noch möglich unter www.friedenskonferenz.info.
Am Sonntag, den 22. Februar um 19 Uhr trete ich zusammen mit dem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH Trio mit der musikalischen Erzählung Daheim entfremdet im FranzK in Reutlingen auf. Die Veranstaltung findet anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Vereins „Flüchtlingskinder im Libanon e.V.“ statt, der u.a. die beeindruckende Nakba-Ausstellung ins Leben gerufen und damit einen großen Beitrag zum Verständnis des „Nahost-Konflikts“ aus palästinensischer Perspektive beigetragen hat.
Am Montag, den 23. Februar um 19 Uhr werde ich aus meinem Roman BEDUINENMILCH in Tübingen im „Lamm am Markt“ lesen. Infos und Karten gibt es über den Veranstalter Flüchtlingskinder im Libanon e.V.
Und hier schon mal eine Vorschau auf die große Gesprächsreihe bei uns im Café Julius in Chemnitz, bei der wir gemäß dem Titel „Tacheles“, das der Freistaat Sachsen dem „Jahr der jüdischen Kultur 2026“ verliehen hat, offen über spannene jüdische Themen sprechen werden.
Unsere Reihe heißt Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa. An neun Donnerstag-Abenden werde ich jeweils um 19 Uhr mit neun jüdischen Persönlichkeiten im Café Julius in Chemnitz zu brennenden jüdischen Themen unserer Zeit sprechen. Am 26. März geht es los mit Eva Menasse, im April weiter mit Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin und Deborah Feldmann, dann besucht mich Dr. Shir Hever und Emily Dische-Becker im Juni und Prof. Dr. Susan Neiman im Mai. Nach einer Sommerpause geht es im September weiter mit Yona-Dvir Shalem und im November kommen schließlich Dr. Herbert Lappe und Candice Breitz aufs Goldene Sofa nach Chemnitz. Erste Infos dazu gibt es HIER und bald in einem meiner nächsten Briefe.
Was soll ich also sagen: Wir bleiben zuversichtlich und hören nicht auf zu reden, was?! Gerade weil das Leben so schrecklich und so schön ist.
Herzlichst,

Hier ein paar Links:
Aljazeera: Wie bewaffnete Gaza-Gangs Israel unterstützen (online oder Instagram)
Lemkin Institute zur Verhinderung von Genozid: Die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Aufrechterhaltung der deutschen Leugnung des Völkermords (Englisch oder Deutsch)
Hanno Hauenstein in der FR: Wie Weinanbau Unrecht zementiert











































