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78 Jahre | Visual: Nakba | Essay: Eva Menasse | Video: Deborah Feldman

Heute vor 78 Jahren hat David Ben Gurion den Staat Israel ausgerufen. Meine Mutter war damals elf; die restlichen 70 Jahre ihres Lebens hat sie davon erzählt, wie sie auf den Straßen tanzten und endlich, endlich! — die ganze Nacht hindurch ihre Unabhängigkeit feierten. Endich war die Hoffnung auf ein freies, selbsbestimmtes Leben als Juden in Sicherheit und ohne Angst vor Verfolgung mit einem eigenen Staat in Erfüllung gegangen. Tags drauf, so erzählte sie, „griffen uns bereits fünf arabische Armeen an, wir konnten sie jedoch in unserem Unabhängigkeitskrieg vernichtend schlagen.“. Mit diesem Narrativ bin ich aufgewachsen, wie Millionen andere Israelis. Meine Mutter konnte sich — wie fast alle Israelis bis heute — nicht an das Massaker an der arabischen Bevölkerung dort und an die Vertreibungen, etwa aus Lifta bei Jerusalem, die lange vor der Staatsgründung von jüdischen Milizen an der palästinensischen Bevölkerung verübt worden waren. Vielleicht war sie zu jung gewesen, vielleicht geschahen die Vertreibungen auch so geschickt, dass man sie einfach nicht… mitbekommen konnte? Obwohl sie schon als 30-Jährige, gleich nach dem 1967er Krieg, kritisch gegenüber der israelischen Regierungspolitik war und mit meinem Vater und mir Israel für immer verließ, obwohl sie eine strikte Gegnerin der Besatzung war, obwohl sie Israel und ihre Familie in den letzten Lebensjahren mit wachsender Wut besuchte und wieder verließ, blieb ihre Sehnsucht nach einer gerechten, demokratischen israelischen Staatlichkeit und Heimat ebenso fester Bestandteil ihres Seins wie ihre widersprüchlichen Rechtfertigungsversuche im Hinblick auf das schreiende Unrecht, das Palästinensern durch Israel seit rund 80 Jahren widerfährt.

Mittlerweile markiert der 15. Mai den Nakba-Tag, mit dem die Palästinenser an die damalige und die andauernde Nakba — zu Deutsch: Katastrophe — erinnern. Was „andauernde Nakba“ für Palästinenser bedeutet, kann man mithilfe der Grafiken von VISUALIZINGPALESTINE interaktiv erfahren und erahnen. Zum Beispiel kannst Du in dieser Grafik die Namen von 60.199 Palästinensern aufrufen, die zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 31. Juli 2025 in Gaza getötet wurden.

VISUALIZINGPALESTINE erstellt seit 2012 Infografiken zu fast allen Bereichen palästinensischen Lebens, um Menschen auch diese Sichtweise nahezubringen. Ich empfehle sehr, auf deren Website zu stöbern. Hier noch ein Beispiel, was uns Europäer direkt betrifft:


Stichwort Europäer: Im neu entstandenen Magazin equator hat Eva Menasse dieses ausführliche und unbedingt lesenswerte Essay geschrieben (wer des Englischen nicht mächtig ist, dem empfehle ich einen online-Übersetzer wie z.B. DeepL). Es lohnt sich, wenn Du die Mechanismen und Verstrickungen zwischen “Staatsräson”, Antisemitismus”bekämpfung” und eingeschränkten Diskursräumen in speziell Deutschland tiefer verstehen willst.


Auf dem Goldenen Sofa in Chemnitz wird weiterhin Tacheles geredet. Das letzte Gespräch mit Deborah Feldman ist ab sofort auf dem YouTube-Kanal des Café Julius zu sehen — kostenfrei für Dich und in voller Länge. Kosten sind uns natürlich schon entstanden, und da uns die zugesagte Förderung nachträglich entzogen wurde, sammeln wir Geld mit einer Crowdfunding Kampagne auf StartNext. Dort findest Du alle Informationen zu diesem Skandal und kannst auch spenden. Wir haben schon gut die Hälfte des benötigten Budgets, aber ein bisschen was können wir schon noch brauchen.

Das nächste Tacheles-Gespräch findet am 4. Juni mit Dr. Shir Hever statt. Bitte unbedingt reservieren, es wird voll werden! Hier findest Du alle weiteren Termine sowie den aktuellen Flyer. Das Gespräch mit Prof. Susan Neiman haben wir aus organisatorischen Gründen auf den 27. August verlegt.

Auf bald — bei hoffentlich höheren Temperaturen im Außen und in den Herzen — 

Videos der Tacheles-Gespräche jetzt online

Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund,

endlich ist es auch Dir möglich, an den Tacheles-Gesprächen auf dem Goldenen Sofa in Chemnitz teilzuhaben, auch wenn Du weit weg wohnst und nicht live dabei sein kannst.

Das erste Gespräch mit Eva Menasse ist bereits seit einigen Tagen online, der zweite Tacheles-Talk mit Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin kann ab sofort angesehen werden.

Das dritte Gespräch mit Deborah Feldman, das am vergangenen Donnerstag stattfand, ist noch in der Nachbearbeitung, kann aber demnächst auf dem selben YouTube-Kanal gefunden werden, den wir eigens dafür eingerichtet haben und auf dem wir hoffentlich noch viele Tacheles-Videos veröffentlich werden. Da unser schönes Sofa im Café Julius steht und diese Gesprächsreihe dort stattfindet, haben wir den Kanal so genannt und Du findest ihn hier:
www.youtube.com/@CafeJulius.
Dort stehen die Videos ab sofort kostenfrei zur Verfügung.

Vielleichst hast auch Du schon die Gesprächsreihe und unsere Crowdfunding-Kampagne finanziell unterstützt — dafür an dieser Stelle einen ganz großen Dank! Einen Teil des Geldes stecken wir nämlich in die professionelle Aufzeichnung und Produktion der Videos, die bei jedem der Gespräche aufgenommen und anschließend ungekürzt geschnitten werden, um sie öffentlich zugänglich zu machen.

Noch einmal: Das wird nur möglich Dank Deiner, Danke Eurer Unterstützung. Noch haben wir unser Spendenziel nicht ganz erreicht, aber wenn Ihr Euren Freunden, Nachbarn, Omis oder Enkeln davon erzählt und diesen Link zur Spendenkampagne weiterleitet, dann schaffen wir es, auch noch die nächsten sechs Gespräche in dieser Form durchzuführen und anschließend öffentlich und kostenfrei als Videos zur Verfügung zu stellen.

Notwendig wurde die Sammelaktion, weil uns Fördergelder entzogen wurden, die zwei Monate zuvor per Bescheid bewilligt worden waren. Die fadenscheinige Begründung: Ein Formfehler. In Wahrheit hatte die fördernde Kulturstiftung von einigen wenigen Akteuren Druck bekommen, dem sie nicht klar und begründet widerstanden hat. Haupt-„Anklage“ war, dass Fanny-Michaela Reisin, Shir Hever und ich mit dem Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ assoziiert sind. Dieser sei laut Verfassungsschutzbericht von 2024 „gesichert extremistisch“. Am 27. April 2026 urteilte das Berliner Verwaltungsgericht, dass die „Jüdische Stimme“ nicht als gesichert extremistisch genannt werden darf. Die im Juni 2025 veröffentlichte Nennung muss also gestrichen werden.
Ob da wohl eine Entschuldigung kommt? Oder der Rücknahmebescheid wieder rückgängig gemacht wird? Das darf bezweifelt werden.

Das nächste Tacheles-Gespräch findet nicht, wie ursprünglich geplant, am 14. Mai mit Prof. Dr. Susan Neiman statt — diese Veranstaltung mussten wir auf den 27. August verlegen. Das nächste Mal sitze ich also mit Dr. Shir Hever am 4. Juni auf dem Goldenen Sofa und spreche mit ihm Tacheles über Schuldgefühle und Verantwortung aus jüdischer Perspektive und über die Frage, warum der Völkermord in Gaza nicht nur die Zukunft des Staates Israel, sondern die Zukunft des jüdischen Volkes gefährdet. Hier der aktuelle Flyer mit allen Terminen und Infos:

Ich freue mich auf ein Wiedersehen — mit einigen Berlinern vielleicht sogar heute, 14 Uhr in der Amerika-Gedenkbibliothek, zur Lesung aus BEDUINENMILCH mit Dialog… bis gleich!

Screenshot

Herzlichst,

Schafft Israel sich ab?

Als ich 2009 mein Geburtsland Israel verließ, nahm ich den Auftrag meiner Freunde von dort mit: „Erzähle, was hier passiert! Erzähle, was die Besatzung mit den Palästinensern macht, aber erzähle auch, was sie mit unserer Gesellschaft macht!“. Damals konnte ich nur ansatzweise vermitteln, wie die Israelis sich immer mehr veränderten: von einer (jedenfalls scheinbar) demokratischen, freiheitlichen, offenen Gesellschaft in eine, die zunehmend abstumpft gegen ihr eigenes Handeln in Bezug auf das menschliche Leid, was um sie herum passiert und was sie selbst verursacht. Es passiert durch eine zunehmend rechtsradikale bis faschistoide Politik, die Hand in Hand geht mit einer Militarisierung, die es immer schon gegeben hat und die niemals von Moral, sondern immer nur von hegemonialen, imperialen, territorialen Interessen getrieben war, unterfüttert mit einer Mischung aus Angst, Opferbewusstsein und Auserwähltseins-Vorstellungen.

Allerdings gab es damals, 2009, schon Filme wie „Waltz with Bashir“, der die Traumatisierung eines israelischen Soldaten durch Kriegseinsätze thematisiert. Damals hatte ‚Breaking the Silence‘ gerade begonnen, Zeugnisse ehemaliger Soldaten aufzuzeichnen, die über ihre unmoralischen, menschenverachtenden Einsätze in den Palästinensischen Besetzten Gebieten berichteten. Damals schon machte das Zauberwort „Posttraumatische Belastungsstörung“ auch in meiner Familie die Runde, anfangs noch verschämt, später fast als Aushängeschild verwendet für den eigenen Schmerz, die eigene Unfähigkeit, sich z.B. an diesem oder jenem gesellschaftlichen Ereignis zu beteiligen. „Sorry, mein Mann kann nicht mitkommen zu dem Treffen mit deinen palästinensischen Freunden. Er hat Post-Trauma.“

Solche Sätze und noch deutlicher dramatischere wird man in Israel in Zukunft oft und von vielen jungen Menschen hören. „Ich habe meiner Mutter versprochen, es nicht zu tun, aber am liebsten würde ich mich umbringen.“, sagt ein junger Soldat, der in Gaza als Zuschauender an Folterungen und Hinrichtungen beteiligt war. Die einzig verbliebene ernstzunehmende israelische Tageszeitung Ha’aretz hat gerade eine Reportage veröffentlicht, die in den sozialen Medien hohe Wellen schlägt.

Darin berichten Soldatinnen und Soldaten, welchen entsetzlichen Erniedrigungen, Folterungen, Verwundungen und Tötungen sie beigewohnt oder sie selbst vollzogen haben, von denen sie fürchten, dass sie sie ihr Leben lang verfolgen werden.

Illustration: Shumisat Rasulaeva (Screenshot aus Ha’aretz)

Hier kannst Du den ganzen Bericht auf Englisch online lesen und hier als PDF. Wo führt das hin, wenn ganze Generationen durch Kriege und Kriegsverbrechen derart zerstört werden? Wie kann ein solcher Staat bestehen bleiben?

Um Missverständnissen von vorneherein zu begegnen: Diese jungen Israelis, die hier wirklich und entsetzlich unter ihrer eigenen Taten leiden, sind Folgeopfer der israelischen Regierungs- und Militärpolitik und Opfer ihres eigenen Handelns. Die ersten, direkten Opfer der beschriebenen Grausamkeiten sind und bleiben die Palästinenser. Die wenigsten von ihnen haben die Möglichkeit, über ihre Traumata und ihr Leid zu sprechen oder es gar ansatzweise zu heilen.

Umso beeindruckender ein weiterer Bericht in Ha’aretz: Immer mehr Israelis und Palästinenser trauern gemeinsam beim Joint Israeli-Palestinian Memorial Day.

Wie absurd, ja lächerlich mutet es da an, wenn wir hier in Deutschland über Sprechverbot und heuchlerische Antisemitismus-Verleumdungen lamentieren und unsere Zeit damit verschwenden, anstatt etwas dafür zu tun, damit das Leid ein Ende nimmt?! Indem wir zum Beispiel die Petition zur Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel unterschreiben, wie hier von amnesty international gefordert.

Nichtsdestotrotz will ich auf unsere Crowdfunding-Kampagne aufmerksam machen, damit wir unsere Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa wie geplant durchführen und bald auch per Video streamen können. Hier die neuesten Beiträge dazu:

mdr Radio: Jüdische Community Chemnitz streitet über Extremismus-Vorwürfe

taz: Sachsens „Jahr der jüdischen Kultur“: Zu viel Tacheles


BEDUINENMILCH auf Lesereise

Gestern war ich vormittags und abends im Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg und habe eine großartige Schülerschaft kennengelernt (und auch tolle Lehrerinnen und Schulrektor!).

Mittwoch Abend, 22.4., 20 Uhr in Dingolfing:
Kulturini in Dingolfing Obere Stadt 72

Freitag Abend, 24.4., 20 Uhr in München:
KLANG IM DACH
c/o Christoph Nicolaus und Rasha Ragab
Zieblandstr. 45; V. Stock, München-Maxvorstadt
Anmeldung: nicolaus@kunst-im-bau.org

Samstag, 2. Mai, 18 Uhr in Berlin:
KunstStücke Grunewald
c/o Konrad und Gaby Kutt
Trabener Str. 14b, 14193 Berlin
Anmeldung: konrad@kutt.de

Sonntag, 3. Mai, 14 Uhr in Berlin:
Beduinenmilch trifft Fiktive Grenzüberschreitung
zusammen mit Ruben Schenzle
Amerika-Gedenkbibliothek
Blücherplatz 1, 10961 Berlin
ohne Anmeldung – einfach vorbeikommen!

Ich freue mich auf’s Wiedersehen! Herzlichst,

Crowdfunding, fertig, los!

Am Ostersonntag ist unsere Crowdfunding-Kampagne gestartet. Einen Tag später hatten die ersten 18 Personen schon insgesamt 1.188€ gespendet. Als abergläubischer Mensch werte ich das als äußerst positives Zeichen. In der jüdisch-kabbalistischen Zahlenmystik, der Gematria, in der jeder Buchstabe zugleich Schriftzeichen, Bild und Zahl ist, bedeutet nämlich die Zahl 18 das hebräische Wort „Chai“: Leben. Die Zahl 18 gilt als Glückszahl und wird häufig und in allen möglichen Kontexten verwendet. Praktischerweise interpretieren wir auch das Vielfache von 18 gerne als mehrfaches Glücksversprechen. Ein Brautkleid mit 18 Knöpfen zum Beispiel verheißt eine glückliche Zukunft mit dem Zukünftigen; wenn das Design es aber hergibt, so sind 36 Knöpfe natürlich doppelt gut: Einer glücklichen, langlebigen Ehe kann nach Adam Riese damit gar nichts mehr im Wege stehen.

Daher freue ich mich sehr über dieses gute 18er Omen und will Dich ermutigen, gleich einzusteigen ins Crowdfunding — sei es mit 18, 180 oder auch nur 1,80 Euro (Spass… wir brauchen faktisch rund 18.000 €). Alles, was Du dazu wissen musst, steht auf der Crowdfunding-Website von Startnext. Die sieht so aus, und mit einem Klick aufs Bild bist Du schon mittendrin:

Während ich das schreibe, ist mir gar nicht so zum Lachen zumute. Der gemeingefährliche Schwachkopf aus Washington hat Richtung Teheran verkündet, heute Nacht werde eine ganze Zivilisation untergehen, um nie wieder zurückzukehren. Heute Morgen schon hat Israel die Iraner davor gewarnt, sich in Zügen oder in der Nähe von Gleisen aufzuhalten. Israels Warnungen sollte man ernst nehmen; sie sind zu allem in der Lage, allein weil sie es können — siehe explodierende Pager im Libanon im September 2024 mit 37 Toten und 3.000 Verletzten, viele davon Kinder und Unschuldige.

Und während all dieser Wahnsin geschieht, erzittern sie hierzulande, wenn man gefährliche Triggerworte wie Apartheid oder Völkermord verwendet. Da werden dann schnell Ausladungen ausgesprochen, Räume verweigert oder Fördergelder zurückgezogen.
Darum ist es wichtig, dass wir Tacheles reden.

Warum es überhaupt dazu gekommen ist, dass wir jetzt Geld sammeln müssen, um unsere Gesprächsreihe ins Leben bringen zu können, erfährst Du in diesem Artikel der Freien Presse, der völlig zurecht fragt: Wieviel Tacheles ist erlaubt?

Danke für Deine Unterstützung!
Bitte teile den Aufruf weitläufig:


https://www.startnext.com/tacheles-gespraeche


Herzlichst,

Tacheles-Talk-Termine

Hier die Termine unserer Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa:

26. März: Eva Menasse

9. April: Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin

30. April: Deborah Feldman

14. Mai: Prof. Dr. Susan Neiman

4. Juni: Dr. Shir Hever

18. Juni: Emily Dische-Becker

24. September: Yona-Dvir Shalem

5. November: Dr. Herbert Lappe

19. November: Candice Breitz

Mehr Infos auf www.julius-im-schocken.de.

Freie Presse vom 01.04.2026: Wie viel Tacheles ist erlaubt?

Done! Erster Tacheles-Talk mit Eva Menasse

Es ist vollbracht: Die Reihe Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa im Café Julius in Chemnitz ist am Donnerstag, den 26. März 26 gestartet. Das Video vom ganzen Gespräch wird demnächst veröffentlicht, ebenso wie unsere Crowdfunding Kampagne bei STARTNEXT. Denn wie Du weißt, ist uns das bereits zugesagte Fördergeld in Höhe von fast 14.500 € wieder entzogen worden. In der Begründung: Kein Wort von wochenlangen Kämpfen wegen ein paar Wichtigtuern, die mich und meine Gäste verleumdet und Unterschriften „gegen Antisemitismus“ gesammelt haben. Stattdessen: Verfahrensfehler. In diesem kurzen Ausschnitt oben aus unserem Gespräch bringt Eva Menasse es auf den Punkt. Es darf gelacht werden.

Hier noch zwei Presseartikel dazu, mehr wird kommen.

Streit um Tacheles-Gespräche auf Sofa in Chemnitz vom 19.3.26

… und dieser Artikel (Klick auf Bild) nach unserem Gespräch am 27.3.26:

Und nun mache Dich bitte bereit für unsere Crowdfunding-Kampagne. Wir haben immer noch acht Tacheles-Gespräche vor uns und ein Loch von knapp 15.000 € in unserer Kasse. Anreisen, Übernachtungen, Honorare, Videoaufzeichnung und Schnitt, Technik, Flyer, Werbung, Druckkosten etc. müssen neben den vielen, vielen, sogar sehr vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit bezahlt werden.

Und ja, es sollte selbstverständlich sein, dass so ein Kulturprojekt gefördert wird! Zumal es sich um Tacheles-Gespräche im „Tacheles-Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“ handelt!!!

Aber wieder einmal hat eine deutsche Behörde dem Druck einiger besorgter Bürger nachgegeben — unter ihnen rechtskonservative Juden, deren AfD-nahe Freunde, Christengemeinden, Evangelikale — und ganz am Ende (dem Himmel sei’s gedankt!) einen Verfahrensfehler gefunden. Hallelujah!

Ich halte Dich auf dem Laufenden, versprochen. Und werde über die Plattform STARTNEXT einen Spendenaufruf für den Veranstalter der Tacheles-Gespräche, den ANTONPLATZ e.V. generieren. Das dauert noch ein paar Tage, aber dann kommt der Link. Und dazu noch Infos.

Jetzt aber muss ich los und mich um mein schönes Café Julius kümmern. Da ist sonntags immer viel los und jede helfende Hand wird gebraucht.

Wer morgen, Montag, den 30. März in der Nähe von Frankfurt/Main ist: Da lese ich um 19.30 Uhr in der BÜCHERSTUBE Gundi Gaab in Bad Soden am Taunus aus BEDUINENMILCH und freue mich über Brieffreundinnen und -Freunde im Publikum!

Herzlichst,

Hier noch ein paar Eindrücke von unserem Gespräch:

Daffke!

Nicht nur „Tacheles“, also „Klartext reden'“ ist ein Begriff aus dem Jiddischen, sondern auch „Daffke“. Ursprünglich dem Hebräischen Wort „davka“ entlehnt — etwa mit „dem entgegen“ oder „trotzdem“ oder „jetzt erst recht“ zu übersetzen — ist es aus dem Jiddischen in den deutschen Sprachgebrauch hinübergeschwappt, wie so Vieles vor allem im Berlin der 1920 Jahre.

Wir werden also jetzt erst recht — aber nicht nur aus Daffke, sondern weil es wichtig ist — unsere Reihe „Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa“ durchführen, auch wenn uns auf einmal gut 14.000 € Fördergelder in unserer Kalkulation fehlen. Darum werden wir demnächst eine Crowdfunding Kampagne starten. Dazu mehr im nächsten Brief. Das erste Tacheles-Gespräch findet am kommenden Donnerstag, 26. März, 19 Uhr im Café Julius in Chemnitz statt. Es gibt noch wenige Karten; hier kannst Du reservieren.

EVA MENASSE Foto: Wolf-Dirk Skiba

Ja, Berlin! Da bin ich heute und freue mich wahnsinnig, als Conférencière in der Markthalle Neun durch einen ganzen Tag voller Vorträge, Workshops, Panels, Filme, Performance und nicht zuletzt guten und wertvollen Speisen und Getränken zu führen. Basierend auf einer Initiative von Conflictfood und organisiert vom Berlin Gastro Solidarity Network, wollen wir auf die Situation im Sudan und in Palästina aufmerksam machen und konkret für drei Organisationen Spenden sammeln. Mit dabei sind u.a. Emilia Roig, Hanno Hauenstein, Deborah Feldman, Julia Bar-Tal und viele andere. Das gesamte Programm des heutigen Tages findest Du HIER:


Wenn Du heute nicht in Berlin sein kannst und trotzdem etwas beitragen möchtest, dann kannst Du hier spenden:

Wir sehen uns!

Herzlichst,

Keine Cancel Kultur im Café Julius!

Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund,

nein, es wird keinen dritten Weltkrieg geben. Nein, nein nein neeeiiin NEEEEIIIIIIN!!!!!

Wir werden Wege finden, den Krieg, den Israel und die USA vor einer Woche gegen den Iran ausgelöst haben, als den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu benennen und anzuerkennen, der er ist. So wie wir alle anderen Wahnsinns-Taten der mächtigsten Männer der Welt benennen und anklagen werden, seien es die Taten des russischen Despoten oder des gefährlichen gelbhaarigen US-amerikanischen Horror-Clowns und seiner Epstein-Buddys oder anderer Kriegstreiber (fast immer Männer, manche bekommen Friedensnobelpreise; ganz selten sind auch Frauen dabei). Wir werden die Untaten des israelischen rechtsradikalen Oberbefehlshabers, mit denen er nicht nur Palästinenser in Massen ermorden lässt und sie mit dem existentiellen Aus bedroht, sondern sein eigenes israelisches Volk und das Judentum weltweit wissentlich und absichtlich beschädigt und in Gefahr und Verruf bringt, anklagen, anzeigen und Gerechtigkeit fordern. Und irgendwann, ja irgendwann einmal werden all jene abgestraft werden, die zahlenmäßig total unterlegen sind, aber alles Geld und alle Macht kulminieren; die mit Druck und Angstmache und vielen Waffen drohen, den atomaren, den geächteten und den geistigen. Und all jene, die an ihrem Tropf zu hängen glauben und die Angst bekommen und die bedroht sind von Hunger und Krieg und dem Verlust ihrer liebgewonnen Position werden sich erheben und schreien: Nicht mit uns! Und sie werden zu den Waffen greifen, die gegen sie gerichtet sind, aber sie werden die Waffen zerbrechen lassen unter der Last ihrer Menschenliebe und ihrer Solidarität, sie werden Blumen aus ihnen sprießen lassen und Gedichte singen und sie werden Mutter Erde zeigen, wie dankbar sie sind und selbst Untertanen der Gerechtigkeit werden und dem Guten und Schönen dienen.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Und Kunst und Kultur dafür bemühen. Jetzt umso mehr, da nun auch in meiner neuen Wahl-Stadt Chemnitz die Rufmordkampagne gegen mich derart Fahrt aufgenommen hat, dass sich die Balken biegen. Anlass diesmal: meine Reihe „Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa“ mit Eva Menasse, Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin, Deborah Feldman, Prof. Dr. Susan Neiman, Dr. Shir Hever, Emily Dische-Becker, Yona-Dvir Shalem, Dr. Herbert Lappe. Neun jüdische Menschen mit mir im Gespräch auf einem Sofa in meinem Café, das den Namen meines von Nazis ermordeten Großvaters trägt.
Ja.

Konkretes dazu in meinem nächsten Brief. Hier erst einmal ein paar Termine:

Freitag, 13. März 26, 15.00 und 16.00 Uhr
Sommerfeld. Litten. X.
Ein Hör.- und Escape.Spiel für alle Menschen ab 13
Das Spiel begleitet Dich im Museum für Archäologie smac in Chemnitz in mehreren Stationen durch die Geschichten von Julius Sommerfeld und Heinz Litten in Chemnitz von den 1930er Jahren bis heute. Finde heraus, wie und wo es endet!
Eintritt frei — komm einfach vorbei!

Und wenn Du Lust hast, das Spiel zu betreuen, dann komm am Donnerstag, den 19. März um 17 Uhr is Julius. Mehr Infos HIER.

Samstag, 14. März 26, 19.30 Uhr
Beduinenmilch

Am Samstagabend bin ich eingeladen, aus meinem Roman BEDUINENMILCH zu lesen. Anschließend Gespräch.

Pfadfinderhaus Höfgen (weil uns die Kirche daneben kurzfristig ausgeladen hat)
Dorfstraße 11
04668 Grimma / OT Höfgen
Eintritt frei(willig)

Sonntag, 15. März 26, 11 Uhr
Shrine of Hope — Finissage

Anlässlich des 86. Todestages meines Großvaters Julius Sommerfeld veranstalten wir eine Matinee mit Musik und Lesung der Texte zum Thema ‚Würde‘, die in der Installation ‚Shrine of Hope‘ von Katharina Gun Oehlert eine große Rolle spielen. Die Künstlerin ist anwesend.
Musik: Knut Wolf (Gitarre) und Oliver Clauß (Querflöte)
Eintritt frei — Anmeldung erbeten

Donnerstag, 26. März 26
19 Uhr
Auftakt der Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa
Eva Menasse
spricht Tacheles
über die Instrumentalisierung der Vergangenheit, die Aberkennung jüdischer Diversität in Deutschland und über das Desinteresse an den wirklichen Befindlichkeiten von Juden und Israelis

Café Julius im Schocken
Eintritt: 10 € — nur mit Anmeldung
Foto: Wolf-Dirk Skiba


Neue Termine für Lesungen, Gespräche, Konzerte und mehr auf der Veranstaltungsseite des Café Julius oder unter nirit.de

Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen, Kommentare und unser Wiedersehen.
Herzlichst,

Links zur aktuellen Situation:

Die größte israelische Menschenrechtsorganisation B’tselem über Frauen in Gaza, über israelische Gefängnisse (Achtung: grausam!), und ganz besonders empfehle ich das Video „Our Genocide“. Wer verstehen will, was vor Ort von Israelis und Palästinensern gedacht wird und warum wir uns auch in Deutschland so sehr für diese Sache einsetzen, schaue sich die 7 Minuten ganz an.

Bitte folge mir auf Instagram! Dort poste ich täglich „Stories“, also Beiträge anderer Journalisten oder Personen, die direkt aus Israel, Gaza, der Westbank, aus ihren Studios und Häusern, von Veranstaltungen oder den Straßen berichten. Wie etwa diese „Story“, ein Video vom The Guardian, in dem die Autorin Mariam Barghouti in Ramallah über die Palästinensische Autonomiebehörde spricht.

Das Leben ist schrecklich schön.

Lieber Brieffreund, liebe Brieffreundin,

was soll ich sagen — das Leben ist schön. Für manche von uns jedenfalls. Die Welt dreht sich weiter, ganz gleich, wieviel Pflanzenvernichtungsmittel israelische Flugzeuge über Gaza und dem Libanon versprühen, ob die Bombardements in Gaza und die Vertreibungen in der Westbank weitergehen und ob Deutschland sich mit Geld und Waffen an alledem beteiligt. Hier auf einer einsamen thailändischen Insel ist es paradiesisch, das teile ich gerne mit Dir:

Aber man nimmt sich und die eigenen Gedanken ja sowieso immer mit, egal, wie weit man verreist. Das kennst Du sicher. Also, was soll ich sagen: Es geht mir persönlich sehr gut, ich erhole mich von zwei anstrengenden Jahren als (vorwiegend) Gastronomin und nehme die Dinge, wie sie sind:

Das israelische Magazin +972 räumt mal wieder mit der Mär vom „Waffenstillstand“ auf und erklärt, warum es so wenige unabhängige Quellen gibt, die aus Gaza berichten: weil möglichst viele Journalisten dort getötet werden, nach wie vor. Dass die geschätzte Zahl von 72.000 getöteten Palätinensern in Gaza ziemlich sicher weit unterschätzt ist, darauf deutet unter vielen anderen auch dieser Bericht hin, demzufolge Israel Waffen einsetzte, die durch Temperaturen von über 3.000 Grad Celsius zur Verdampfung von allem führten, auch von Menschen. Spurensuche zwecklos, Begräbnis überflüssig.

Da man gar nicht genug über all dies sprechen kann — ich meine wirklich alles, das Schöne und das Unerträgliche — gibt es heute jede Menge Termine, ganz meinem Leitspruch gemäß:

Manchmal sprachlos, niemals mundtot!

Bereits morgen geht es los mit der Internationalen Münchner Friedenskonferenz, die vom 13.-15. Februar unter dem Motto steht „Gegen den Strom der Gewalt“. Das Programm ist hochkarätig besetzt, u.a. mit Deborah Feldman und Shir Hever, die demnächst auch bei mir in Chemntz sein werden (dazu mehr weiter unten) sowie mit Fabian Scheidler. Anmeldung ist noch möglich unter www.friedenskonferenz.info.

Am Sonntag, den 22. Februar um 19 Uhr trete ich zusammen mit dem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH Trio mit der musikalischen Erzählung Daheim entfremdet im FranzK in Reutlingen auf. Die Veranstaltung findet anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Vereins „Flüchtlingskinder im Libanon e.V.“ statt, der u.a. die beeindruckende Nakba-Ausstellung ins Leben gerufen und damit einen großen Beitrag zum Verständnis des „Nahost-Konflikts“ aus palästinensischer Perspektive beigetragen hat.

Am Montag, den 23. Februar um 19 Uhr werde ich aus meinem Roman BEDUINENMILCH in Tübingen im „Lamm am Markt“ lesen. Infos und Karten gibt es über den Veranstalter Flüchtlingskinder im Libanon e.V.

Und hier schon mal eine Vorschau auf die große Gesprächsreihe bei uns im Café Julius in Chemnitz, bei der wir gemäß dem Titel „Tacheles“, das der Freistaat Sachsen dem „Jahr der jüdischen Kultur 2026“ verliehen hat, offen über spannene jüdische Themen sprechen werden.

Unsere Reihe heißt Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa. An neun Donnerstag-Abenden werde ich jeweils um 19 Uhr mit neun jüdischen Persönlichkeiten im Café Julius in Chemnitz zu brennenden jüdischen Themen unserer Zeit sprechen. Am 26. März geht es los mit Eva Menasse, im April weiter mit Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin und Deborah Feldmann, dann besucht mich Dr. Shir Hever und Emily Dische-Becker im Juni und Prof. Dr. Susan Neiman im Mai. Nach einer Sommerpause geht es im September weiter mit Yona-Dvir Shalem und im November kommen schließlich Dr. Herbert Lappe und Candice Breitz aufs Goldene Sofa nach Chemnitz. Erste Infos dazu gibt es HIER und bald in einem meiner nächsten Briefe.

Herzlichst,

Hier ein paar Links:

Aljazeera: Wie bewaffnete Gaza-Gangs Israel unterstützen (online oder Instagram)
Lemkin Institute zur Verhinderung von Genozid: Die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Aufrechterhaltung der deutschen Leugnung des Völkermords (Englisch oder Deutsch)
Hanno Hauenstein in der FR: Wie Weinanbau Unrecht zementiert

Stoppt die Zerstörung des Fußballplatzes!

Das Aida-Flüchtlingscamp bei unserem Besuch im Mai 2019; links im Hintergrund die Trennmauer; weiter links (nicht im Bild) der Fußballplatz

Dringend: ein Aufruf der Kinder des Aida-Lagers bei Bethlehem zusammen mit dem Aida-Jugendzentrum und Avaaz:

Wir schreiben aus dem Flüchtlingslager Aida in der Nähe von Bethlehem.

Unser Fußballplatz bedeutet uns alles. Hier trainieren wir, lachen und fühlen uns wie Kinder.

Auf diesem Platz können wir für einen Moment die Trennmauer, die Wachtürme, die Militärbasis und die Kontrollpunkte vergessen. Hunderte von Kindern und Jugendlichen kommen hierher, um mit der Aida Football Academy des Aida Youth Center zu trainieren. Es ist ein seltener Ort der Sicherheit inmitten wöchentlicher israelischer Militäreinsätze, bei denen oft Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition zum Einsatz kommen.

Aber jetzt wollen uns die israelischen Behörden diesen Ort wegnehmen, und jeden Moment könnten Bulldozer kommen, um ihn zu zerstören.

Wir haben weniger als eine Woche Zeit – und Sie können helfen: Wenn Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ihre Stimme erheben, werden Fußballfans, Spieler und Sportler folgen. Menschen wie Infantino (FIFA) und Čeferin (UEFA) werden dann nicht mehr wegsehen können. Wenn die Fußballwelt aufmerksam wird, hören die FIFA, die UEFA und die Regierungen zu.

Unterschreiben Sie jetzt und teilen Sie unseren Aufruf an Gianni Infantino und Aleksander Čeferin. Danke!


Dr. Abusrour, Leiter des Jugend- und Kulturzentrums im Aida-Flüchtlingslager, hält im Mai 2019 einen Vortrag für unsere Gruppe über die Entwicklung der Besatzung.

Hier habe ich palästinensische Jugendliche im März 2022 beim Fußballspielen in Ostjerusalem gefilmt…

PETITION UNTERSCHREIBEN

Danke herzlichst,