Alle Beiträge von Nirit Sommerfeld

Wir spielen – wenn Ihr kommt!

Das Prinzregententheater verfügt über eine Belüftungsanlage, die alle 12 Minuten die gesamte Saalluft durch Frischluft austauscht. Da wir nur noch ein Viertel der Plätze besetzen dürfen, wird es viiiel Platz und viiiel Abstand im Zuschauerraum geben. Einige Karten gibt es noch, die Du Dir am besten jetzt sofort sicherst: Suche Dir im Saalplan die Kategorie aus und bestelle die gewünschte Anzahl der Tickets per Mail an jw-tickets@gmx.de. Oder sichere Dir Karten, indem Du unser Videoprojekt sponserst! Alle Infos HIER.
Falls die Veranstaltung dennoch kurzfristig abgesagt werden sollte, bekommst Du garantiert die Eintrittskarten zurückerstattet.

Wir sehen uns — so der Corona-Gott es will und Du am besten heute noch Karten bestellst — in zwei Wochen! Wir werden da sein.

Herzlichst,

Zeit zum Stollenbacken

Heute in drei Wochen ist es soweit: Um 20 Uhr geht das Licht im Zuschauerraum aus und unsere Vorstellung Jiddische Weihnacht beginnt im Münchner Prinzregententheater. So stellen wir uns das jedenfalls vor, so erhoffen wir uns das und wir arbeiten seit langem daran, dass es auch Wirklichkeit wird.

Jiddische Weihnacht
Vom Brückenbauen und Weitermachen

Konzert-Lesung mit

NIRIT & ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH
Erzähler: Helmut Becker

Dienstag, 7. Dezember 2021, 20 Uhr
Prinzregententheater München

VVK: MünchenTicket oder
direkt beim Veranstalter (gebührenfrei) per Mail an jw-tickets@gmx.de
*Sollte die Jiddische Weihnacht wegen COVID abgesagt oder verschoben werden, melden wir uns wegen eines Ersatztermins oder einer Erstattung des Ticketpreises.

Hier schon mal ein kleiner Appetitanreger…

Auch wenn wir die Zukunft nicht voraussagen können: Wir sind immer noch zuversichtlich, dass Veranstaltungen nicht abgesagt werden und dass mit 2G-Regelung unsere Konzert-Lesung stattfinden kann.

Du willst uns dabei helfen, die Jiddische Weihnacht Wirklichkeit werden zu lassen? Dann reserviere schnellstmöglich Tickets zu gebührenfreien Preisen per Mail an jw-tickets@gmx.de (hier der Saalplan mit Kategorien und Preisen). Außerdem planen wir einen Live-Mitschnitt der Vorstellung, den wir ab nächstem Jahr zur Verfügung stellen wollen. Aber wir brauchen noch jede Menge Unterstützung! Daher lade ich Dich herzlich ein, unser Video-Projekt zu sponsern. Bereits ab einem Beitrag von 100 € verewigst Du Dich im Abspann und bekommst eine DVD mit viel Extra-Material. Hier kannst Du Dir Dein Lieblingspaket aussuchen.
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In der Jiddischen Weihnacht spielt mein Großvater Julius eine wichtige Rolle; er war ein emanzipierter Jude, der zu Weihnachten durchaus mal einen Weihnachtsbaum aufstellte — selbstverständlich mit Davidsternen dekoriert. Seine Frau Margarete, meine Großmutter, kochte angeblich vorzüglich, sei es Gefilten Fisch oder eine Weihnachtsgans. Legendär war Margaretes Chemnitzer Stollen, den meine Mutter ausschließlich nach den Erinnerungen Meiners Vaters nachbuk: Er beschrieb ihr minutiös, wonach es ab Anfang November der 1920er Jahre im Hause Sommerfeld am Antonplatz 15 in Chemnitz duftete, wenn Margarete Dutzende Stollen buk, sie dann wochenlang zwischen den Fensterscheiben reifen ließ, um sie in der Chanukka- und Weihnachtszeit an Freunde und Verwandte zu verschenken.

Meinen Großeltern zu Ehren habe ich vor einigen Jahren dieses Video gemacht; wenn auch Du Margaretes Stollen backen willst, findest Du hier das Rezept dazu.

Wir sehen uns in drei Wochen im Prinzregententheater!
Bis dahin eine gute Zeit,
herzlichst

9. November Schicksalstag

Der 9. November gilt als Schicksalsdatum der Deutschen: Am 9. November 1848 scheitert die Märzrevolution, in der Bauern und Arbeiter für ihre Freiheiten auf die Straßen gegangen waren. 70 Jahre später, am 9. November 1918, wird in Berlin die Republik ausgerufen und beendet damit 50 Jahre deutsche Monarchie; zwei Tage danach gilt der Erste Weltkrieg als beendet. Auf den Tag genau fünf Jahre später, am 9.11.1923, scheitert Hitlers Putschversuch in München — er hatte zusammen mit SA-Schlägern versucht, die Feldherrnhalle zu stürmen, und landet dafür in Landsberg im Gefängnis, wo er „Mein Kampf“ diktiert und nach knapp einem Jahr frühzeitig entlassen wird. Neun Jahre darauf wird er im Januar 1933 zum Reichskanzler gewählt. Weitere fünf Jahre danach brennen in Deutschland jüdische Einrichtungen, Synagogen und Geschäfte — es ist der 9. November 1938, die Reichskristallnacht. Warum ich diesen Begriff der „Reichspogromnacht“ vorziehe, habe ich in meinem Blogeintrag vor einem Jahr ausgeführt. Das jüngste deutsche Schicksal wird vom 9. November 1989 markiert, als in Berlin die Mauer fällt.

Mein Großvater Julius Sommerfeld vor seinem Tuchgeschäft in Chemnitz, um 1930

Für uns Juden ist der 9. November vor allem mit dem Jahr 1938 verknüpft. Keine Jüdin, kein Jude wurde von dem Grauen verschont, das sich vor genau 83 Jahren in allen deutschen Städten, Dörfern und Gemeinden ausbreitete; das lebt in unserem transgenerationalen Gedächtnis weiter. Mein Großvater Julius hatte damals sein Unternehmen, ein Tuchgeschäft mit Groß- und Einzelhandel in Chemnitz, bereits offiziell einem nicht-jüdischen Freund übergeben. Was genau in jener Nacht zum 9. November mit dem Geschäft geschah, kann ich nicht sagen; ich weiß aber, dass mein Großvater — wie alle geschädigten Juden — zur Kasse ‚gebeten‘ wurde, um für die entstandenen Schäden aufzukommen. So konnte die leere Staatskasse bequem aufgefüllt werden. Die Kristallnacht ist in ihrer Brutalität nur ein Mosaikstein der Perfidie, mit der die Nazis ihr boshaftes Machwerk vollbrachten.

Nein! Nicht ganz vollbrachten! Wir leben ja, noch und wieder in deutschen Landen, in diesem Jahr nachweislich seit 1700 Jahren. Darum ist es mir ein Anliegen, sowohl zu gedenken und zu erinnern als auch mit Selbstbewusstsein zu zeigen: „Wir sind hier!“ — und den Fokus auf das zu richten, was im Zusammenleben von Juden und Deutschen gut funktioniert. Und da geht es schon los: Viele Juden in Deutschland sind ja Deutsche, mich eingeschlossen! Worum geht es also? Um das Zusammenleben von Juden und Christen? Um das Nebeneinander von Religionen und Kulturen? Um verschiedene Traditionen bei gleichen Wurzeln?

All das kannst Du bei der Konzert-Lesung Jiddische Weihnacht am 7. Dezember im Münchner Prinzregententheater erfahren! Dort werde ich zusammen mit dem wunderbaren Helmut Becker und meinem großartigen ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH singend und lesend viele Geschichten erzählen, auch die meines Großvaters Julius. Es gibt eine Menge zu lernen und zu lachen, tolle Musik, inspirierende Erzählungen, gute Stimmung. Die Kritiken der letzten Jahre bescheinigen uns:
Völkerverständigung in Perfektion geboten
Lichtfest der Religionen
Weltmusik mit Friedensbotschaft

Alle Infos zur Jiddischen Weihnacht findest Du HIER. Karten gibt es bei MünchenTicket oder (vergünstigt, weil gebührenfrei) direkt bei unserer Veranstalterin unter jw-tickets@gmx.de*.
*Bitte nenne die Anzahl der gewünschten Karten und die Kategorie. Hier siehst Du den Saalplan. Sollte die Jiddische Weihnacht wegen COVID abgesagt oder verschoben werden, melden wir uns wegen eines Ersatztermins oder einer Erstattung des Ticketpreises.

Ich freue mich sehr auf unser Wiedersehen! Bis dahin grüße ich herzlichst,

Lieber SPONSOR, liebe SPONSORIN in spe: Wenn Du unsere Arbeit nachhaltig unterstützen möchtest, kannst Du unser Filmprojekt Jiddische Weihnacht — live im Prinzregententheater mitfinanzieren. Sicher findest Du unter den  vielen Möglichkeiten eine, die dir gefällt und zu Dir passt. Wir sind für jeden Beitrag dankbar und freuen uns darauf, dieses Projekt auch mit Deiner Hilfe realisieren zu können!

Vom Brückenbauen und Weitermachen

Vom Brückenbauen und Weitermachen —  so lautet der Untertitel unseres Programms Jiddische Weihnacht, das wir endlich, endlich wieder spielen können. Ich freue mich schon wie ein Schnitzel (ein koscheres, versteht sich!), weil wir diesmal in meinem absoluten Lieblingshaus auftreten werden: dem Münchner Prinzregententheater! In diesem Jahr, in dem jüdisches Leben auf deutschem Boden seit 1700 Jahren existiert und gefeiert wird, ist es mir ein besonderes Anliegen, dieses vorweihnachtliche Konzert mit Lesung in so einem schönen Ambiente zu zeigen. Der rote Faden, der sich durch den Abend zieht, ist die Geschichte meines Großvaters Julius; er war ein hoch dekorierter Offizier des Kaisers, ein erfolgreicher Tuchhändler in Chemnitz, ein mutiger Familienmensch, der seinen Sohn und andere Verwandte bis 1939 außer Landes brachte. Die Nazis verschonten ihn ebensowenig wie sechs Millionen anderer Juden.

Aber seine humanistische Geisteshaltung lebt weiter! Sie findet in der Jiddischen Weihnacht durch unsere Geschichten und unsere Musik ihren künstlerischen Ausdruck. Ich singe und erzähle aus dem Leben meines Großvaters, Helmut Becker liest eindrucksvoll Texte von Ota Pavel, Anne Frank, Hanno Loewy und anderen, und natürlich spielt unser großartiges ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH in eigenen Arrangements hebräische, jiddische und internationale Lieder vom Brückenbauen und Weitermachen. Der Abend zeugt von der Co-Existenz von Juden und Christen, von Gedenken und Versöhnen, Mahnen, Erinnern und Feiern. Die Jiddische Weihnacht ist eine real existierende Unmöglichkeit, eine Brücke zwischen Religionen, Musikstilen und Traditionen. Sie ist mein wahr gewordener Traum.

Die Veranstaltung stellt dieses Mal eine große Herausforderung für uns dar, nach anderthalb Jahren musikalischer Dürre, schier unüberwindbarer Distanz zu unserem Publikum und existentieller Nöte. Umso größer ist die Vorfreude und unser Wunsch, Münchens schönstes Theater zu füllen, und DU kannst uns dabei helfen! Erst einmal, indem Du selber kommst am

Dienstag, den 7. Dezember 2021 um 20 Uhr
ins Prinzregententheater München

zweitens, indem Du Deine Liebste oder Deinen Liebsten mitnimmst, und drittens: indem Du alle, wirklich aaalllllleee Deine Freunde, Verwandten und Bekannten einlädst. Du brauchst dazu nur diesen Newsletter oder den Link zu unserer Website verschicken; dort findet sich ein BR-Fernseh-Beitrag, eine Radio-Ankündigung und weitere Infos zur Jiddischen Weihnacht, ebenso der Link zu MünchenTicket. Die besten Plätze haben wir für Euch, unsere Freunde und Fans, als Veranstaltertickets zu etwas vergünstigten Preisen zurückgelegt; Du kannst Du sie direkt bestellen (solange der Vorrat reicht!), indem Du eine Email schreibst an jw-tickets@gmx.de. Darüber freuen wir uns besonders.

Darüber hinaus planen wir eine Videoaufzeichnung im Prinzregententheater; daraus möchten wir einen Film für nächstes Jahr vorbereiten mit exklusivem extra-Material, xx-large! Ich lade Dich ganz herzlich ein, dieses Film-Projekt zu sponsern! Dazu haben wir eine Crowdfunding-Seite eingerichtet, bei der Du Dir verschiedene Optionen aussuchen kannst. Es lohnt sich, mal reinzuschauen und gerne auch weiterzuleiten! Jetzt schon dafür: GANZ HERZLICHEN DANK!

Damit Du weißt, wie kreativ einige von uns in den vergangenen anderthalb Jahren werden mussten, sieh Dir diesen TV-Beitrag über unseren Pianisten Jan Eschke und seine Frau Sonja an. Verdienen die nicht den größten Tapferkeits- und Liebes-Preis?!?

Also: Wir wollen alle von mehr leben als von freundlichem Applaus, darum Weitersagen nicht vergessen und schnell Tickets bestellen!


Herzlichst,

Übrigens: Für kleine und größere Gruppen schnürt unsere Veranstalterin von Mehr Kultur e.V. Weihnukka-Special-Pakete zu Sonderkonditionen. Email genügt!

Nachtrag zu Samirs Spendenaufruf

Nachdem sich einige von Euch gemeldet haben, um Samir zu unterstützen, gibt es am Ende dieser Mail Details zu einer kostenfreien Überweisung auf ein österreichisches Konto, bei dem weder für uns noch für ihn Gebühren anfallen. Aber zunächst möchte ich von meiner Geschichte mit Samir erzählen.

Samir und seine Frau Tanny bei unserem letzten gemeinsamen Treffen in Bethlehem, Oktober 2019

Samir habe ich kurz vor Weihnachten 2005 kennengelernt. Er war mir als „der beste Reiseleiter Bethlehems“ von einem Wiener Pfarrer ans Herz gelegt worden. Mit Samir durfte ich die Stadt erstmals aus palästinensischer Perspektive erkunden. Als ich erstmals den monströsen Checkpoint passierte und zu ihm ins Auto stieg — die Warnungen meiner israelischen Familie im Ohr, ich könnte entführt, gefoltert, getötet werden und würde damit Israels gesamte Sicherheit gefährden, weil man mich dann aus den Fängen der Terroristen befreien müsse — als ich also in seinem Auto saß und mich anschnallen wollte, sagte er in perfektem Deutsch zu mir: „Sie können, aber Sie müssen sich hier bei uns nicht anschnallen. Willkommen im Land der Freiheit!“. Kurz darauf fragte er mich lachend, ob ich nicht meiner Familie Bescheid sagen wolle, dass ich wohlbehalten durch Bethlehem chauffiert und nicht entführt würde; spätestens dann war der Bann gebrochen.

Er brachte uns nicht nur, wie verabredet, kurz zu einem Treffen mit Mitri Raheb, sondern begleitete uns den ganzen Tag durch Bethlehem. Am selben Abend wurde der Beginn unserer Freundschaft mit einem Besuch bei ihm zu Hause besiegelt, bei dem seine Frau und seine beiden Kinder uns aufs Herzlichste willkommen hießen und uns bis spät in die Nacht von ihrem bewegten Leben erzählten.

Seither vergeht kaum ein Jahr, an dem wir uns nicht in Bethlehem sehen. Viele meiner Reisegruppen sind in den Genuss seiner Führungen gekommen. Dabei konnte ich immer wieder Zeugin seiner unglaublichen Sprachkenntnisse werden: Samir wechselt mühelos von Deutsch nach Englisch, Italienisch, Spanisch oder Hebräisch und beherrscht auch noch zwei weitere Sprachen. Seine Kinder haben mittlerweile studiert, der Sohn ist Zahnarzt in Wien. In all den Jahren hat er der Besatzungsrealität mit guten Ideen, Kreativität (er hat schon zig Berufe erlernt und ausgeübt), unfassbar viel Humor und einem tiefen christlichen Gottesglauben standgehalten. Nun ist sein größter Schmerz der Tatsache ins Auge zu blicken, dass seine Kinder außerhalb Palästinas ein besseres Leben erwartet als in ihrer Heimat — ohne Aussicht auf ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Selbstbestimmung. Sein eigenes Leben hat, nach einem Studium in Detroit, Stuttgart und anderen Stationen, viele Höhen und Tiefen erlebt; in der aktuellen Notsituation erlebe ich erstmals in den vielen Jahren, dass er um Unterstützung bittet.

Hier nun sein letztes Schreiben an mich mit seiner Bankverbindung. Danke für Deine Unterstützung!

Herzlichst,

Alles schon gesagt?!

Immer wieder denke ich, dass ja alles bereits gesagt, geschrieben, gesendet, besprochen, diskutiert und erklärt wurde zum Thema Israel und Palästina. Und dass der Unterschied zwischen Hass auf Juden und kritischer Auseinandersetzung mit der israelischen Besatzungspolitik eigentlich wirklich keiner Erklärung mehr bedarf. Und dass doch eigentlich jeder Mensch, der sich ab und zu mal mit dem Thema befasst, Bescheid wissen müsse. Und bin dann überrascht, wenn in Gesprächen darüber die Leute so überrascht sind. Über die Menschenrechtsverletzungen, über den Alltag der Palästinenser, über das Leben in Israel. Da ich selbst so viel darüber lese und höre, dachte ich mir, ich könnte das doch einfach mal mit Dir teilen. Dann muss ich selbst nicht so viel beschreiben und kann eher Leseempfehlungen aussprechen. Jedenfalls bis ich Dich wieder einladen kann, mit mir auf die Reise zu gehen nach Israel und Palästina und selbst zu hören und zu sehen. Aber das wird wohl noch ein Weilchen dauern.

Hier also etwas zur Alltagsrealität zwischen Mittelmeer und Jordan:
– die Badische Zeitung zu einem Vorfall, wie er sich in jüngster Zeit immer häufiger ereignet, wenn bewaffnete Siedler sich aufmachen, um ein palästinensisches Dorf aufzumischen;
– der Deutschlandfunk mit einem ermutigenden Bericht über israelische Aktivisten, die sich für eine gerechte Wasserversorgung für Palästinenser stark machen;
– ein ganz persönlicher Brief meines langjährigen Freundes Samir aus Bethlehem, der erstmals um dringend benötigte Hilfe bittet.

Ansonsten kann ich immer wieder die Lektüre des BIP-Blogs empfehlen, dort gibt es auch weiterführende Links zum Thema. Außerdem ist ein Blick auf die Seite der Jüdischen Stimme immer eine gute Idee, schon allein um zu begreifen, dass es so viele unterschiedliche Jüdinnen und Juden in Deutschlang gibt.

Für kurz entschlossene Berliner: Heute Abend moderiere ich zusammen mit Qassem von Palästina spricht den Vortrag von Daoud al-Ghoul aus Ost-Jerusalem, der über die jüngsten Vertreibungen dort im Frühjahr 2021 spricht:

Donnerstag, 7. Oktober 2021, 19 Uhr
The Expulsion of Palestinians from Jerusalem and the Resistance Against it
with Daoud al-Ghoul

Mosaik Palästina
Grunewaldstr. 87
10823 Berlin

Eine gemeinsame Veranstaltung von JÜDISCHE STIMME und PALÄSTINA SPRICHT auf Englisch
Weitere Infos HIER.

Und diese Online Filmpremiere solltest Du Dir auf keinen Fall entgehen lassen, wenn Dich die Diskussion und ihre Verstrickungen hierzulande interessieren:

Sonntag, 10. Oktober 2021, 18 Uhr
Zeit der Verleumder

FILMPREMIERE ONLINE
Eine ideologiekritische Intervention
Youtube-Kanal: Projekt Kritische Aufklärung
Direkt im Anschluss diskutieren Moshe Zuckermann, Rolf Becker und die Filmemacher mit dem Publikum

Ich freue mich auf ein echtes, lebendiges Wiedersehen – vielleicht auch demnächst mit Musik!
Herzlichst,

Gruß und Dank

Ihr Lieben,

heute ein ganz kurzes Video… 

Grüße, Dank und zwei Veranstaltungen

DANKE 
für die vielen Spenden, die uns als Prozesskostenhilfe erreicht haben. Nun können wir in die 2. Instanz gehen, um uns gegen verleumderische Antisemitismus-Vorwürfe (auch juristisch) zu wehren. Einen ausführlichen Dankesbrief mit Infos von Andreas Zumach findest Du am Ende dieses Newsletters.

Zu diesem Thema gibt es am Freitag ein
PODIUMSGESPRÄCH
im Rahmen der Ulmer Friedenswochen sprechen Andreas Zumach und ich mit Anwesenden zum Thema Konflikt Israel/Palästina, Judenfeindlichkeit/Antisemitismus und unsere besondere Verantwortung als Deutsche
Freitag, 24. September 21, 19 Uhr
Bürgerhaus Mitte, Schaffnerstraße 17, 89073 Ulm

Alle weiteren Infos HIER.

NIRIT & ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH TRIO
spielen im Rahmen von JÜDISCHES LEBEN IN DEUTSCHLAND zur Ausstellungseröffnung mit Bildern des Karikaturisten Kirszenbaum
Donnerstag, 30. September 21, 19 Uhr
VHS Ebersberg, Dr.-Wintrich-Str. 3, 85560 Ebersberg

Auf bald — ich freue mich sehr auf lebendige Begegnungen!

Herzlichst,
Sehr geehrte Damen und Herren,                                        30. August 2021
liebe FreundInnen und Freunde,

ich bedanke mich auch im Namen von Nirit Sommerfeld und Lothar Heusohn vom Ulmer Weltladen ganz herzlich  für die großzügige finanzielle Unterstützung, mit der Sie/Ihr auf mein Schreiben vom 16. Juni mit der Bitte um Prozeßkostenhilfe reagiert haben/habt. Dank Ihrer/Eurer Solidarität sind zumindest die Kosten gedeckt, die uns drei für das Verfahren in erster Instanz vor dem Ulmer Landgericht entstanden sind. Und Ihre Unterstützung hat uns dazu ermutigt, Berufung beim Oberlandesgericht(OLG) Stuttgart einzulegen, was inzwischen geschehen ist. Unser Anwalt ist sehr zuversichtlich, daß das OLG das erstinstanzliche Urteil korrigieren wird. Die Erwartung, das Verfahren vor dem OLG werde noch in diesem Jahr stattfinden, wurde allerdings enttäuscht. Das OLG hat jetzt erst einen Verhandlungstermin für den 22. März 2022 anberaumt. Inoffiziell wurde dieser sehr späte Termin mit Personalnotstand beim OLG begründet. Der Vorteil des späten Termins könnte allerdings sein, daß bis dahin das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über das Revionsbegehren der Stadt München gegen ihre Niederlage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (in Sachen BDS-Beschluss des Stadtrates und Verweigerung städtischer Räume) entschieden hat. Die Verhandlung in Leipzig ist für den 1. Dezember anberaumt. Sollte das Bundesverwaltungsgericht das Urteil der Vorinstanz bestätigen, wonach der Münchner Stadtratsbeschluß und seine Umsetzung gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes verstoßen, könnte dies positive Auswirkungen auf unser Verfahren haben.

Wir müssen uns also gedulden. Sobald es neue Entwicklungen gibt, werde ich Sie/Euch informieren.

Mit besten Grüßen

Andreas Zumach

Wie Besatzer denken


Neulich konnte ich an einer höchst spannenden Konferenz teilnehmen, in der die Professoren Ilan Pappe, Nurit Peled-Elhanan und Haim Bresheeth jeweils einen sehr spannenden Vortrag zu ihren Fachgebieten Geschichte, Pädagogik und die Rolle des Militärs in Israel hielten. Es ging darum, psychologisch-politische Einsichten zu gewinnen – so auch der Name der Veranstalter (Psycho-Political Insight). Die Konferenz trug den Titel Israel and Palestine: The Mind of the Occupier and Dissident Israeli Voices.

Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig zu begreifen, wie Israelis denken, wie sie erzogen und sozialisiert werden, um zu verstehen, wie die israelische Gesellschaft im Allgemeinen denkt und handelt. Dieses Verständnis hilft zu erklären, warum es höchst unwahrscheinlich ist, dass aus der israelischen Zivilgesellschaft heraus ein Wandel der politischen Verhältnisse kommen wird.
Nun ist der Link zur gesamten Konferenz endlich freigegeben worden. Wer keine drei Stunden Zeit aufbringen kann und will: Hier geht es direkt zum Beitrag von Ilan Pappe, hier zum Beitrag von Nurit Peled-Elhanan und hier zu dem von Haim Bresheeth.
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Diese Woche habe ich dem Online-Portal Die Freiheitsliebe dieses Interview gegeben:

Sehr erfreulich sind aktuell die Aktivitäten von Palästina Spricht, also von jungen palästinensischen Menschen in ganz Deutschland, die durch Informations- und Aufklärungsveranstaltungen auf die Situation ihrer Landsleute aufmerksam machen wollen. Am heutigen Freitag Abend von 17-20 Uhr sprechen sie in einer öffentlichen Zoom-Veranstaltung darüber, wie, wo und warum in Deutschland permanent versucht wird, die öffentliche Solidarisierung mit Palästina mithilfe des BDS-Vorwurfs zum Schweigen zu bringen. Omar Barghouti, einer der Mitbegründer der aus der palästinensischen Zivilgesellschaft heraus entstandenen Boykott-Bewegung BDS, wird als Sprecher an der Konferenz aus Palästina hinzugeschaltet. Wenn Du also aus erster Hand erfahren möchtest, wofür BDS steht und was Palästinenser mit der Boykottbewegung bezwecken, solltest Du heute online teilnehmen! Mit diesem Link kannst Du Dich anmelden.

Da auch ich seit einigen Jahren permanent mit dem BDS-Label bedacht werde (ungeachtet dessen, dass ich Israel regelmäßig bereise und sogar noch Leute dorthin mitbringe), habe ich jetzt beschlossen, den Spieß umzudrehen. Ich sage hiermit deutlich, dass ich BDS gut finde, weil durch BDS endlich das ganze Thema Israel-Palästina im Gespräch ist. Man muss sich wahrlich keine Sorgen machen, dass Israel wirtschaftlich oder sonstwie die Luft ausgeht, dazu ist der Staat viel zu gut vernetzt. Man kann sich vielfach davon überzeugen, dass der Aufruf zum Boykott israelischer Produkte oder Leistungen nicht per se antisemitisch ist — das haben Hunderte jüdischer und israelischer Wissenschaftler und Künstler vielfach bescheinigt, das ist u.a. in der Jerusalem Deklaration on Antisemitism nachzulesen. Zudem hat der wissenschaftliche Dienst des Bundestages bezüglich des BDS-Beschlusses festgestellt:

Der Beschluss stellt eine politische Meinungsäußerung im Rahmen einer kontroversen Debatte dar. (…) Ein Nutzungsausschluss von BDS-nahen Personen oder Gruppen allein wegen zu erwartender unerwünschter Meinungsäußerungen ist daher mit Art. 5 Abs. 1 GG unvereinbar.28 Insbesondere stellt auch der Beschluss des Deutschen Bundestages vom 17. Mai 2019 – wie oben dargelegt – keine Grundlage dar, die eine solche Einschränkung rechtfertigen könnte.

Quelle: Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages (die 6 Seiten sind schnell gelesen und leicht verständlich)

Unangenehm ist Boykott schon, davon kann ich ein Lied singen. Was der BDS-Kampagne aber gelungen ist (bisher ohne mein aktives Zutun, das gebe ich zu), ist dass endlich mit größerer öffentlicher Aufmerksamkeit darüber gesprochen wird, welches Unrecht den Palästinensern zwischen Mittelmeer und Jordan durch Besatzungspolitik geschieht. Jüngstes Beispiel ist die Entscheidung der Eiscreme-Herstellerfirma Ben & Jerry’s, die offiziell bekanntgegeben hat, ihre Liefervereinbarung für Eiscreme in die völkerrechtswidrigen jüdischen Siedlungen im besetzten Palästina nicht zu verlängern. Begründung: „Was in den Besetzten Gebieten Palästinas geschieht, ist nicht mit unseren Werten vereinbar.“ Darüber schreibt der Guardian, darüber regt sich die israelische Regierung massiv auf, in den sozialen Netzwerken gehen die Klicks auf den entsprechenden Kanälen gerade durch die Decke. Das Thema hat Aufmerksamkeit, wird debattiert, Menschen fordern andere Unternehmen dazu auf, dem Beispiel von Ben & Jerry’s zu folgen. Eine davon ist Knesset-Mitglied Aida Touma-Sliman:

Der Vertrag von Ben & Jerry’s läuft übrigens erst Ende nächsten Jahres aus. Wir müssen uns also keine Sorgen machen, dass eine Dreiviertel Million Siedler in der Wüste an Eiscrememangel erkranken oder an Süßigkeitenentzug sterben; es wird sich zweifelsohne ein anderer Hersteller finden, der die Lücke füllt. Aber das Thema ist da, ganz klar. Dafür hat die BDS-Bewegung mit ihren Kampagnen gesorgt, und das finde ich gut.

Vielleicht fangen wir jetzt mal an darüber zu sprechen, wie wir weitere Militärgewalt, Kinderverhaftungen, Hauszerstörungen und andere Grausamkeiten verhindern können. Und darüber nachzudenken, wie wir von Europa aus für ein Zusammenleben von Israelis und Palästinensern unter gerechten und menschenwürdigen Bedingungen beitragen können.
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Themenwechsel, aber nicht ganz: Das spannendste Sachbuch über Geschichte, Wissenschaft, die Entwicklung des kapitalistischen Weltsystems und die Transformation der Gesellschaft hat Fabian Scheidler geschrieben (wobei „Sach“Buch zwar richtig ist, aber mit ganz viel Aha und Fühlen).

Ich wünsche Dir Zeit, Ruhe und Aufmerksamkeit für diese fabelhafte Lektüre. Ein Gespräch mit Fabian Scheidler zu seinem Buch findest Du in diesem Video; weitere Interviews zu aktuellen Themen wie Klima und Hochwasser auf seiner Website.

Herzlichst,

Alles, Was Recht ist

Liebe Leserin, lieber Leser meiner gebloggten Briefe,

heute geht es — wie so oft — um „mein“ Thema Israel und Palästina, diesmal aber auch um den Aspekt, wie damit in Deutschland von einigen Leuten, Institutionen, Parteien und Interessengruppen umgegangen wird. Zuerst die gute Nachricht: Heute erschien im München-Teil der Süddeutschen Zeitung in der Rubrik ‚Leute‘ ein fast ganzseitiger Artikel über ein Gespräch, das ich mit der jungen, engagierten und höchst motivierten Palästinenserin Rihm Hamdan führen konnte. Martina Scherf von der SZ hat sehr genau hingehört und unsere beiden Stimmen, wie ich finde, wunderbar wiedergegeben. Hier findest Du den Artikel online, hier als PDF.

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Dass man ausgerechnet mir immer wieder mit dem Vorwurf Antisemitismus und Israelhass kommt, ist an Absurdität und Dreistigkeit eigentlich nicht zu toppen. Es gibt aber derzeit doch eine Steigerung: In Ulm wurde im März 2021 von einem anonymen „Kollektiv 26“ zusammen mit Grüner Jugend, Jusos und Deutsch-Israelischer Gesellschaft eine Mail verbreitet, in der u.a. mein Name erscheint als Person, die zu den Ulmer Friedenswochen nicht mehr eingeladen werden soll. Begründung: Israelhass und Antisemitismus sollen dieses Jahr (sic!) nicht auf der Agenda der Friedenswochen stehen. Aha. Dieses Jahr also ausnahmsweise nicht.

Nachdem ich solcherlei Unfug in den vergangenen fünf Jahren mit Schulterzucken oder Kopfschütteln, wahlweise auch mit mehr oder weniger Ärger und Bauchschmerzen habe über mich ergehen lassen, bin ich diesmal zusammen mit zwei weiteren Betroffenen, dem Journalisten und BIP-Beirat Andreas Zumach und dem Veranstalter des Ulmer Weltladens e.V., Lothar Heusohn, vor Gericht gezogen. In erster Instanz haben wir verloren.

Ein Richter aus Ulm, der über eine Verleumdungsmail zu urteilen hatte (siehe unten Anhang 1 — von zahlreichen Menschen wurde sie als solche gelesen) bescheinigte mir zwar im Gerichtssaal, dass jede Nähe zu Antisemitismus bei mir vollkommen abwegig sei, er bestätigte auch, dass die Mail „a G’schmäckle“ habe (für alle Nicht-Süddeutschen: ein übler Beigeschmack ist gemeint), aber in sein Urteil schrieb er:

„Allein durch diese Fragestellung in Verbindung mit den in Absatz 1 der E-Mail vom 09.03.2021 aufgeworfenen Thematik gebracht zu werden, mag die Klägerin, als nachfolgende Generation von Holocaust-Überlebenden, nachvollziehbar besonders schmerzen, führt jedoch nicht zu einer rechtlichen unmittelbaren Betroffenheit.“

Meine Mutter lehrte mich schon früh: Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Dinge. Darum habe ich bisher in meinem Leben den Rechtsweg weitestgehend ausgeschlossen. Aber die Dinge ändern sich, und ich bin entschlossen, mit meinen beiden Mitstreitern den Weg in die nächste Instanz mitzugehen. Da das alles extrem kostspielig ist, hat Andreas Zumach einen Spendenaufruf formuliert und dazu die ganzen Vorgänge in Ulm dokumentiert; dies alles leite ich hier gerne weiter und möchte mich schon im Voraus für jeden einzelnen Euro bedanken.

SPENDENAUFRUF von Andreas Zumach
Für alle, die es genau wissen wollen, hier die Dokumentation als PDF-Anhänge:

1. Mail vom 9. März 2021 Ulm
2. Brief von Heusohn an Verleumder
3. Südwest Presse: Worte, die wie Gift wirken
4. Urteil LG Ulm
5. Stellungnahme von Zumach, Heusohn, Sommerfeld

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In dem oben erwähnten SZ-Artikel sage ich, man muss sich mal in die Schuhe des andern stellen, wenn man einer Lösung des ‚Konflikts‘ näher kommen möchte. Das habe ich natürlich nicht selbst erfunden, das haben uns schon andere vorgemacht und es ist, soweit ich weiß, auch eine psychologische Praxis. Mein größtes Vorbild auf diesem Feld sind die Frauen und Männer, die palästinensischen und israelischen Mütter, Schwestern und Brüder, die ihre Liebsten verloren haben und dennoch bereit sind, einander die Hand zu reichen. Am 12. Juli um 19 Uhr veranstalten sie gemeinsam eine Nakba Gedenk-Zeremonie, weil sie damit zum Ausdruck bringen wollen, dass „Versöhnung und Respekt eine aufrichtige Auseinandersetzung mit der Geschichte erfordern“.

Hier kannst Du ein kurzes Einladungsvideo zur Veranstaltung ansehen und Dich für die Online-Zeremonie anmelden.

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Noch nicht genug geguckt? Dann gibt es hier noch zwei neue Videos von den letzten beiden Reden, die ich auf Demonstrationen anlässlich der anhaltenden Gewalt in Palästina und zur fortdauernden Besatzung und ihrer Folgen gehalten habe.

Diese Rede gibt es mit deutschen und englischen Untertiteln zur Auswahl bei YouTube 

Und hier findest Du das Video von meiner Rede vor dem Wuppertaler Rathaus.

Herzlichst,

Ursache, Wirkung und Kontext verstehen

Heute vor 73 Jahren fiel die Bombe in der Straße in Jerusalem, in der meine damals 10-jährige Mutter mit ihrer Familie lebte. Die Bombe — vielleicht war es auch eine Granate — explodierte „versehentlich“ an einem Baumwipfel in der kleinen Siedlung, die sich auch heute noch direkt hinter dem Ben-Yehuda-Markt im Zentrum Jerusalems, unweit der Altstadt, befindet. Durch die Explosion und die Granatsplitter wurden viele Menschen in der Straße, in den Häusern und den kleinen Höfen getötet und verletzt. In unserer Familie kamen der 6-jährige Shalom, der jüngste Bruder meiner Mutter, der Großvater und ein Onkel ums Leben, meine Großmutter Esther und deren Mutter Bat-Sheva überlebten schwer verletzt. Meine Mutter war wenige Minuten zuvor mit ihrer Freundin zum Wasserholen gegangen; die Freundin hatte jedoch ihre Puppe vergessen und lief zurück, um sie zu holen, während meine Mutter am Brunnen auf sie wartete. Die Freundin kam nie wieder; ein Granatsplitter bohrte sich in ihre Lunge, sie verbrannte innerlich.

Diese und ähnliche Szenen, die sich an jenem Tag abspielten, erzählte meine Mutter immer und immer wieder. Der 20. Mai wird in unserer Familie stets ein besonderes, ein traumatisches Datum bleiben. Obwohl ich das alles nie persönlich erlebt habe, so kann ich das Grauen von Kriegsgewalt, vor allem für Kinder, zutiefst nachempfinden. Kinder können sich nicht wehren; Zivilisten können sich nicht wehren. Nicht vor 73 Jahren und nicht heute; nicht in Jerusalem, nicht in Gaza, nirgendwo. Die Zeit heilt die Wunden, aber die tiefen Verletzungen schlummern in unseren Seelen. Sie werden von Generation zu Generation weiter gegeben. Wir alle, jede und jeder Einzelne, kann im Rahmen der eigenen Möglichkeiten dazu beitragen, diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Sich einmal in die Schuhe der Anderen stellen hilft dabei. Wie das geht, zeigt der israelische TV-Comedian Assaf Harel bereits 2017 in diesem Video; und mit diesem phänomenalen Text macht es uns die Mutter, Großmutter, Feministin und Gründerin des Community Media Centre Andaleeb Adwan aus Gaza leicht, sich in sie hineinzuversetzen — und schwer. (Man kann sich den Artikel auf Deutsch vorlesen lassen, indem man auf das kleine Welt-Symbol rechts neben der Zeitangabe klickt)

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Am vergangenen Montag hielt ich auf dem Rotkreuzplatz bei der Veranstaltung „Waffenruhe sofort!“ diese Rede:

Meine Tochter Lili, so wie ich Mitglied und zudem im Vorstand der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, hielt bei einer Berliner Demo, die von der Jüdischen Stimme und von Palästina Spricht gemeinsam organisiert wurde und die vollkommen friedlich verlief, diese Rede:

Michael Lüders, Nahostexperte und Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, hat sich des aktuellen Themas ebenfalls angenommen in seinem neuesten Podcast-Beitrag:

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Auch wenn es angesichts der dramatischen Ereignisse in Israel und Palästina fast schon vergessen ist: Unser Konzert in Luxembourg vor zwei Wochen war ein voller Erfolg und wurde medial vom Luxembourger Fernsehen RTL begleitet. Dieser schöne, politisch ausgesprochen klare 3-minütige TV-Bericht ist dabei herausgekommen. Das gesamte Konzert wurde gestreamt und kann HIER in voller Länge angesehen werden (und HIER mit französischen Untertiteln). Passend dazu das heutige Radio-Interview im Deutschlandfunk mit dem Luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn.

Ich wünschte, deutsche Politikerinnen und Politiker würden auch so klare Worte finden.