Kurz und gut, mit Korrektur

Achtung, der Fehlerteufel hat sich eingeschlichen!

Das heutige Gespräch findet zwar mit Charlotte Wiedemann statt, aber nicht in Potsdam, sondern im medico Haus in Frankfurt! Die Veranstaltung wird live gestreamt über den Youtube-Kanal von medico international. Du kannst also von zuhause aus über diesen Link live dabei sein.

Das Gespräch heute Abend findet nicht mit Bashir Bashir und Amos Goldberg, dafür aber mit Annette Knaut von der Uni Augsburg statt. Ausgangspunkt des Gesprächs ist nach wie vor Charlotte Wiedemanns neues Buch Den Schmerz der Anderen begreifen. Die beiden Frauen werden über den transkulturellen Diskurs als konkrete Utopie miteinander sprechen.

Das andere Gespräch, das ich zuvor (in aller Eile, daher fehlerhaft, sorry!) angekündigt habe, findet am Donnerstag, den 2. Februar um 19 Uhr statt. Ich werde es sicher in meinem nächsten Brief noch einmal anständig ankündigen.

Verzeiht mir bitte diese Unachtsamkeit — natürlich ist es nicht der Fehlerteufel (auch wenn der bekanntlich im Detail steckt und ich nur allzu gerne jemand anderem die Schuld für meine Fehler in die Schuhe schieben würde). Nein, in Wirklichkeit bin ich natürlich selbst und ganz alleine verantwortlich für alles, was ich Euch in meinen Briefen mitteile. Umsomehr freut es mich, dass viele von Euch so aufmerksam lesen und mir gleich Bescheid gegeben haben, dass da was nicht stimmen kann mit der heutigen Ankündigung. Ich lerne daraus, dass a) meine Briefe wahrgenommen werden, und man b) nichts, aber auch gar nichts in allergrößtenr Eile erledigen sollte — nicht mal die Ankündigung eines ganz ganz eiligen Termins. Dabei fällt mir ein Satz von Ernesto Cardenal ein, den ich vor Jahrzehnten gelesen habe:

Wenn Du es eilig hast — gehe langsam!

Ein guter Grund, wieder einmal ein Gedichtband dieses wunderbaren weisen Mannes, der es vom Priester und Revolutionär zum Kulturminister Nicaraguas gebracht hat, in die Hand zu nehmen und in diesen frostig kalten Nächten darin zu blättern. Das ist herzerwärmend und für alle gut, die das Tempo ein wenig herunterfahren wollen. Ich nehme mich selbst beim Wort, versprochen.

Herzlichst,

Kurz und gut

Allereiligst: Heute Abend, den 25. Januar 2023, 19 Uhr, gibt es einen Live Stream aus dem Einstein-Forum in Potsdam. Im Gespräch: Charlotte Wiedemann mit zwei Wissenschaftlern aus Israel/Palästina, Bashir Bashir und Amos Goldberg. Die beiden sind Herausgeber des Buches The Holocaust and the Nakba.

Das Gespräch wird auf Englisch stattfinden und von Susan Neiman, Leiterin des Einstein-Forums, moderiert. Alle Infos zu dieser Veranstaltung findest Du auf der Seite des EINSTEIN FORUMS, wo Du Dich unter (–> hier registrieren) zur Teilnahme an dem Zoom-Live-Stream anmelden kannst.

Charlotte Wiedemann hat in ihrem Buch Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis (2022) unter anderem auch über unsere Familie Sommerfeld geschrieben. Das Gespräch zwischen ihr, Bashir und Goldberg sollte im November bereits im Goethe-Institut in Tel Aviv stattfinden, wurde aber kurzfristig abgesagt.

Das heutige Gespräch, in dem es vermutlich um Verständnis, Mitgefühl, den Umgang mit Schuld …, eben den Schmerz der Anderen geht, verspricht hochinteressant und einsichtsreich zu werden. Nicht verpassen!

Herzlichst,

PS: Auch unbedingt nicht verpassen: Den Artikel von Peter Münch über Hebron in der Süddeutschen vom 24.1.:
Wie es ihnen gefällt.
Wer wissen will, wie sich die neue, rechte Regierung die Zukunft Israels vorstellt, sollte mal nach Hebron fahren

Say Their Names

Palästinensische Jugendliche* spielen Fußball in Ost-Jerusalem. Oder sie spielen nie wieder. Mein erster Kurzfilm in 2023, 4 min 10 sec.

*all ihre Geschichten und Bilder auf Mondoweiss und Israel-Palestine-Timeline

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Meine nächsten Termine

Bühnenpräsenz, Ausstrahlung, Performance – Fortgeschrittenenkurs
Tagesworkshop
Für alle, die sich auf einen Auftritt vorbereiten wollen, sei es ein Songwettbewerb, eine Hochzeitsrede oder eine Ansprache beim Neujahrsempfang in Deiner Firma. Mehr Infos unter FreiesMusikzentrum –>Kurse –> Stimme –> Performance
Sonntag, 15. Januar 2023, München, Freies Muskizentrum
(Anmeldung nur noch bis Mittwoch, 11.1., 16 Uhr möglich!)

El Haddawi International Winterschool
Workshopwoche
Die von Ingo Taleb Rashid — Tänzer, Choreograf, Regisseur und Sufi-Meister — gegründete Winterschool findet in diesem Jahr zum 22. Mal statt und ich freue mich, erstmals Teil des Dozententeams zu sein. In der besonderen Atmosphäre der Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel am Chiemsee befassen wir uns gemeinsam mit Bewegungskunst, Meditation, Tanz, Performance und Theater. Anmeldung bis zum 27. Januar möglich.
So, 19. 2. bis Fr, 24. 2. 2023, Fraueninsel/Chiemsee, Abtei Frauenwörth
Alle Infos unter El Haddawi International Winterschool.

Nicht ganz kosher!
Konzert mit meinem wunderbaren ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH
Persönliche Geschichten zwischen bayerischem Voralpenland, israelischer Negev-Wüste und palästinensischer Westbank; Songs und Balladen aus eigener Feder mit hebräischen, deutschen, jiddischen und englischen Texten — geistreich, meshugge, schamlos — und ziemlich witzig.
Mit Andi Arnold, Jan Eschke, Pit Holzapfel, Christian Schantz und Günther Basmann
Donnerstag, 2. März 2023, 20.30 Uhr, Ebersberg, altes kino
Karten und Infos HIER.

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Ausgewählte Artikel zur Situation in Israel-Palästina nach der jüngsten Regierungsbildung

Kahanes Traum von Susann Witt-Stahl (junge Welt)

Europas Stunde der Wahrheit ist gekommen
Gastbeitrag von Michael Sfard (Frankfurter Rundschau)

Im Zugriff des Chaos
Gastbeitrag von David Grossmann (FAZ)

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Meine Beiträge sind kostenfrei zugänglich — was nicht heißt, dass sie (mich) nichts kosten. Wenn Du meine Arbeit unterstützen möchstest, kannst Du dies schon ab 3 € monatlich über STEADY machen. Das freut mich riesig und wenn Viele mitmachen, macht das für mich einen großen Unterschied. Bitte sage es auch Deinen Freunden und Freundinnen weiter! Danke.

Herzlichst,

Sieben Jüdische Stimmen, und mehr!

Der 30. November 1939 war ein Donnerstag, vermutlich ein ebenso trüber grauer Tag in Deutschland wie die meisten Tage in dieser Adventszeit. Für meinen Großvater Julius war es einer der trübsten Tage seines Lebens — so jedenfalls stelle ich mir den Tag seiner Deportation von seiner Heimatstadt Chemnitz in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin vor. Großvater Julius war damals 61 Jahre alt, fast auf den Tag genau so alt, wie ich jetzt bin. Wie würde ich mich heute verhalten, frage ich mich, wenn ich gezwungen wäre, in einen Viehwagon einzusteigen, ohne Angabe von vernünftigen Gründen, ohne höfliche Aufforderung? Ein Viehwagon ohne Sitzplätze, ohne Fahrkarte, ohne WC und mit lauter anderen Menschen, die vermutlich genauso verängstigt wären wie ich, manche gebrechlich, manche mit kleinen Kindern, manche erzürnt, manche verzweifelt, weil sie bereits eine Ahnung davon hätten, was sie erwarten würde. Und doch ist wohl nichts schwieriger als das zu erahnen, was man unter keinen Umständen erahnen will, was man sich nicht vorstellen möchte und nicht vorzustellen vermag, weil das Grausamste und Schrecklichste zumindest in gesunden Köpfen undenkbar ist und weil der Mensch doch immer mehr dazu neigt, sich ein gutes Ende vorzustellen als ein schlechtes.

Mein Großvater erlitt ein schreckliches Ende. Er erkrankte schwer — das ist gewiß — und wurde höchstwahrscheinlich am großen Richtplatz des KZs Sachsenhausen erhängt. So wurde es uns von meinem Vater Rolf erzählt, den sein Vater Julius im Sommer 1937 noch nach Palästina brachte und ihm damit das Leben rettete. In den vielen Jahren, in denen ich nun schon in Deutschland lebe, ist es mir erst an einem 9. November vor etwa zehn Jahren das erste Mal gelungen, das Konzetrationslager Sachsenhausen zu besuchen, und auch nur, weil meine Freunde und Mitmusiker mich begleiteten und mir beistanden, als ich im Angesicht des Galgenortes nicht mehr selbst stehen konnte. Auf dem riesigen, menschenleeren, novembergrauen Apellplatz erschienen mir die tausenden Ausgemergelten in ihren graugestreiften Anzügen, wie sie gezwungen waren, dem langsamen, qualvollen Tod ihres Mithäftlings zuzusehen.

Das KZ Sachsenhausen in Oranienburg liegt eine Dreiviertelstunde Autofahrt nördlich vom Zentrum Berlins entfernt. In der wiedervereinten deutschen Hauptstadt, die auch die Hauptstadt meines Großvaters Julius, des Deutschen, des Juden Julius Sommerfeld war, gibt es mittlerweile ein großes Holocaust-Mahnmal, ein Jüdisches Museum, zahlreiche Gedenkstätten und seit einiger Zeit einen staatlichen Antisemitismusbeauftragten. Er und seine Länder-Kollegen verbringen leider (und vermutlich auf Druck von israelischer Seite und seitens des jüdischen Zentralrats — aber das ist nur eine Vermutung!) viel Zeit damit, Menschen in Deutschland des Antisemitismus zu bezichtigen und sie damit zu diffamieren. Es trifft nicht nur Aktivisten aus der Palästina-Solidaritäts-Szene; es trifft auch Wissenschaftler, Kulturbetriebe, Kolleginnen und Kollegen aus der Kunst- und Kulturszene. Die meisten von ihnen haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten der deutschen Gedenkkultur auf die Beine geholfen, waren federführend in der Antisemitismusforschung wie der ehemalige Leiter des Berliner Jüdischen Museums Prof. Peter Schäfer, oder haben Seite an Seite mit jüdischen Menschen für deren Rechte und Gedenken gekämpft. Bisher fand die Diffamierung dieser Menschen einzig und allein deswegen statt, weil sie — egal ob laut oder leise — Kritik an israelischer Regierungs- und Besatzungspolitik üben oder auch nur im Verdacht stehen, Kontakte (!) zu Kritikern der israelischen Politik oder zur BDS-Bewegung zu unterhalten. Mittlerweile genügt schon die Inszenierung eines Theaterstückes, in dem Figuren (!) Dinge sagen, die bei Juden unangenehm aufstoßen könnten. Selbst wenn solche Theaterfiguren von Israelis und Palästinensern gemeinsam entwickelt und geschrieben wurden. Selbst wenn der libanesisch-kanadische Autor Wajdi Mouawad der erste Preisträger des europäischen Dramatikerpreises ist. Dieser Preis, der „Ein Zeichen für Offenheit, Toleranz und die Kunstfreiheit“ sein soll, wird im Jahr darauf der altehrwürdigen britischen Dramatikerin Carly Churchill aberkannt. Auch hier haben vermeintliche Antisemitismusjäger alles daran gesetzt, Caryl Churchill zu diffamieren mit Verweis auf ein kurzes, aber sehr intensives Theaterstück, das die Britin als Reaktion auf den Gaza-Krieg 2008/09 schrieb (ganz unten mehr dazu). All diese Theatermacher, Autoren, Regisseure können von Jetzt auf Gleich im Abseits stehen, belegt mit einer der schrecklichsten Stigmata, mit denen man Menschen hierzulande beschuldigen kann. Und zwar zu Recht, wenn — und nur wenn — wirklich und wirkmächtig Antisemitismus stattfindet und sich als Hass und Gewalt gegen Juden richtet — denn das ist ein rassistisches Verbrechen und muss geahndet, bestraft und bekämpft werden.

Aber wer bitte glaubt ernsthaft, dass auch nur ein µ an Hass gegen Juden durch derart absurde Diffamierungen eingegrenzt oder gar beendet wird? Wer bitte kümmert sich konsequent um den echten, den gefährlichen, den nachweislich rechten und zu Gewalt führenden Antisemistismus, der zweifelsohne unter uns wabert? Wer glaubt daran, dass durch diese schamlose, ehrverletzende Hexenjagd, die nicht einmal vor uns Juden Halt macht, sobald wir uns für die Rechte von Palästinensern einsetzen, sich etwas zum Besseren wendet in Sachen Rassismus gegen Juden?! Die Wahrheit ist, dass das Gegenteil der Fall ist. Nicht selten habe ich in letzter Zeit Sätze wie diesen zu hören bekommen: „Da muss man sich nicht wundern, dass die Juden immer unbeliebter werden, wenn die mit so einem Druck arbeiten und alles in Deutschland durchgesetzt bekommen, wie es ihnen passt!“ Von so einer Haltung sind es nur noch wenige Schritte bis hin zur (wirklich antisemitischen) Vorstellung der „jüdischen Weltverschwörung“. In wessen Interesse ist das?, frage ich mich. Warum diese Hysterie?

Meine einzige Erklärung ist, dass unter allen Umständen verhindert werden soll, dass über die realen Verhältnisse in Israel und Palästina gesprochen werden soll. Besonders für Deutsche ist es schwer zu verdauen, dass Israels völkerrechtswidrige, mittlerweile 55-jährige Besatzung schlimme Verbrechen begeht. Aber können wir hier die Augen davor verschließen, dass schon die Staatsgründer von einem ‚Groß-Israel‘ gesprochen haben, dass (leider auch) linke Regierungen den Siedlungsbau vorangetrieben haben und dass neuerdings eine rechtsradikale Regierung unter Beteiligung offen bekennender Faschisten Israels Geschicke lenkt? Werden Scholz, Habek, Baerbock und andere deutsche Politiker*innen sich mit einem künftigen Minister Ben-Gvir händeschüttelnd ablichten lassen, der der Steigbügelhalter für den Mord an Rabin war und sich dessen auch noch rühmt? Mir scheint, die Regierungsbildung in Israel wird in unseren Medien diskret weggeatmet, in der Hoffnung, dass dieses üble Kapitel nur ein böser Traum ist, aus dem wir bald kopfschüttelnd erwachen. Aber ich fürchte, dass alles eher schlimmer kommt, und ich bin mit meiner Meinung nicht allein. Einige jüdische und israelische Stimmen haben sich bereits zu Wort gemeldet, wie Ilan Pappe im Palästina-Portal, das im Übrigen immer wieder einen Online-Besuch wert ist. Oder Meron Mendel in der SZ, und natürlich immer wieder Gideon Levy in Haaretz. Ganz besonders möchte ich den Artikel meines Freundes Yahav Zohar empfehlen, der seit über einem Jahrzehnt meine Kleingruppen-Reisen in Israel und Palästina mitkonzipiert und begleitet (für Nicht-Englisch-Leser empfehle ich die Übersetzungssoftware deepl.com).

Während also in den vergangenen Wochen in Israel die rechtsextremste Regierung aller Zeiten gewählt wurde, während israelische Streitkräfte und Siedler seit Jahresbeginn mehr als 130 Palästinenser in der gesamten Westbank getötet haben, darunter mehr als 30 Kinder, und damit 2022 das tödlichste Jahr für Palästinenser seit Beginn der Aufzeichnungen 2005 war; während Mitglieder der neuen Regierung Pogrome sogar innerhalb Israels aufheizen und junge Israelis skandieren, Ben-Gvir werde schon für Ordnung sorgen und die Israelis würden jetzt allen anderen zeigen, wer „der Herr im Hause“ sei — während all das geschieht, geht in Deutschland die Jagd auf Künstlerinnen, Autoren, Theatermacher und andere Kreative weiter, weil sie es wagen, die Dinge beim Namen zu nennen. Oder noch nicht einmal das, wie das Beispiel des Metropol-Theaters zeigt (hier dessen Pressespiegel dazu), wie die 94-jährige jüdisch-kanadische Natalie Zemon Davis in ihrem Gastbeitrag in der SZ brilliant darlegt. Davis fungierte als historische Beraterin bei der Stückentwicklung.

Viel können wir nicht tun, außer unsere Stimmen zu erheben, unser Wissen zu verbreiten und andere zum Selberdenken zu motivieren. Genau das wollten wir von der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost mit unserer Video-Lesung von Seven Jewish Children bewirken. Bitte nimm Dir die Zeit und schaue Dir unsere Lesung an; wir freuen uns natürlich auch über Kommentare.

Und zum Schluß noch zwei Geschenkideen:
Ab dem 10.12. gibt es unsere brandneue DVD JIDDISCHE WEIHNACHT — live aus dem Prinzregententheater, die Du noch rechtzeitig vor den Feiertagen HIER (für 22 € zzgl. 3 € Versand) bestellen kannst. Und wenn Dir meine Arbeit gefällt, kannst Du ab sofort Geschenk-Mitgliedschaften bei Steady verschenken und damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Du verbreitest meinen Newsletter; Du schenkst und lässt andere an Hintergrundwissen zu Israel und Palästina teilhaben; und Du sicherst den Fortbestand meiner Arbeit durch Deine finanzielle Unterstützung. Natürlich kannst Du auch gerne selbst Steady-Mitglied werden und auf jeden Fall diesen Newsletter weiterleiten.

Dafür und fürs lange Lesen bis hierher: DANKE!

Herzlichst,

Workshop, Konzert, Theater

Heute möchte ich Euch auf zwei eigene Veranstaltugen hinweisen. Und das Münchner Metropoltheater empfehlen.

Am kommenden Samstag, den 26. November 2022, leite ich einen Workshop, der sich mit Fakten und Mythen rund um den sogenannten ‚Nahostkonflikt‘ befasst. Wir werden gemeinsam erarbeiten, was wir wissen, was wir zu wissen glauben und welche Narrative uns begleiten. Wir lernen, unsere Quellen zu analysieren und wie historische Fakten und Mythen voneinander unterschieden werden können.

Der Workshop wird veranstaltet vom Arbeitskreis Palästina Brühl-Battir und findet in Brühl bei Köln von 16.00 bis 20.00 Uhr statt, es gibt Pausen und eine leichte Verpflegung. Der Veranstaltungsort heißt
BRÜNEO – Coworking Space
Marie-Curie-Straße 3, 50321 Brühl
Wer teilnehmen möchte, muss sich bitte hier anmelden: veranstaltung@brockmann-buecher.de

Wir freuen uns sehr, unsere in dieser Jahreszeit schon traditionelle Konzert-Lesung JIDDISCHE WEIHNACHT in der wunderschönen Alten Kirche Niederweimar bei Marburg spielen zu können — wenn auch aufgrund der Größe (bzw. Kleine) des historischen Gebäudes nur in kleiner Besetzung. Wir freuen uns auf ein lebendiges Wiedersehen am Sonntag, 4. Dezember um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Übrigens: Wenn Du noch ein Weihnachts- oder ein Chanukka-Geschenk suchst, kannst Du unsere soeben erschienene DVD Jiddische Weihnacht mit einem LIVE-Mitschnitt von 2021 aus dem Münchner Prinzregententheater für 22 € (zzgl. 3 € Versand) HIER bestellen.
Ab einer Abnahme von 3 DVDs gibt es eine CD von unserem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH dazu, ab 5 DVDs auch noch 10% Rabatt.

Und nun noch ein Hinweis auf die jüngsten absurden Blüten, die der neue McCarthyismus in München treibt: Im Metropoltheater wurde das international gefeierte Stück „Vögel“ ausgesetzt. Alle Infos dazu finden sich auf der Homepage des Theaters. Allen Münchnerinnen und Münchnern empfehle ich sehr, dieses Theater zu besuchen — nicht nur, um Solidarität mit dem gebeutelten Ensemble zu zeigen (das weiß gar nicht, wie ihm geschieht!), sondern vor allem, um wunderbare Inszenierungen und eine tolle Theateratmosphäre zu genießen.

Liebe Metropol-Kollegen: Lasst Euch nicht unterkriegen!!!

Herzlichst,

Nie wieder!

Nie wieder.

Mit niemandem.

Menschenrechte sind universell.

Nie wieder, mit niemandem. Ganz gleich, welcher Ethnie, Hautfarbe, Religion. Ganz gleich welcher Überzeugung und Meinung.

Mein Großvater Julius wurde ein Jahr nach der sogenannten „Reichskristallnacht“ verhaftet und kurz darauf ermordet. Sein Andenken zu ehren bedeutet, auf ein universalistisches

NIE WIEDER!

zu bestehen. NIE WIEDER. MIT NIEMANDEM.

Wehret den Anfängen!

Von Herzen,

In Israel nichts Neues

Du bist schockiert über den Ausgang der Wahlen in Israel? Ich nicht. Was mich schockiert — nein: entsetzt ist, dass es hier bei uns immer noch kein böses Erwachen gibt angesichts einer Wahl, die unzweifelhaft Rassisten und Faschisten an die Macht in Israel bringen wird. Leute, die keinen Hehl daraus machen, was ihre politischen Ziele sind: Auf jeden Fall mal kein palästinensischer Staat. Diese Leute schämen sich nicht, in aller Öffentlichkeit „Tod den Terroristen“ zu schreien und damit alle Palästinenser zu meinen, die sie grundsätzlich für Terroristen halten. Es ist ihnen übrigens prima gelungen, dieses Bild auch in deutschen Köpfen zu etablieren — oder denkt jemand beim Wort ‚Palästinenser‘ an die vielen Künstlerinnen, Künstler und Intellektuellen, die aus Palästina kommen, Hand auf Herz? Die israelischen Faschisten, die demnächst die Regierung in der „einzigen Demokratie im Nahen Osten“ bilden werden, nennen Palästinenser bestenfalls ‚Araber‘, womit sie ihnen ihre palästinensische Identität aberkennen. Um ihre Haltung noch deutlicher zu machen, bezeichnen sie sie auch gerne mal als ‚Tiere‘, und sie können sich großer Zustimmung dafür in der israelischen Gesellschaft erfreuen.

Das alles schockt mich nicht mehr, denn ich erlebe, dokumentiere und beschreibe seit 2009 genau diesen Verfall der israelischen Gesellschaft in die Abgründe offener Demokratiefeindlichkeit, Ethnokratie, Rassismus und faschistischer Haltungen. Ich tue dies mit wachsender Sorge um das Überleben der Palästinenser und mit größter Besorgnis um die israelische Zivilgesellschaft, die im übrigen immer weniger „zivil“ ist, weil alles Militärische mehr denn je in jede Zelle israelischen Lebens eindringt. Dass es so weit kommen würde, ist also keine Überraschung; aber es macht mich wütend, dass die Reaktionen darauf in Deutschland entweder a) schlicht wegbleiben, b) weggelacht werden wie vom Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, dem das ‚Festhalten an der Kooperation‘ mehr wert ist als alle verratenen Werte, die es einst (auch für ihn als Grünen) zu verteidigen galt, oder c) bestenfalls ein Bedauern oder verhaltene Besorgnis hervorrufen.

HAALLLOOOOO!!! Wacht mal auf, Leute in verantwortlichen Positionen in deutschen Institutionen und Amtsstuben! Was muss denn noch alles an ‚facts on the ground‘ passieren in Israel und Palästina, damit Ihr mal klare Kante zeigt und Eure ‚Freundschaft‘ an Bedingungen knüpft, die Euren eigenen Demokratie- und Menschenrechtswerten entsprechen? Euer heuchlerisches Moralgesülze könnt Ihr Euch langsam sonstwohin stecken —  Eure Moral findet problemlos ihre Anwendung bei Sanktionen gegen den russischen Staat, den Ihr immer schon mal in die Schranken weisen wolltet. Dafür nehmt Ihr sogar immense Nachteile in Kauf; aber wenn es um Israel geht, glaubt Ihr Eure historische Schuld durch ewige Freundschaftsbekundungen gegenüber dem ‚jüdischen Staat‘ tilgen zu können; dann sind Moral und Werte, dann sind Menschenrechtsverletzungen an Menschen, denen Ihr beliebig den ‚Terroristen‘-Stempel aufdrückt, kein Hinderungsgrund. Ihr werdet Euch noch wundern, wie wenig an Holocaut-Schuld Ihr durch Euren ewigen Kotau gegenüber einem Staat abarbeiten könnt, der jüdische Werte und die jahrtausendealte Diversität des Judentums selbst verrät.

Stattdessen ergötzt Ihr Euch an angeblich antisemitischen Bildern, Karikaturen, Vorträgen, Liedern, Theaterstücken und sogar Juden und Israelis (sic!), um — auf sie mit Gebrüll! — Menschen mundtot zu machen, die ihre ganze künstlerische oder wissenschaftliche Energie darauf verwenden, Mißstände und Unrecht zu benennen. Jüngstes Beispiel (neben Annie Ernaux und Caryl Churchill) ist die Absage eines Vortrags von Dr. Shir Hever, der für die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Rhein-Neckar-Heidelberg einen Vortrag über Kinderarbeit in Palästina halten sollte. Die Veranstaltung wurde kurzfristig abgesagt, ohne Begründung. Shir schrieb mir, er wollte in seinem Vortrag u.a. über den Fall Mahmoud Sammoudi sprechen. Mahmoud fuhr regelmäßig nach Jenin im besetzten palästinensischen Westjordanland, um Wasser an vorbeifahrende Autofahrer zu verkaufen, selbst als Jenin zu einer sehr gefährlichen Stadt wurde. Am 28. September schossen israelische Soldaten vor der Muntaha Al-Hureini-Grundschule für Mädchen auf ihn, und am 10. Oktober starb er an seinen Verletzungen. Er war 12 Jahre alt.

Will man solche Geschichten in Deutschland nicht hören? Kann man der GEW nicht trauen, weil die GEW enge Beziehungen zur großen israelischen Lehrergewerkschaft Histadrut haMorim unterhält? In Jerusalem sind 40% der Schulkinder Araber, aber keines von ihnen ist in einer Schule willkommen, in der die Lehrerschaft der Histadrut haMorim angehört. Shir, der selbst in Israel zur Schule ging, schrieb: „Die Lehrer:innen haben dieses System der Apartheid nicht eingeführt, sie haben nur angesichts der Rassendiskriminierung geschwiegen und dazu beigetragen, es aufrechtzuerhalten. Die GEW toleriert den Rassismus der Histadrut haMorim, und es ist leider nicht verwunderlich, dass sie einen Vortrag über palästinensische Kinderarbeit zensiert. (…) Das Vorgehen der GEW, die sich mit der Histadrut haMorim zusammengetan und eine Veranstaltung mit einem jüdischen Redner über palästinensische Kinderarbeit abgesagt hat, kann als Unterstützung der Apartheid, als Antisemitismus und als Rassismus interpretiert werden, oder vielleicht auch als alles drei.“

Worauf wartet Ihr also noch, Ihr, die Ihr schockiert seid und immer noch hofft, dass die jüngsten Wahlen in Israel ein Ausrutscher waren? Die Ihr durch Euer Schweigen dazu beitragt, Unrecht aufrechtzuerhalten? Die Ihr nicht begreifen wollt, dass Israels Unrechtsregime nicht erst mit Netanjahu, auch nicht mit Ariel Sharon, nicht einmal mit dem Revisionisten Menachem Begin 1977 seinen Anfang nahm, sondern mit den „sozialistischen“, den „linken“, den wahrhaft „aufrechten“ Gründervätern um David Ben Gurion, mit den „guten Freiheitskämpfern“ von Palmach und Hagana, denen übrigens auch mein Vater angehörte, und von denen viele ihr Leben riskierten und opferten, um einen „araberfreien“ Staat aufzubauen. Die 1948er Vertreibung von Palästinensern und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen wurde 1967 fortgesetzt — auch damals angetrieben von den Führern der „linken“ Arbeiterparteien, den Zionisten, die den Grundstein dafür legten, dass heute noch vernunftbegabte Menschen an einen jüdischen und gleichzeitig demokratischen Staat glauben — also an die Quadratur des Kreises. Immerhin hat die Vernebelung der wahren Interessen israelischer Siedlungspolitik jetzt ein Ende; den Rechtsradikalen kann man nicht vorwerfen, sie würden ihre Absichten verschleiern.

Es hätte Chancen für Frieden und Ausgleich gegeben, als es noch eine Mehrheit in der israelischen Bevölkerung gab, die an die Lippenbekenntnisse ihrer Regierungen glaubte. Heute haben die Interessen gesiegt, die immer schon die Triebfeder israelischer Politik waren. Wer das von Deutschland aus unterstützen will, kann gerne an der „unverbrüchlichen Freundschaft“ zum „jüdischen Staat“ festhalten und dementsprechend agieren. Der muss sich aber gefallen lassen, als Unterstützer(in) von Rassismus und Apartheid, von Demokratiefeindlichkeit und ja, auch von Antisemitismus bezeichnet zu werden. Denn für die vielen Abertausende von Jüdinnen und Juden weltweit, die sich — wie ich — von Israel nicht vertreten, ja sogar verraten fühlen, ist die kritiklose Unterstützung des Staates Israel in seiner heutigen Form ein Schlag ins Gesicht.

Übrigens: Es sei auch einmal daran erinnert, dass Israel eine Atommacht ist, die sich bisher jeder internationalen Kontolle entzogen hat. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmte vor wenigen Tagen mit überwältigender Mehrheit dafür, dass sich das ändert. Ob Israel sich davon beeindrucken lässt, darf bezweifelt werden.

Abstimmungsergebnis der Generalversammlung der VN an 28.10.2022

Weitere Kommentare zu den Wahlen in Israel aus israelischer und jüdischer Sicht, die Du in den üblichen Medien nicht oder selten findest:

New Israel Fund: Unsere schlimmsten Befürchungen sind wahr geworden

Israelisches Online-Magazin +972: How we will resist this new far-right government

Tony Greestein: Israel’s ‚founding principles‘ were based on ethnic cleansing

Meron Mendel, Leiter der Anne-Frank-Stiftung, in der FAZ: Sie nennen ihn König von Israel

Hanno Hauenstein interviewt Gideon Levy (Haaretz): „Die Wahl in Israel ist eine Maskerade der Demokratie“

Prof. Moshe Zuckermann im Interview mit Fritz Edlinger: Faschisten stützen Israels Regierung

Lillian Rosengarten, KZ-Überlebende, schrieb als Reaktion auf die Wahlen dieses Gedicht:

Despair of a Jew

Israel! Once a beloved dream is not a Jewish country
Not a nation state but occupier.
Racist Israel, what former incarnation of Zionism
Twists into your nationalist dream?
Have you gone mad fed by your violent history?
Victim! Paranoid nightmare for Jews only.
Have you forgotten the final solution?
Palestinians, Semite brothers now suffer your destruction.
Victims uprooted, remain locked in ghettos of despair.
Supporters! You! Eat the myth and drink the victim’s blood.
Naked victims, besieged by a collective stench
Oozing boils that smell of rot.
Untangle the crazed twisted shroud of deception!
Who amongst you walks in the land of false morality?
Joy, poetry and love gone. Orange trees tainted
With Palestinian blood spilled by criminal nightmares.
I am that Jew who weeps despair.

Und dann noch bei BIP: Prof. Dr. Norman Paech zum Bericht der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese, die konstatiert:
„Immer ist es das Ziel gewesen, das Leben für die Menschen so unerträglich zu machen, dass sie freiwillig ihr Land verlassen.“

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Zahlen, Daten, Fakten (Quelle: UN/ OCHAOPT):

  • 2022: das bislang tödlichste Jahr seit 2006 mit 105 getöteten Palästinensern, darunter 26 Kinder — eine Steigerung um 57% im Vergleich zu 2021
  • knapp 4500 Palästinenserinnen und Palästinenser in israelischen Gefängnissen; 730 ohne Anklage und meistens auf Grund geheimer Anschuldigungen in „Administrativhaft“, darunter ca. 600 Kinder
  • Außerdem: gezielte außergerichtliche Tötungen; Entzug der Wohnerlaubnis; Deportationen, Angriffe und Abrisse von Häusern, Wohnungen und Gebäuden

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft findet übrigens, dies seien nun mal Aufgaben einer Besatzungsmacht (O-Ton).

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In eigener Sache: Wer am 26. November 2022 in der Nähe von Köln ist, kann von 16-20 Uhr an meinem Workshop Faktenseminar zur politischen Realität in Israel und Palästina teilnehmen.

Über Leben

Eine kleine Stadt in Baden-Württemberg beherbergt eine große Ausstellung, die eine Reise dorthin lohnt: Nach Stationen in Essen, New York und Maastricht wird in Ehingen an der Donau die Portrait-Reihe „SURVIVORS – Faces of Life after the Holocaust“ des Fotografen Martin Schoeller gezeigt. Erfreulicherweise dürfen wir diese Ausstellung musikalisch begleiten – mehr dazu unten. Schoeller benutzt für seine Arbeit jedes Mal dieselbe Ausrüstung und identisches Licht, ähnliche Winkel und Entfernungen – ganz gleich, ob er berühmte Persönlichkeiten oder Unbekannte portraitiert. Dabei widmet er sich allen Menschen mit der gleichen Aufmerksamkeit und Sorgfalt.

Mit SURVIVORS hat Martin Schoeller 2020 anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau 75 Überlebenden ein beeindruckendes Denkmal gesetzt. Er ermöglicht uns mit dem Blick in 75 Gesichter einen Einblick in Geschichten voller persönlicher Erinnerungen, die geprägt sind von tiefstem körperlichem und seelischem Leid und ebenso von unbrechbarem Lebenswillen.

Diese gleichzeitige Existenz von Schmerz und Hoffnung darzustellen ist auch ein wesentliches Element in meinem Konzertprogramm Unter Deinen Weissen Sternen, mit dem wir im Rahmen der Ausstellung SURVIVERS am Freitag, den 21. Oktober 22 um 19.30 Uhr in der Lindenhalle in Ehingen auftreten.

Das Gedenken an den Holocaust lebendig zu erhalten war immer schon Teil meiner künstlerischen und politischen Arbeit, nicht zuletzt aus persönlich-familiären Motiven. Umso absurder ist die sich ständig wiederholende Leier von Vorwürfen, die mir gemacht werden auf Grund meiner politischen Haltung gegenüber israelischer Palästina-Politik bis hin zu diffamierenden Vorwürfen des Antisemitismus (wenn’s nicht so dumm und traurig wäre, müsste ich darüber schallend lachen). Dabei taucht auch immer wieder die Frage nach der Singularität des Holocaust auf. In diesem Zusammenhang ist ganz aktuell dieses Buch erschienen mit zahlreichen spannenden Beiträgen zu dem neuen Historikerstreit, das ich hiermit wärmstens empfehle.

Freue Dich mit mir auf eine Lektüre voller Einsichten und Anregungen, auf bewegende Fotografien in Ehingen und einen Abend mit Musik und Texten, die uns zu einem universalistischen „Nie wieder!“ ermahnen wollen.

Herzlichst,

PS: Kennst Du schon meine Steady-Seite? Wenn Du meine Arbeit gut findest und mich unterstützen möchtest, damit ich weiterhin (und noch besser!) unabhängig arbeiten kann, dann kannst Du das mit einem „Sready-Paket“ tun und auch gerne anderen davon erzählen. Danke!

Ein süßes Neues Jahr!

Im jüdischen Kalender nahen die Hohen Feiertage, beginnend am Abend des 25. September — dies ist tagsüber nach dem jüdischen (Mond-)Kalender der 29. Elul (eine gar nicht so schlechte Erklärung dazu gibt’s auf Wikipedia), und ab Sonnenuntergang ist es bereits der 1. Tischri. Ja, unser Kalender geht nach dem Mond, unsere Monate haben andere Namen und ein neuer Tag beginnt nach jüdischer Auffassung in dem Moment, in dem der alte Tag zuende gegangen ist, sprich: unmittelbar nach Sonnenuntergang. Ich finde, das hat durchaus eine Logik, eigentlich mehr als die Festlegung auf eine Uhrzeit, die einfach beliebig auf 24:00 Uhr bestimmt wurde. Zum Beginn des Neuen Jahres tunken wir Äpfel in Honig und wünschen uns Shana tova u’metuka: ein gutes und süßes neues Jahr. Traditionell gibt es in unserer Familie ein großes Festessen, auf dem Tisch stehen Schälchen mit symbolischen Speisen wie ausgelöste Granatapfelkerne oder Sesam, die uns sagen sollen: So unzählig viel Gutes soll uns im kommenden Jahr widerfahren wie Körner in diesen Schüsseln sind. Ein schöner, ein notwendiger Wunsch, in diesem Jahr ganz besonders.

Ob das Neue Jahr, also das Jahr 5783 nach unserer jüdischen Zeitrechnung, nun wirklich im September beginnt oder doch eigentlich im Frühjahr, wie gewisse orthodoxe jüdische Kreise oder auch die Samaritaner aus Nablus behaupten — sie sehen sich als die reinste und seit Jahrtausenden unveränderte, ursprünglichste jüdische Gemeinschaft der Welt und sie leben friedlich mit ihren palästinensischen Nachbarn auf einem der Hügel von Nablus — darüber herrscht innerhalb des Judentums keine Einigkeit, darüber wird sogar trefflich gestritten. Uneinigkeit unter Jüdinnen und Juden herrscht natürlich auch zu anderen Themen, zuvorderst beim Thema des ‚jüdischen‘ Staates Israel und seiner Politik gegenüber den Palästinensern. Leider kommuniziert der Staat Israel in die Welt hinaus, dass er im Namen aller Juden weltweit spricht und agiert, was de facto aber nicht der Fall ist. Darum geben Organisationen wie die US-amerikanische Jewish Voice for Peace oder der deutsche Verein Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, dessen Mitglied ich bin, immer wieder die Parole heraus „Nicht in unserem Namen!“.

Das Judentum ist eine jahrtausendealte Religion mit hohen moralischen und humanistischen Werten und mit Millionen von unterschiedlichsten Interpretationen der alten Texte. Wen wundert’s, dass es da unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen innerhalb jüdischer Kreise auch bezüglich Israel und seiner Politik gibt?! Leider wird das in Deutschland häufig ignoriert. Daher sage auch ich immer wieder: „Nicht in meinem Namen!“ Jüdische Stimmen dürfen divers sein! Ich darf, ich muss mich als israelische Jüdin kritisch zur Politik meines Staates äußern, besonders wenn ich meine (jüdischen und humanistischen) Werte verraten sehe. Am Ende dieses Briefes zeige ich anhand von drei ausgewählten aktuellen Beispielen, warum.
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NICHT IN MEINEM NAMEN heißt auch ein Song von Bodo Wartke. Seit 2001 sind wir befreundet — damals waren wir beide Preisträger bei Songs an einem Sommerabend im Kloster Banz. In meinem SHLOMO-GEISTREICH-Programm Nicht ganz kosher! durfte ich seinen Song und eine Szene von ihm, den Götterdialog, einbauen.
Bodo feiert sein 25-jähriges Bühnenjubiläum am 3. Oktober um 19 Uhr im Circus Krone Bau in München. HIER gibt’s noch Karten.
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VOM KALTEN FRIEDEN ZUM HEISSEN KRIEG

Auf diese Veranstaltung an Erev Rosh haShana — zu Deutsch: Neujahrsabend — freue ich mich ganz besonders: Allen Bemühungen verschiedener Akteure zum Trotz ist es niemandem gelungen, weder mich noch den Veranstalter ‚Verein Ulmer Weltladen‘ von den Ulmer Friedenswochen auszuschließen. Stattdessen präsentieren wir uns hochkarätig:
Am kommenden Sonntag, den 25. September um 17 Uhr findet im Rahmen der Ulmer Friedenswochen ein Podiumsgespräch mit zwei von mir hochgeschätzten Persönlichkeiten statt: Prof. Norman Paech und Prof. Horst Teltschik werden sich unter dem Titel Vom kalten Frieden zum heißen Krieg zum brisantesten aktuellen Thema austauschen; ich werde das Gespräch moderieren. Beide Herren sind erfahrene Weltpolitik-Kenner; bei aller Unterschiedlichkeit eint sie der unerschütterliche Wunsch nach einer friedlichen Welt. Es ist geplant, die Veranstaltung über meinen YouTube-Kanal live zu streamen.
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Hier nun drei Texte zu israelischer und auch deutscher Israel-Politik, die mir in den letzten Tagen besonders aufgefallen sind; ich habe sie mit der Übersetzungssoftware deepl.com übersetzt und nicht redigiert — der Sinn und Inhalt lässt sich auch so leicht erfassen. Darüberhinaus empfehle ich Nahost-Interessierten den BIP-Newsletter zu abonnieren. Dort findest Du immer bestens recherchierte Artikel zu aktuellen Themen und Ereignissen in Israel und Palästina; Nachrichten, die man ansonsten in anderen Medien leider vergeblich sucht.
Hier nun meine Auswahl:
1. Lügen als Strategie, deutsch (englisch in Haaretz vom 14.9.22)
2. Israels Filmindustrie (+972, deutsch und englisch)
3. Zur documenta fifteen habe ich mich ja bereits im vorletzten Blogeintrag geäußert. Hier das Schreiben der beteiligten Künstler; ich kann ihre Frustration, ihre Wut und ihr Gekränktsein vollkommen nachvollziehen. In der ARD gab es diesen Beitrag zur documenta, der immerhin einige sonst selten gehörte Stimmen zu Wort kommen lässt.
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Für Schnellentschlossene: Wer heute Abend einer interessanten Diskussion beiwohnen möchte unter dem Titel „Wie weiter in Nahost?“, kann sich beim Gustav-Stresemann-Institut für die Online-Teilnahme anmelden.

Ich freue mich aufs Wiedersehen — am Sonntag um 17 Uhr live in Ulm oder online!

Herzlichst,

Vater im Himmel…?

Heute vor 42 Jahren ist mein Vater gestorben. In jener Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Jahre 1980 tat er seinen letzten Atemzug in unserer kleinen Wohnung in einem Münchner Vorort. Ich versuchte ihn noch zu beatmen, wie ich es im Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein gelernt hatte, aber es war vergebens. Meine Mutter rief den Notarzt erst, als sie sicher sein konnte, dass sie ihn nicht mehr in ein deutsches Krankenhaus bringen würden, dem sie nicht vertraute. Er war nicht am Krebs gestorben, sondern an einer fahrlässig falschen Behandlung unseres damaligen Hausarztes. Jahre später begriff ich, dass der Arzt damals schon ein Alkoholproblem hatte. Mir als Jugendliche kam er einfach nur besonders lässig vor. Mittags bekam ich mein Jahreszeugnis der 12. Klasse — warum ich damals zur Schule fuhr, weiß ich nicht mehr, ich kann mich nur daran erinnern, dass ich vor dem Lehrerzimmer zusammenbrach und dass es mir ganz wichtig war, das Zeugnis zu bekommen und mit diesem unglücklichen Schuljahr abzuschließen.

Der frühe Tod meines über alles geliebten Vaters Rolf hat mich so geprägt wie wenige andere Ereignisse meines Lebens. Er hinterließ nicht nur meine damals 43-jährige Mutter und mich — zwei (aus meiner heutigen Sicht junge) israelische Frauen in Oberbayern, sondern auch eine riesige Lücke mit zahllosen unbeantworteten Fragen. 1919 in Chemnitz als Sohn vermögender jüdischer Eltern geboren, wurde er 1935, im Todesjahr seiner Mutter Margarete, als „Saujude“ vom Gymnasium geworfen, weil er es gewagt hatte, im 100-Meter-Lauf schneller zu sein als sein Klassenkamerad, ein strammer Hitlerjunge. Rolfs Vater — mein Großvater Julius, dem ich mein Winterprogramm Jiddische Weihnacht gewidmet habe — schickte ihn in ein Internat in die Nähe von Genf, wo er bis zu seiner Flucht nach Palästina 1937 noch eine erstaunlich glückliche Jugend verbrachte, was sicherlich dem außergewöhnlichen Konzept der Internatsschule Ecole d’Humanité zu verdanken war. Der universelle Humanismus, der meinem Vater in den zwei Schuljahren in dem kleinen Schweizer Paradies inmitten des immer höllendüster werdenden Mitteleuropa von 1935-37 beigebracht wurde, sollte sein ganzes Leben und später auch meine Erziehung prägen.

Um das Leben meines Vaters von seiner Ankunft in Haifa, Palästina, im Sommer 1937 — er 18, meine Mutter gerade in Jerusalem geboren — bis zu seiner ‚Sesshaftwerdung‘ in Eilat am Roten Meer Mitte der 1950er Jahre (immerhin hielt er es dort rund zehn Jahre aus), wo meine Eltern sich später kennenlernten und wo ich Anfang der 60er geboren wurde, ranken sich einige Geschichten. Für mein Buch habe ich dazu recherchiert, wo ich nur konnte: Im Archiv der Palmach in Tel Aviv (Rolf gehörte jahrelang der Kampfeinheit der Untergrundorganisation Hagana an), im Hagana-Museum, in Familienalben, bei Freunden und Verwandten. Und ich habe in meinem Gedächtnis gekramt und habe in langen, stillen Stunden mit mir selbst eine Art Gedächtnisprotokoll niedergeschrieben — Gespräche, die mein Vater und ich in tiefnächtlichen oder frühmorgendlichen intimen Stunden führten, wenn meine Mutter und die Welt um uns herum schon oder noch schlief und er mir einige seiner Geheimnisse anvertraute. Leider weiß ich dennoch viel zu wenig über den Mann, der mein Vater war, dessen Familie von den Nazis verjagt oder ermordet wurde, der in seinen ersten Jahren in Haifa nur weg wollte aus „diesem Orient, aus dem sie versuchen, ein Europa zu machen, doch es wird ihnen nie gelingen.“; so schrieb er es 1938 in einem Brief an seine Schweizer Schule. Und der 1970 in einem zweiten Versuch, in Deutschland wieder Fuß zu fassen, in der oberbayrischen Kleinstadt Ebersberg bei München hängenblieb und somit die Zukunft unserer kleinen Familie besiegelte. Warum auch immer.

Rolf Sommerfeld (1919-1980)

In wenigen Wochen würde mein Vater 103 Jahre alt; er starb mit 60, genau in dem Alter, in dem ich jetzt bin. Seit einigen Jahren bin ich mit seinem Tod etwas mehr versöhnt, weil ich mir denke, dass er jetzt vermutlich ohnehin nicht mehr leben würde. Gleichzeitig ist er in letzter Zeit für mich präsenter denn je. Das hat zum einen mit meinem Buch zu tun, in dem es eine Figur gibt, die charakterlich an ihn angelehnt ist, zum anderen mit den aktuellen Ereignissen in Deutschland, die wiederum direkt mit den Ereignissen in Israel/Palästina zu tun haben. Ich spreche natürlich von der Documenta fifteen und dem unfassbar aufgeblähten „Skandal“, der mit dem wahren, dem real existierenden, dem lebensgefährlichen und dem selten benannten und verfolgten Antisemitismus so viel zu tun hat wie Schweizer Käse mit der humanistischen Bildung meines Vaters. Wenn Du weißt, was ich meine.

Aus den zahllosen Beiträgen der vergangenen Wochen zu diesem Thema habe ich die herausgesucht, die mir am wichtigsten und wirklich lesenswert erscheinen. Du findest sie kurz kuratiert am Ende dieses Briefes. Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen, wenn er mitbekommen würde, was derzeit in Deutschland unter „Antisemitismus“ durchgeht. Bei einigen Aussagen mit dem dazugehörigen Betroffenheits-Hundeblick mancher ‚Experten‘ kann ich mich nur fremdschämen. Gerne würde ich diese Leute fragen, was sie gegen Antisemitismus und andere Formen von Rassismus bei der Polizei, bei der Bundeswehr, in der AfD, im Netz, in gewissen Vereinen und Institutionen unternehmen. Gerne würde ich ihnen ein Gespräch mit dem ehemaligen Knesset-Sprecher Avraham Burg vermitteln, der in seinem Artikel (s.u.) bestens erklärt, wem wir bei dieser verfälschten Debatte in Wirklichkeit auf den Leim gehen. Mein Vater würde ihm sicherlich beipflichten.

Ob mein Vater im Himmel ist und mir von Wolke sieben aus zusieht, wie er manchmal lachend prophezeite, oder ob er, wie er immer zu sagen pflegte, die Radieschen von unten anschiebt, oder ob er ganz woanders oder nirgendwo oder überhaupt nicht mehr ist, das weiß ich nicht und habe auch nicht vor, mich für irgend eine Variante zu entscheiden. In meinen Gedanken und in meinem Herzen begleitet er mich ständig, täglich — auf immer und ewig, nehme ich an. Ich danke ihm für alles, was er mir war; ganz besonders für seinen humanistischen Geist, der mich lehrte, keinen Unterschied zu machen in der Bewertung aller Menschen, sie gleich-wertig zu achten und zu behandeln und ihre Unterschiedlichkeiten zu ehren, zu bestaunen und zu schätzen. So geht für mich Humanismus. Ich wünschte, das könnte ich genauso weitergeben. Was mein Vater zur derzeitigen „Antisemitismus“-Debatte in Deutschland sagen würde, kann ich nur erahnen. Und froh sein, dass er diesen Wahnsinn inklusive der Anschuldigungen gegen seine Tochter* nicht leibhaftig erleben muss.

Eine anregende Lektüre und alles Gute wünscht
herzlichst,

PS: Wenn Dir meine Arbeit gefällt und Du mich unterstützen möchtest, kannst Du das mit einer Mitgliedschaft bei Steady tun. Wenn Du das erst einmal testen möchtest, dann probiere doch mal die kostenfreie Probe-Mitgliedschaft für einen Monat aus.

PPS: Ab Herbst geht es für mich wieder mit Live-Veranstaltungen los. Ganz besonders freue ich mich auf ein Gespräch mit Prof. Norman Paech und Prof. Horst Teltschik am Sonntag, den 25. September um 17 Uhr, das ich im Rahmen der Ulmer Friedenswochen moderieren werde und in dem wir uns über kalte und heiße Kriege und vor allem deren Vermeidung und Befriedung unterhalten werden. Mehr dazu demnächst.

Hier meine Auswahl zur Documenta 15 und darüber hinaus:

Eva Menasse ist wütend und fragt zurecht, was gefährlicher ist: alte antisemitische Karikaturen aus Indonesien oder Antisemiten, die mit Maschinenpistolen in Synagogen eindringen? Ihr Gastbeitrag im Spiegel:
Meint Ihr das wirklich ernst? (29. Juni 22)

Norman Paech sinniert, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der täglichen Gewalt und Apartheid der israelischen Besatzungspolitik und dem steigenden Antisemitismus nicht nur in Deutschland.
Räumt die Documenta ab! (2. Juli 22)

Joseph Croitoru beharrt darauf, die Dinge im Kontexte zu verstehen. Darum erklärt er in der Münchner Abendzeitung das Wimmelbild, das auf der Documenta anfangs (oder war es die zweite Welle der Empörung, oder die dritte?!) im Fokus der Aufregung stand, sowie in der Berliner Zeitung weitere Kunstwerke:
Das Chaos fair deuten (AZ, 16. Juli 22)
Warum diese Bilder nicht antisemitisch sind (BZ, 29. Juli 22)

Werner Ruf und zwei weitere Wissenschaftler rufen in diesem Offenen Brief den Documenta-Aufsichtsrat, die Bundesregierung und die Medien zu einer Korrektur ihres Verhaltens auf:
Ist die documenta noch zu retten? (27. Juli 22)

Avraham Burg, ehemals Knesset-Sprecher und Vorsitzender der Zionistischen Weltorganisation meint: „Wenn man Muslimen schadet, schadet man mir. (…) Das ist das Gesicht des wahren Judentums.“:
Deutschland verleiht der israelischen Besatzung einen koscheren Stempel 

Für noch mehr Kontext, noch mehr Hintergrund, ein kurzer Beitrag im Deutschlandfunk: Großbritannien verspricht Juden wie Arabern die Erfüllung ihrer nationalen Ambitionen – und verfolgt doch eigene Interessen. 
Vor 100 Jahren: Großbritannien erhält das Völkerbundmandat über Palästina (5 Min.) (24. Juli 22)

Und heute? Laut des UN-Büros für Humanitäre Angelegenheiten in den Occupied Palestinian Territories (oPt) OCHAoPt sind seit Jahresbeginn 29 Palästinenser getötet worden, darunter 6 Kinder; 273 wurden in diesem Zeitraum in der Westbank verletzt, darunter 24 Kinder. Weitere Infos über Hauszerstörungen, Verhaftungen, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Hausdurchsuchungen etc. können auf der OCHA-Seite abgerufen werden. Darüber sollten wir sprechen; das sollten wir ändern, anstatt uns über Schweineschnauzen auf indonesischen Wimmelbildern zu echauffieren.

* Hier nochmal zwei Artikel, in denen es u.a. auch um meine Person in dieser Schlammschlacht geht:
Itay Mashiach (Haaretz, Dez. 2020): Hexenjagd gegen Israelkritiker
Brian Eno (The Guardian, Feb. 2021): Artists like me are being censored in Germany
Und in diesem Zusammenhang der Offene Brief von Eva Menasse an Felix Klein (Berliner Zeitung, März 2021)

Zuletzt noch als Nachtrag zu meinem letzten Brief ‚Der Schmerz der Anderen‘ ein Kommentar von Charlotte Wiedemann in der taz:
Nakba und deutsche (Un-)Schuld
Und ganz aktuell ihr Beitrag im Online-Magazin Geschichte der Gegenwart, in dem sie u.a. afrikanische Philosophen zitiert:
“ (…) Alle Erinnerungen können geteilt werden, denn in jedem Unglück und jeder Katastrophe unserer gemeinsamen Geschichte ist die Gestalt eines jeden von uns verfinstert worden. Alle Erinnerungen der Erde, ohne jegliche Diskriminierung, sind für den Aufbau einer gemeinsamen Welt unerlässlich.“
Afrikanische Perspektiven auf Holocaust und Erinnerung. Ein Essay über Weltgedächtnis, Prestige und Opferhierarchien

Kultur, Politik und gutes Leben