Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund!
Lass uns dieses Jahr mit Hoffnung, Zuversicht und Liebe beginnen (auch mit Satire, aber die kommt später). Dazu empfehle ich, ganz unbedingt und sofort diesen Film anzusehen:
Der Film erzählt über Maggie Doyne: Eine junge Frau, die nach ihrer Abiturreise durch Nepal entscheidet, dort zu bleiben und mit verwaisten Kindern eine Familie zu gründen. Auf dem Höhepunkt dieses gelungenen Abenteuers zerstört ein unvorstellbarer Verlust alles. Der Filmemacher vertieft an dieser Stelle die Geschichte zu einer Reflektion, einer Meditation über Trauer, Widerstandsfähigkeit und die Kraft der Liebe, die heilen kann.
Klingt kitschig? Mag sein. Aber es ist die wahre Geschichte dieser Frau, die mit mehr als 50 Waisenkindern eine Familie geschaffen hat, die ihresgleichen sucht. Mich hat der Film auch deswegen so angefasst, weil ich selbst als junges Mädchen gerne eine große Familie mit vielen Kindern aus aller Welt gegründet hätte. Mir schwebte ganz konkret eine Farm in Australien vor, wo ich mit einer bunten Schar verwaister Kinder ein glückliches Landleben führen wollte. Diesen Traum habe ich mir nie erfüllt; das hebe ich mir nun für ein späteres Leben auf.
Aber zurück zu Maggie Doyne. Die Auswirkungen, die das Handeln einer einzelnen Person haben kann — natürlich zusammen mit vielen Unterstützern und Partnern — hat mich tief beeindruckt. Dieses unmittelbare, scheinbar unpolitische, zutiefst menschliche Handeln berührt etwas in mir, als sähe ich einen Stein, der ins Wasser fällt und kleine Wellen in Bewegung bringt, die sich nach allen Seiten ausbreiten. Was werden diese fünfzig Kinder in die Welt tragen, wenn jedes von ihnen eine Welle an Liebe und Geborgenheit reitet? Wird es einen Sturm der allgemeinen Liebe und Zuversicht geben? Einen Tsunami des Wohlwollens, des Glücks und der liebenden Herzen? Ich wünsche es mir und uns allen so sehr. Schaut Euch den Film an! Man kann ihn die nächsten Tage zu einem selbsgewählten Preis, also auch kostenlos, streamen: https://www.betweenthemountainandthesky.com/watch
In Wirklichkeit ist das Handeln dieser Frau natürlich hoch politisch — ihr Glück ist es, dass sie die unmittelbare Wirkung ihres Handelns, die Transformation von Leid zu Freude, von Unglück zu Hoffnung immer wieder bei sich und bei jedem ihrer Kinder sehen kann. Darum beneide ich sie ein wenig. Mein Glück ist, dass ich die Kunst in ihren mannigfaltigen Facetten als Begleiterin habe.

Wie sonst könnte ich aushalten, dass Trump von seinem Kumpel Netanjahu — mittlerweile treten die beiden schon im Partnerlook auf —
als Friedensfürst gefeiert wird und den Israel-Preis erhält— die höchste Auszeichnung Israels für Israelis. Ähm… hä?! Ist Trump jetzt Israeli?? Währenddessen fallen in Gaza weiter Bomben, Kinder erfrieren und verhungern. Im besetzten Westjordanland morden und brandschatzen Siedler, unterstützt vom israelischen Militär, und machen nicht einmal Halt vor wehrlosen „palästinensischen“ Tieren, sondern prügeln sie mit grenzenlosem Hass zu Tode. Und Tausende Palästinenser, darunter Frauen und Kinder, werden ohne Anklage in israelischen Gefängnissen als Geiseln gehalten, gefoltert und kollektiv bestraft. Und dann der Israel-Preis… hmmm… vielleicht hat Trump den deswegen verdient, weil er — laut Haaretz — „von allen Menschen in Israel und vom ganzen jüdischen Volk geliebt wird“, wie der israelische Erziehungsminister Yoav Kisch dem Heilsbringer in einem ausgelassenen Telefonat mitteilte. Trump, der zuerst nur leicht irritiert auf die Nachricht der Preisverleihung reagierte (vermutlich hatte er noch nie etwas gehört vom Israel-Preis) fachsimpelte mit Kisch zunächst über die Vorzüge des F-16-Fighters, bevor er von sich gab, er sei „so thrilled“ („so begeistert“) gewesen, als seine Tochter Ivanka ihm mitgeteilt habe, sie wolle zum Judentum konvertieren, um Kushner zu heiraten. „Stimmt’s, Jared?“ fragte er seinen allgegenwärtigen Schwiegersohn.
„Du warst sehr unterstützend“, antwortete der Kronprinz dem König.
Und da sie nicht gestorben sind, treiben sie ihr Unwesen weiter. Ende.
Am Anfang dieses Briefes hatte ich Satire versprochen, aber ich merke, ich kann das nicht so gut. Ich will mich bemühen, nicht zynisch zu werden, denn schließlich will auch ich Hoffnung und Zuversicht verbreiten. Meine Mittel sind beschränkt, mein Einfluss gering, meine Wirkung marginal. Und doch glaube ich daran, dass jede und jeder Einzelne von uns eine Veränderung zum Guten bewirken kann, getreu dem Motto von Mahatma Ghandi:

Du und ich, wir können einen Beitrag leisten, um die Welt gerechter zu machen: indem wir Briefe schreiben, protestieren, unsere Stimme erheben, freundlich sind! Lieder singen, tanzen, miteinander ins Gespräch kommen, mit Andersdenkenden diskutieren — und dabei freundlich bleiben! — in jeder Lebenssituation Respekt zeigen, zu unseren Werten stehen, unsere Überzeugungen leben und auch immer wieder hinterfragen — und freundlich sind. Indem wir eigene Projekte starten oder auch Geld spenden. In den letzten Tagen gab es zahllose Spendenaufrufe. Das Kinderprojekt von Maggie Doyle in Nepal, einem der ärmsten Länder der Welt, kann man ebenso unterstützen wie

z.B. medico international oder eine der anderen 37 deutschen oder internationalen Hilfsorganisationen, denen Israel am 30.12.25 den Einatz in Gaza mit sofortiger Wirkung unterbunden hat (Link hier links).
Das ist leider keine Satire, sondern bitterer Ernst. Es ist vorsätzliche unterlassene Hilfeleistung — nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen.
Dies ist nur eine von vielen völkerrechtswidrigen Schachzügen, die sich die Netanjahu-Regierung mit ihren faschistischen Ministern einfallen lässt, um das Leid der Palästinenser zu mehren — in der Hoffnung, sie ließen sich dadurch leichter „freiwillig“ vertreiben. Das klingt zu radikal? Ist aber O-Ton in israelischen Medien. Darüber müssen wir sprechen, auch und gerade in Deutschland. Denn Deutschland ist der wichtigste Unterstützer der israelischen Regierung, teils wider besseren Wissens. In Deutschland erträgt man es aber nicht, „schlecht“ über Israel zu sprechen, wegen der „Last der Solidarität“. Wer das verstehen will, höre sich die viereinhalb Minuten hier an:

Im politischen Feuilleton des Deutschlandfunk-Podcasts vom 30. Dezember 25 bringt der deutsch-israelische Politologe David Ranan das deutsche Dilemma auf den Punkt: Die Last der Solidarität.
Gerne würde ich noch viel mehr Hintergrundinformationen zu Israel und Palästina mit Dir teilen. Doch leider bin ich nicht in der Lage, in meinen Briefen zeitnah auf all die Themen einzugehen, die aktuell sind und Verbreitung verdienen. Aber auf Instagram bin ich fast täglich aktiv, teile und poste Informationen und kann dort viel schneller reagieren. Ich weiß, dass viele meiner Leserinnen und Leser nicht gerade Social-Media-affin sind, und auch ich musste da so manche Hürde überwinden. Aber mit Instagram komme ich mittlerweile gut klar, und die Aktualität und Geschwindigkeit, mit der dort Austausch und Vernetzung stattfinden kann, lässt mich die vielen „Abers“ verknusen. Kurz: Ich freue mich, wenn Du mir auf Instagram folgst! Du findest mich dort unter nirit_sommerfeld (oder: https://www.instagram.com/nirit_sommerfeld)
An dieser Stelle möchte ich mich bei Dir bedanken: für Dein Interesse an meiner Arbeit; für Deine Geduld, wenn ich lange nichts von mir hören lasse; für Dein freundliches und kritisches Feedback. Und wenn Du ein Steady-Mitglied bist: Herzlichen Dank für Deine finanzielle Unterstützung meiner Briefe! Sie bedeutet mir viel. Für Dich habe ich heute noch ein kleines Extra.
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Mit herzlichen Grüßen und friedvollen Wünschen für das Neue Jahr,

