Reden ist Silber, Schweigen keine Option

Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund,

die ganze Kampagne, die hier gegen mich lanciert wurde — und nicht nur in Chemnitz, sondern früher schon in München, in Berlin und andernorts, und nicht nur gegen mich, sondern gegen alle, die sich kritisch äußern zur israelischen Politik — dient einzig und allein dem Zweck, uns zum Schweigen zu bringen und nicht über die schreckliche, menschenverachtende Politik des Staates Israel zu sprechen, mit all ihren grauenhaften, tödlichen Implikationen für Palästinenser und für Israelis. Gerade in Deutschland verwechseln die Menschen (leider auch häufig in Amtsstuben) allzu oft Deutschlands gerechtfertigte Verpflichtung gegenüber Juden mit einer blinden Ergebenheit gegenüber dem Staate Israel. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Dass deutsche Erinnerungskultur und -politik sich mit deutsch-jüdischer Geschichte befasst, mit den unfassbaren Verbrechen der Nazis gegen Juden und andere Ausgegerenzte, mit dem Gedanken“gut“ derjenigen, die sich in Deutschland bis heute gehalten haben, was in jüngsten Wahlergebnissen erkennbar ist. Antisemitismusbeauftragte sollten sich 80 Jahren nach der „Stunde Null“ (die es nie gegeben hat) über die Diverstität des Judentums in Deutschland kundig machen und nicht das Sprachrohr der israelischen Regierung oder gar der amerikanischen werden. Deutsche Funktions- und Würdenträger müssen endlich begreifen, dass eine wachsende Zahl von Juden in Deutschland (und weltweit) ihre Stimme erhebt gegen eine israelische Politik, die weder mit jüdischen Werten vereinbar ist noch irgend einem Volk dient, auch nicht dem israelischen, sondern nur den Interessen Einzelner.

Wer Sicherheit und Frieden für Israel fordert, muss auch Sicherheit, Gerechtigkeit und Frieden für Palästinenser fordern. Nicht ihre „totale Vertreibung, Dezimierung, Vernichtung“ (alles Worte aus dem Munde israelischer Politiker; wer’s nicht glaubt, soll ein Übersetzungsprogramm verwenden).

Kurzum: Ich werde zu dem Unrecht nicht schweigen. Und mir nicht nachsagen lassen, ich würde die Katastrophe des 7. Oktober ignorieren. Das Gegenteil ist der Fall, nur setze ich das Leid, dass dieser grauenhafte Terror über Tausende an jenem Tag in Israel gebracht und zur Traumatisierung des ganzen Landes geführt hat, in einen Kontext. Die Spirale der Gewalt muss gestoppt werden. Es kann nämlich alles noch viel schlimmer kommen, mit noch viel mehr Blutvergießen, Schmerz, Tod und Trauma auf beiden Seiten.

Dies zu verhindern ist meine Mission. Meine bescheidenen Mittel sind die Verbreitung von Informationen, die nicht ohne Weiteres, also nicht ohne einen gewissen Aufwand, die deutsche Öffentlichkeit erreichen. Hier über meinen Blog werde ich ab sofort, so oft es meine Zeit zulässt, aktuelle Infos zur Situation in Israel – Palästina teilen, minimal moderiert.

Danke, dass Du Dich für dieses wichtige Thema interessierst. In einem Liedtext habe ich mal sinngemäß geschrieben:
„Wenn von Dir, Jerusalem, einmal das Licht des Friedens ausgehen wird, dann wird es sich über die ganze Welt verbreiten.“

LOVE IS.

Herzlichst,

Heute geht’s gleich los mit guten Nachrichten:
„No Other Land“ gewinnt den Oscar als bester Dokumentarfilm! Yeah, das sind unsere Leute! Adel Basra und Yuval Abraham schreiben seit Jahren für das Magazin +972, von dem ich hier schon unzählige Male etwas geteilt habe. Hier zwei Links:

https://taz.de/Oscar-fuer-No-Other-Land/!6070162

So sieht die Realität heute im Westjordanland aus:
https://bip-jetzt.de/2025/03/03/bip-aktuell-338-massenvertreibungen-im-westjordanland/

4 Gedanken zu „Reden ist Silber, Schweigen keine Option“

  1. Liebe Nirit Sommerfeld!
    Wie groß ist unsere Freude, dass es Ihr Cafè „Julius“ hier in Chemnitz gibt- für uns ein wunderbarer Rückzugsort.
    Für uns aber von noch größerer Bedeutung ist Ihr Engagement für eine israelisch- palästinensische Versöhnung, und das trotz Anfeindungen.
    Ihre Rede zum Chemnitzer Friedenstag zeigt den richtigen Weg. Sie als Rednerin auszuladen, Ihre Kritik an der Politik der israelischen Regierung als Antisemitismus zu bezeichnen, ist der falsche Weg.
    Danke für Ihr Engagement, für Ihre Leselust an den Donnerstagabenden!
    Reimund und Sylvia Gottschall

  2. Liebe Nirit Sommerfeld,
    vergangenen Donnerstag waren mein Mann und ich zum ersten Mal Gast bei Ihrer abendlichen Lesung im Cafè „Julius“. Bei unseren „reinen“ Cafè-Besuchen waren angetan von der guten Qualität des Kaffes und den soooo leckeren Kuchen, aber vor allem von Ihrer so warmherzigen Art, wenn Sie zubereitete Speisen den Gästen servierten. Schon da merkten wir, dass das „Julius“ für uns ein Wohlfühlort hier in Chemnitz wird.
    Um wieviel mehr waren wir erfreut, dass Sie Ihre Stimme erheben für eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern. Somit machen Sie auch uns Mut, die wir erschrocken sind, wenn uns Antisemitismus unterstellt wird, wenn wir die unsägliche Politik gegen die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland, in Gaza durch die israelische Politik kritisieren und diese als menschenverachtend bezeichnen.
    Bitte bleiben Sie eine mutige, taffe Frau in dieser so schwierigen Zeit.
    Sylvia Gottschall

  3. Liebe Nirit,
    oft, aber doch viel zu selten habe ich Dir mitgeteilt, wie wichtig Dein Engagement ist, wie sehr wir das schätzen und ehren!
    Vielen Dank für Deine wunderbare Arbeit, die Dich sicher auch sehr aufreibt und zermürbt. Es ist zweifellos ein Opfer das Du bringst und ich bewundere Deine Kraft und Ausdauer. Wir werden Deine Rede zum Chemnitzer Friedenstag und Deinen Blog in unseren nächsten Einladung teilen.
    Du bist auch jederzeit bei uns willkommen, wenn Du eine Veranstaltung in unserem Veranstaltungsraum „Klang im Dach“ machen möchtest.
    Ganz herzliche, seelisch-geistig unterstützende Grüße von Christoph und Rasha

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