Alle Beiträge von Nirit Sommerfeld

Gehorsam, Vertreibung oder Gewalt

Gehorsam, Vertreibung oder Gewalt — Israels Finanzminister Smotrich lässt den Palästinensern die Wahl.

BIP-Aktuell #268: Jenin: Warum hat Israel Jenin angegriffen?
Eine treffende Analyse.

Dahlia Scheindlin im stern:
Tausende demonstrieren gegen die Justizreform. Dabei liegt die größere Gefahr für die Demokratie in der Politik im Westjordanland

Bezalel Smotrich, Israels Finanzminister und Gouverneur des Westjordanlandes:
Israels entscheidender Plan (Engl.: Israel’s Decisive Plan)

Zusammenfassung
Die entscheidende „Eine Hoffnung“ ist der einzige Plan, der auf einer Vision des gesamten Landes Israel beruht. Es ist der einzige Plan, der nicht an der noch unerfüllten Vision der gesamten Rechten verzweifelt, und er enthält keine Definition einer arabischen nationalen Einheit im Land Israel. Es ist der einzige Plan, der nicht darauf basiert, ein arabisches Kollektiv mit nationalen Ambitionen bestehen zu lassen, und als solcher ist er der einzige Plan, der darauf basiert, den Konflikt zu gewinnen und ihn nicht in unterschiedlicher Intensität aufrechtzuerhalten. Vor allem aber ist es der einzige Plan, der an die Möglichkeit glaubt, den Traum von Frieden und Koexistenz zu verwirklichen, anstatt an diesem Traum zu verzweifeln und ihn durch eine unmögliche Trennung zu ersetzen. Er ist für diejenigen gedacht, die es wagen zu hoffen. Lassen wir ihn Wirklichkeit werden.

(Dt. Übersetzung, Bezalel Smotrich auf hashiloach)

SAGT NICHT, IHR HÄTTET NICHTS GEWUSST!

Zum Zuschauen und Mitmachen

Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund,

heute möchte ich Dich zum Zuschauen, Lesen und Mitmachen einladen. Zunächst zwei Zuschau-Optionen. Erstens: In der Mediathek des Bayerischen Fernsehens findest Du die Sendung „Puzzle“, in der es um die Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 in München geht. Damals waren es ausgerechnet Studenten und Professoren, die von der Universität in München zum Königsplatz zogen, wo sie zahllose Bücher dem Feuer übergaben, deren Autorinnen und Autoren ihrer verqueren Ideologie nicht genehm waren. Ihnen schlossen sich etwa 50.000 Münchner Bürgerinnen und Bürger an.
Seit 1995 finden jedes Jahr auf Initiative des Künstlers Wolfram Kastner am Königsplatz in München (und mittlerweile auch am Odeonsplatz und an anderen Orten) öffentliche Lesungen statt, an denen unterschiedliche Leute aus der Zivilgesellschaft aus eben jenen verbrannten Büchern lesen. In diesem, dem 80. Jahr des Gedenkens an die Bücherverbrennung, entstand diese Folge der Sendung ‚Puzzle‘, in der u.a. auch ich darüber sprechen konnte, warum es so wichtig ist, sich der Anfänge zu erinnern und die Mechanismen wie Ausgrenzung, Diffamierung und Zensur rechtzeitig zu erkennen: sie sind die Wegbereiter von Faschismus.

Zweitens: Die Kunststation Kleinsassen in der Rhön sucht eine Antwort auf die Vorwürfe, die die documenta fifteen zum Skandal werden ließen (was ich von dem ganzen Wahnsinn der Vorwürfe halte, habe ich in diesem Blog bereits ausführlich dargelegt). Daher schrieb die ‚Kunststation‘ ein Ausstellungsprojekt aus, in dem sie zur kritischen Auseinandersetzung mit Phänomenen interkultureller Begegnung auffordert. Sie gab dem Projekt in Anlehnung an das documenta-Motto „Make Friends, Not Art“ den Titel „Make Friends AND Art“. Ich bin gespannt, ob sich im Rückblick neue Perspektiven für die geneigte Öffentlichkeit erschließen.
Jedenfalls wurden u.a. Werke der Malerin Ulrike Kuborn für das Projekt ausgewählt, und ich freue mich sehr darauf, mit ihr zusammen ein neues Kunst-Feld zu betreten — im wahrsten Sinne des Wortes, wie Du in dem kurzen Video unten sehen kannst. Gemeinsam werden wir ein Bild malen, bei dessen Entstehung in einem gewissen Stadium während einer Performance Leute live zuschauen können. Wir sind von der Kunststation Kleinsassen eingeladen worden, unsere Performance: Approach | Begegnung am Sonntag, den 25. Juni um 15 Uhr zu zeigen.

Trailer zur Performance Approach/Begegnung

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So, nun aber endlich Mitmachen: Am Sonntag, den 2. Juli 23 gebe ich wieder meinen Präsenz-Workshop in München, der für alle Menschen geeignet ist, die etwas zu sagen, zu singen, zu tanzen oder sonstwie darzustellen und mitzuteilen haben und die schon ein wenig Erfahrung mitbringen. Falls Du im Münchner Raum bist, bereits einmal einen meiner Workshops besucht oder schon mal eine Rede gehalten, vor Publikum gesungen oder einen eigenen Text präsentiert hast und an Deinen Fähigkeiten feilen möchtest, bist Du hier richtig. Alle Infos und Anmeldung HIER (–> Kurse –> Stimme –> Performance). Achtung, begrenzte Teilnehmerzahl! Sichere Dir schnell noch einen Platz!

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Auch heute soll ein Israel-bezogenes Thema nicht fehlen. Zum Schluss also noch einmal eine Aufforderung zum Lesen und Mitmachen: Schreibe einem jungen israelischen Kriegsdienstverweigerer einen Brief! Hier findest Du den neuesten Newsletter der Organisation MESARVOT (hebräisch für: „Die sich Weigernden“ — hier in der weiblichen Form) und einen Link, um direkt ein paar persönliche Zeilen zu schreiben. Diese mutigen jungen Menschen brauchen dringend seelisch-geistige Unterstützung, denn in ihrer eigenen Gesellschaft müssen sie viel ertragen, wenn sie sich entscheiden, aus Gewissensgründen nicht in der Besatzungsarmee dienen wollen.

Danke und herzlichst,

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Von Generation zu Generation

Die Bombe expolodierte mittags um kurz nach zwölf am 20. Mai 1948 — heute auf den Tag genau vor 75 Jahren. Sie verfehlte ihr Ziel um ein paar Hundert Meter, so vermutete man später, denn warum hätten die Jordanier oder die Syrer (oder wer auch immer im Besitz solcher Waffen war) ein kleines ärmliches dicht besiedeltes jüdisches Viertel zwischen der Jerusalemer Altstadt und dem Machane-Yehuda-Markt treffen wollen? Die Flugbahn des Geschosses war wohl nicht präzise berechnet worden, jedenfalls streifte die Bombe einen Baumwipfel am Ende der Straße und detonierte dort. Meine Tante, die Schwester meiner Mutter, damals neun Jahre alt, erinnert sich genau: Als ich sie gestern in Israel anrufe, schildert sie die Geschehnisse jenes Tages minutiös und in der selben Präzision wie in den Jahren zuvor, wenn ich sie befragte. Ihre Erinnerungen decken sich mit den Erzählungen meiner Mutter, mit der ich oft darüber sprach, als sie noch lebte.

„Deine Mutter und ich“, beginnt meine Tante, „hörten den Wassermann rufen, dass der Pumpenwagen gleich kommen würde. Also holten wir die leeren Wasserkanister und rannten die Straße hoch, wo sich bereits eine lange Schlange gebildet hatte. Manchmal musste man zwei, drei Stunden anstehen, bis das Wasser tatsächlich geliefert wurde und wir endlich dran kamen. Unsere Freundin Sarale kam auch mit einem Kanister angerannt, hatte aber ihre Wassermarken vergessen. Ohne Marken kein Wasser — das wussten wir, also bat sie uns, auf ihren Kanister aufzupassen und ihr den Platz in der Schlange freizuhalten. Sie rannte die Straße hinunter, lief zu sich ins Haus und in den ersten Stock, wo ihre Familie wohnte. Dann hörten wir die Detonation, drehten uns um, sahen, wie Sarale den Kopf weit aus dem Fenster streckte.“
An dieser Stelle wird meine Tante still. Sie hat es schon oft erzählt, aber an dieser Stelle macht sie immer eine Pause, an dieser Stelle sucht sie jedes Mal nach anderen Worten. Als könnten neue Worte die Grauen des Krieges etwas weniger grausam, etwas erträglicher, vielleicht sogar die Geschehnisse nachträglich ungeschehen machen. An dieser Stelle der Geschichte ist die Kindheitsanekdote zuende, ist nur noch das Trauma von Sarales Enthauptung präsent.

Shalomiko, der jüngste Bruder meiner Mutter. Er starb 7-jährig am 20. Mai 1948

In dem folgenden Text habe ich die Erinnerungen meiner Mutter und ihrer Schwester zu einer kleinen Erzählung verarbeitet.

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Wie zu erwarten war, gibt es viel zu sehen und zu lesen zum 75. Jahrestag der Staatsgründung Israels. Erstmals wurde in der UNO feierlich der Nakba, der mannigfachen Katastrophe des palästinensischen Volkes gedacht. Auch in Deutschland wird viel über die Nakba berichtet, die nun einmal die Kehrseite der Erfolgsstory des zionistischen Traums ist. Palästinenser gingen an vielen Orten weltweit auf die Straßen, um der Vertreibung ihrer Vorfahren zu gedenken. In der israelischen Tageszeitung Haaretz erschien dieser Artikel (hier Englisch und mit deutscher Deepl-Übersetzung), der grundlegende Aspekte der Nakba beleuchtet. Wer verstehen will, wie Fakten und Mythen das Narrativ formen, findet hier das Wichtigste verständlich zusammengefasst.
Weitere sehens-, hörens- und lesenswerte Beiträge sind:

Joint Nakba Remembrance Ceremony: Unter dem Motto „Vergangenheit erinnern, um eine bessere Zukunft zu schaffen“ sind beim gemeinsamen Gedenktag Zeitzeugen zu hören. Veranstaltet von ‚Combatants for Peace‘, ehemaligen Kämpfern beider Seiten — eindrucksvoll und bewegend. (52 min)

Amnesty International Video: Wer verstehen will, warum die Nakba kein singuläres Ereignis ist, sondern bis heute andauert, wird hier fündig. So wird Überwachungstechnologie zur Unterdrückung der Palästinenser eingesetzt. (20 min)

Dazu passend: ARD-Hörfunkbeitrag über die High-Tech-Überwachung in Hebron (4 min)

Kein Land ohne Volk von Moshe Zuckermann in der Beilage NAHER OSTEN der junge welt (5 min)

ARD Monitor: Warum starb Shireen Abu Akleh? Ein ausgezeichnet recherchierter Bericht zweier Journalistinnen zum Mord an Shireen Abu Akleh, über die ich vor einem Jahr hier schrieb. Jede Minute sehenswert! (12 min)

Hier liest Colum McCann den Brief von Rami Elhanan an seine Tochter Smadar, die bei einem Selbstmordattentat getötet wurde. Rami gründete zusammen mit anderen israelischen und palästinensischen verwaisten Eltern den Parents Circle.

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Das Wichtigste zum Schluss: Wenn Du erfahren möchtest, wie aus Sicht von Palästinensern und Israelis eine freie, friedliche Zukunft, wie das Ende der andauernden Vertreibung und ein Rückkehrrecht für Palästinenser aussehen könnte, dann registriere Dich für das Webinar von Green Olive Collective und Zochrot, das am Sonntag, den 28. Mai um 19 Uhr stattfindet. Ich arbeite seit Jahren mit beiden Organisationen zusammen, ich kenne die Referenten und verbürge mich für ihre Vertrauenswürdigkeit.

Danke, dass Du bis hierhin gelesen hast!
Herzlichst,

Übrigens wird heute eine angemeldete Demonstration zum Gedenken an die Nakba in Berlin verboten. In München hingegen wurde der Nakba-Gedenkmarsch vergangene Woche von freundlichen Polizisten begleitet.

75 Jahre Freud und Leid

„Willst du mir nicht ‚Chag sameach‘, einen frohen Feiertag, wünschen?“, hörte ich meine Mutter am Telefon fragen vor acht Jahren, an einem schönen Tag im Mai. In Deutschland passiert es zuweilen, dass ich einen unserer vielen Feiertage übersehe; unser jüdischer Kalender richtet sich nach dem Zyklus des Mondes, nicht nach dem der Sonne, und daher fallen zum Beispiel Feiertage wie Channuka, was meist um Weihnachten herum stattfinden, mal auf Ende November und mal genau auf den 24. Dezember. Außerdem spielen jüdische Feiertage im öffentlichen deutschen Leben eigentlich keine Rolle, bisher jedenfalls, also war es leicht, sie hier im Alltag zu übersehen.

„Welchen Feiertag feiern wir denn diesmal?“, fragte ich mit einer Mischung aus Ironie und schlechtem Gewissen. In Wirklichkeit machte ich mich ein bisschen lustig über meine Mutter, denn sie bestand darauf, eine Agnostikerin und bestimmt nicht religiös zu sein, aber hier in Deutschland bedeuteten ihr unsere Feiertage viel. Daher zündete sie am Vorabend immer zwei Kerzen an, erwartete meinen Anruf mit ‚Chag sameach‘ und konnte mich eine unaufmerksame Tochter schelten, wenn die Feiertagswünsche ausblieben. Ich hatte also, wie ich es jeden Tag tat, an jenem Maitag angerufen, aber diesmal vergessen, ein ‚frohes Fest‘ zu wünschen.

„Yom ha’Atzma’ut“, antwortete meine Mutter, „unseren Unabhängigkeitstag.“
Es folgte eine peinliche Stille. Ich hatte mich zu jener Zeit viel mit den Ereignissen um die Staatsgründung Israels beschäftigt, mit den historischen Gegebenheiten, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Aufkeimen des Zionismus geführt hatten. Ich las über die Geschichte Palästinas seit der britischen Mandatsübernahme nach dem Ersten Weltkrieg und interessierte mich besonders für die späten 1930er Jahre, in denen mein Vater als 18-Jähriger nach Haifa gekommen war, um den Nazis zu entfliehen. Mein Interesse kreiste besonders um die Jahre 1947 bis ’49. In jener Zeit hatte die junge UNO die Teilung Palästinas beschlossen, woraufhin die Briten abzogen, Ben Gurion den Staat Israel ausrief und damit das Ende des bis dahin existierenden Palästina mit der Vertreibung einer Dreiviertel Million Menschen und der Zerstörung ihrer rund 500 Dörfer einläutete. Diese menschliche, völkerrechtliche, historische, zivilisatorische Katastrophe, deren Folgen sich bis heute auswirken, heißt in der Sprache der Palästinenser Nakba.

„Happy Nakba“, murmelte ich vor mich hin.
Ich konnte hören, wie meiner Mutter die Kinnlade herunterklappte.
„Was hast du gerade gesagt?“ Ihre Stimme war tonlos.

Ich versuchte, die Situation zu retten, ihr die andere Perspektive zu erklären, die sie — im Gegensatz zu den meisten Israelis — ohnehin kannte, doch sie war tief getroffen. Sie stammelte nur ein paar unzusammenhängende Phrasen in den Hörer — „Dein Vater hat sein Leben für diesen Staat…“ und „ohne diesen Staat gäbe es dich gar nicht“ und „… der schönste Tag in meiner Kindheit, danach nur Krieg“ und „für diesen Staat sind Unzählige gestorben“ — dann legte sie auf. Ich wusste, dass sie den Rest des Abends weinte.

Für Juden, die den Unabhängigkeitstag am 14. Mai 1948 persönlich erlebten und von jenem Moment an Israelis waren, ist der Gedanke an die Nakba in ihrem Widerspruch zu ihrem eigenen (Überlebens-)Glück unerträglich. Dies mag einer der Gründe dafür sein, dass es so wenigen Israelis bis heute gelingt, dieses Unrecht, das lange vor Mai 1948 begann und sich bis heute fortsetzt, überhaupt anzuerkennen. Auf der politischen Ebene wird seit 75 Jahren angestrebt und gefördert, die Nakba zu leugnen, sie zu vertuschen, sie in Nicht-Existenz zu bringen. Das geschieht in erster Linie durch (Un-)Bildungsprogramme (siehe Nurit Peled-Elhanan: Palästinenser in israelischen Schulbüchern), durch Gesetze, die z.B. das Hissen der palästinensischen Flagge oder auch das Wort ‚Nakba‘ in der Öffentlichkeit verbieten, durch Geschichts-Revisionisten, durch Medien und Politiker.

Umso eindrucksvoller ist für mich, dass bei der 17. Jahresfeier zum gemeinsamen Gedenken der Opfer beider Seiten über 15.000 Israelis und Palästinenser zusammenkamen und weltweit 300.000 Zuschauer der Zeremonie online beiwohnten. Zwar gibt es viele Angriffe auf solche gemeinsame Aktionen: Umstehende Israelis beschimpften die Anwesenden als Verräter, die mit dem Feind gemeinsame Sache machen und dadurch die eigenen Opfer verhöhnten; manche Palästinenser lehnen jegliche Zusammenarbeit mit Israelis ab, solange sie keine gleichen Rechte genießen, weil sie eine Anerkennung der Besatzungssituation durch ‚Normalisation‘ befürchten. Dennoch werden immer mehr Stimmen in der Zivilgesellschaft laut, die genau dies fordern: Eine gemeinsame Sache anzustreben, gleiche Rechte für alle zwischen Mittelmeer und Jordan zu fordern und damit endlich eine Basis für ein Ende der Gewaltspirale zu schaffen.

Annäherung durch Anerkennung

Um wirklich etwas verändern zu wollen, müssen wir Kontexte verstehen und historische Fakten von Mythen und Propaganda zu unterscheiden lernen. Hierfür habe ich den Workshop Fakten vs. Mythen entwickelt, den ich am kommenden Samstag, den 6. Mai von 10-14 Uhr in Brühl bei Köln anbiete. Alle Infos zu Anmeldung, Veranstaltungsort und Kosten im Link.

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Hier noch eine Auswahl lesenswerter Artikel zu 75 Jahre Israel und Nakba:

Peter Münch beschreibt in der SZ die Staatsgründung aus zwei persönlichen Perspektiven: Der israelische Musiker Mordechai Rechtmann hat die Ausrufung des Staates durch David Ben Gurion muslikalisch begleitet; der Palästinenser Sami Saadeh schrieb dem Staatsgründer Hilferufe, die verhallten.

Die Zeremonie zum Israeli-Palestinian Memorial Day wurde aufgezeichnet — ein bewegendes Zeugnis davon, wie gemeinsame Trauer, Anerkennung und Bewältigung ein Weg zu friedlicher Koexistenz sein kann.

Der britisch-jüdische Professor für internationale Beziehungen in Oxford Avi Shlaim ruft zur kritischen Betrachtung von Israels Geburtstag auf.

Gideon Levy mahnt in Haaretz, dass der Kampf um Demokratie mit dem Ende des Zionismus einhergeht.

Viele weitere spannende Artikel zu dem Thema finden sich im BIP-Blog und auf der Seite des Palästinakomitee Stuttgart.

Vielleicht sehen wir uns in Brühl? Ich würde mich freuen und grüße herzlichst,

P.S.: Wenn Du Dich fragst, was Du von einer Steady-Mitgliedschaft hättest, dann möchte ich Dir heute Gelegenheit geben, einen „Podcast“ von Dezember 2022 anzuhören, den normalerweise nur zahlende Mitglieder bekommen. Wenn Du meine Newsletter auch vorgelesen bekommen möchtest und wenn Du mich dabei unterstützen willst, dass ich eines Tages Podcasts und Videos professionell produzieren kann, dann schau doch mal auf meine Steady-Seite und probiere gleich mal eine kostenllose Probe-Mitgliedschaft aus.

Sorry, Umbauarbeiten!

Liebe Blogleserinnen und -leser!

Falls Ihr soeben eine Mail mit einem uralten Blogpost von 2018 bekommen habt, dann könnt Ihr diese Mail ignorieren und gleich wieder löschen; sie ist irrelevant.

Nachdem ich gestern nach längeren Streitigkeiten zu einer inhaltlich einvernehmlichen Lösung/Einigung bezüglich bestimmter strittiger Begriffe in alten Blogeinträgen gelangt bin, habe ich diese Begriffe geändert bzw. gelöscht. Versehentlich wurde aber bei der Aktualisierung offenbar dieser (geänderte) Blogeintrag als Mail verschickt. Diese Mail ist, wie gesagt, irrelevant, bedeutungslos… Schnee von gestern. Also ab in den Papierkorb damit und Augen auf für die wirklich relevanten Themen der Zukunft.

Heute Abend z.B. kann, wer in der Umgebung von Grafing wohnt, einem Vortrag von Jürgen Rose lauschen. Als Militärexperte legt er seine Sicht zu Ursachen und Lösungsmöglichkeiten des Ukrainekrieges dar.
Mittwoch, 19.4., 18.30 h in Grafing b. München, Heckerbräu, Marktplatz 26/ I. OG
Vortrag mit anschließender Diskussion

Herzlichst,

Gleiche Rechte für alle, überall. Überall?

Die GEISTREICHS in Ebersberg: Lili, Nirit, Andi, Günther, Pit; nicht im Bild: Robert und Christian

Noch ganz beseelt von dem Konzert, das ich vergangene Woche mit meinem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH und mit meiner Tochter Lili als Gast im ausverkauften alten kino in Ebersberg gegeben habe, will ich mich heute kurz fassen, jedenfalls kürzer als die letzten Male, bei denen ich mich ausführlich über die Situation in Israel und Palästina ausgelassen habe. Diese gibt nach wie vor Anlass zur Besorgnis, in der Tat jeden Tag ein wenig mehr. Dieser Tage zum Beispiel wurde das Gesetz in Israel ratifiziert, das es praktisch unmöglich macht, den Ministerpräsidenten aus seinem Amt zu entfernen — jedenfalls nicht wegen einer Lapalie wie Korruption. Konkret heißt das: Netanjahu ist ermächtigt, bis auf Weiteres Regierungschef zu bleiben, wenn er nicht schwer erkrankt oder aus einem anderen Grund vollkommen ausfällt.

Die Stimmung in Israel ist aufgeheizt, die Zeiten sind gefährlich. Es könnte zu einer Eskalation, gar zu einem Bürgerkrieg kommen. Vielen Menschen macht es indes Hoffnung, dass seit Wochen Zehntausende Israelis auf die Straße gehen, um gegen diese neuen Gesetze, die sich „Justizreform“ nennen, zu protestieren. Bisher konnte man beobachten, dass diese Menschen vor allem dafür protestieren, dass sie ihre Demokratie, also ihre Privilegien als jüdische Menschen innerhalb Israels beibehalten dürfen. Palästinenser — auch solche mit israelischem Pass — sieht man so gut wie nie auf den Demos. Dem israelischen Magazin +972 zufolge scheint aber unter den säkularen jüdischen Regierungsgegnern die Einsicht zu wachsen, dass es keine Demokratie ohne Gleichheit für alle gibt. Die logische Folge ihrer Proteste müsste daher sein, dass diese Menschen die Belange der Palästinenser — besser noch: die Palästinenser selbst mit ins Boot holen. Sie müssten aber auch bereit sein, ihre eigenen Privilegien ein Stück weit aufzugeben und — was noch schwieriger erscheint — den zionistischen Traum von einer „Jüdischen Demokratie“ begraben. Bisher gibt es leider wenige Anzeichen dafür, dass das geschehen wird, wie der mittlerweile verzweifelt-zynische Gideon Levy in seinem Beitrag in Haaretz kommentiert.

Es wäre daher umso mehr wünschenswert, wenn aus Deutschland zu den Protesten positiv Position bezogen werden würde, wie Charlotte Wiedemann in diesem taz-Artikel fordert. Internationale Medien wie der Guardian, selbst israelische Publikationen wie Haaretz oder das Magazin +972 berichten und stellen hierzu wichtige Fragen; in deutschen Medien habe ich vergeblich danach gesucht.

Wo soll das hinführen, wenn die Positionen und Interessen der jeweiligen Gruppen immer weiter auseinander driften? Wie kann eine Demokratie in einem Land Bestand haben, wenn sie nicht alle Menschen einschließt, die in diesem Land leben? Wie kann Frieden überhaupt nur gedacht werden, wenn nicht die Bedürfnisse aller Beteiligten respektiert und berücksichtigt werden, wenn Geschichte und Trauma der jeweils anderen Seite nicht anerkannt wird? Wie kann, wie soll ein respektvolles Zusammenleben funktionieren, wenn man sich niemals in die Schuhe der Anderen stellt?

Diese und viele weitere Fragen werde ich am kommenden Mittwoch, den 29. März, um 19 Uhr Charlotte Wiedemann im Münchner Gasteig stellen können. Sie wird ihr Buch

vorstellen, über das ich hier im Blog bereits letzten Sommer geschrieben habe. Ich freue mich sehr darauf, diese Veranstaltung zu moderieren und die eine oder den anderen von Euch dort wiederzusehen. Alle Infos dazu HIER.

Herzlichst,

PS: Was hältst Du davon, wenn Du mich bei meiner freiberuflichen, unabhängigen publizistischen Arbeit unterstützt? Wie das bereits mit 3 € monatlich geht, erfährst Du auf meiner STEADY-Seite oder wenn Du auf das Bild unten klickst. Übrigens kann man auch Steady-Mitgliedschaften verschenken.

Alles Schein?

ALLES SCHEIN ist der Titel eines Songs, den ich vor etwa zehn Jahren geschrieben habe, nachdem ich Israel den Rücken gekehrt hatte und wieder nach Deutschland zurückgezogen bin. In dem Lied hatte ich meine Wut auf die israelische Politik verarbeitet, aber auch die Liebe zu dem Land und die Enttäuschung, die es mir bereitet hatte. Damals schon schrieb ich diese Zeilen an den Staat meiner Geburt:

Du bist zu weit gegangen in deiner Gier nach Macht und Land…
Genug ist genug!

Es hat über ein Jahrzehnt und Tausende palästinensische und Dutzende israelische Menschenleben gekostet, bis sich endlich auch in Israel eine kritische Masse von Menschen auf die Straße oder mit Petitionen an die Öffentlichkeit wendet und schreit: Genug ist genug! Scheinbar brauchte es das Pogrom von Huwara mit einem Toten und zahllosen Verletzten und Traumatisierten, bei dem Soldaten tatenlos zusahen, wie gewalttrunkene jüdische Siedler Terror verbreiteten und Panik und Verwüstung hinterließen, um innerhalb Israels, sogar innerhalb des israelischen Militärs und auch international Empörung hervorzurufen. Doch dürfen wir uns nicht täuschen lassen: In die Proteste sind bisher Palästinenser nicht involviert, auch das Thema ‚Besatzung‘ steht bisher noch im Hintergrund. Die Menschen demonstrieren gegen die Abschaffung der Gewaltenteilung, die offiziell „Justizreform“ genannt wird. Sie demonstrieren gegen den Abbau der Demokratie, in der sie, also jüdische Israelis, bislang relativ bequem und privilegiert leben konnten. Ist also alles Schein, was derzeit in Israel geschieht? Mitnichten. Es bewegt sich eine Menge, aber es ist, wie immer, eine komplizierte Gemengelage; mehr dazu am Ende dieses Newsletters.

Den Terror von Huwara allerdings erleben Palästinenser in ihrem Alltag überall in den Besetzten Gebieten seit Jahren und Jahrzehnten — vielleicht nicht in dieser Größenordnung und vor allem nicht mit derartiger medialer Aufmerksamkeit, aber für sie als Individuen in ebendieser Härte und mit schwerwiegenden Folgen. Wir lesen und hören von „Hauszerstörungen“, von „Kollektivstrafe“, „Konflikt“ und „administrativer Haft“ — aber was genau können wir uns darunter vorstellen? Sind hier wirklich zwei gleichberechtigte Parteien in einen „Konflikt“ geraten? Was bedeutet es für eine Familie, wenn sie zusehen muss, wie ihr Zuhause unter einem Bulldozer zermalmt wird? Was geht in Kindern vor, wenn sie dabei ihre verzweifelt schreienden Mütter, Väter und Großmütter beobachten? Ist zu erwarten, dass aus diesen Kindern brave Staatsbürger werden, die ihre Loyalität zeigen gegenüber einer „jüdischen Demokratie“, wie sie vom Staate Israel, mittlerweile in Grundgesetzform gegossen, verlangt wird? Wie sollen Palästinenser darauf reagieren, wenn ihr Leben tagtäglich bestimmt ist von israelischer Kontrolle an Checkpoints, bei der Beschaffung einer Arbeits- oder Reiseerlaubnis? Wenn ihre Häuser, ihre Felder, ihre Olivenhaine zerstört oder geraubt werden? Wenn Dutzende von Gesetzen sie machtlos machen? Wenn sie ständig Angst haben müssen vor nächtlichen Hausdurchsuchungen, vor Verhaftungen durchs israelische Militär, vor Haft ohne Anklage, ohne jegliche Rechte und ohne absehbares Ende? Wie reagiert ein Mensch auf andauernde psychische und physische Gewalt, Bedrohung, Landraub, Zerstörung und Demütigung? Wie würdest Du darauf reagieren?

Ich gebe zu, ich ziehe vor jedem Palästinenser den Hut, der nicht mit Steinen wirft, der nicht ein Messer zückt oder gar zu schlimmeren Gewalttaten bereit ist. Ich ziehe den Hut vor all den Palästinensern, die an Kursen zur gewaltfreien Kommunikation teilnehmen, die in Flüchtlingslagern angeboten werden, wovon ich mich persönlich überzeugen konnte; vor denen, die nach wie vor an ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinenser unter gleichen und gerechten Bedingungen glauben. Ich selbst musste mich schon 2009 aus Israel-Palästina zurückziehen, weil meine Wut und mein Frust über die Ohnmacht, die ich empfunden habe, eine bis dahin ungekannte mächtige Aggression in mir aufsteigen ließ, obwohl ich nur Zaungast war bei meinen häufigen Besuchen in der palästinensischen Westbank, gesegnet mit dem unverdienten Privileg, zufällig den richtigen Pass, die richtige Religion und den richtigen Geburtsort vorweisen zu können. Diese körperlich fühlbare Aggression ließ mich einmal ungewollt meine Hand zur Faust ballen und gegen ein Autodach schlagen — für mich schon eine extrem gewalttätige Übergriffigkeit, nur weil der Autofahrer mich bedrängt hatte. Was hätte ich getan, wenn das Auto ein Militärjeep gewesen wäre und die Soldaten darin mein Kind zum Verhör mitgenommen hätten? Was würde ich tun, wenn aus dem Fahrzeug geschossen würde und dadurch mein Bruder, meine Tante oder ein Bekannter verletzt oder getötet würde? Hätten wir nicht alle Verständnis dafür, wenn Menschen, die derartiger Willkür und Gewalt ausgesetzt sind, sich auch wieder mit Gewalt wehren? Haben wir dieses Verständnis nicht seit über einem Jahr mit den Menschen in der Ukraine bewiesen? Ein Verständnis, das soweit geht, dass selbst die großen „Friedens“parteien nicht zögern, todbringende Waffen zu liefern, um den Unterdrückten beizustehen? Man stelle sich kurz vor, Deutschland würde auch unterdrückten Palästinensern mit Waffenlieferungen zur Seite stehen…

Um es klar zu machen: Das war ein Gedankenspiel. Ich bin dagegen, noch mehr Waffen in der Welt herumzuschicken. Ich wäre dafür, nie wieder welche zu produzieren. Denn jede Waffe, die ihren Zweck erfüllt, tötet und verletzt Menschen. Ich bin gegen Waffen, und ich bin gegen jegliche Form von Gewalt. Das heißt nicht, dass Menschen nicht das Recht hätten, sich zu verteidigen; aber es kommt eben auf die Wahl der Mittel an. Mag sein, dass ich naiv bin, oder, um es mit John Lennon auszudrücken:

You may say, I’m a dreamer,
but I’m not the only one

Ich weiß, dass ich nicht allein bin mit dieser Sichtweise — viele meiner Freunde sehen das wie ich. Das ist naiv? Na wenn schon. War Jesus auch naiv, oder Buddha? Einstein, das Genie, war auch naiv, als er sagte: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. Ich glaube an das Wunder der Veränderung durch Liebe, Vertrauen, Anerkennung von Schuld und Unrecht, Verzeihen, Demut vor dem Leben, Freundlichkeit. Freiheit. Gerechtigkeit. Zum Glück bin ich nicht Politikerin geworden; es scheint, dass die meisten Menschen dieser Berufsgattung solche Werte nicht durchzusetzen imstande sind. Zum noch größeren Glück habe ich die Kunst an meiner Seite, eine treue Gefährtin, auf die ich immer wieder zurückgreifen kann. Darum lade ich Dich herzlich ein zu meinem nächsten Konzert mit meinem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH am 23.03.23 im alten kino in Ebersberg. Einen Vorgeschmack bekommst Du hier mit dem Live-Mitschnitt von ALLES SCHEIN aus dem Gasteig von 2019:


Ich freue mich auch sehr über Deine Teilnahme an meinem Präsenz-Workshop am kommenden Sonntag, den 19.03.23 in München. Der ganztägige Kurs ist ohne jede Vorkenntnisse für alle geeignet, die etwas zu sagen, zu singen oder zu performen haben, sei es vor einer Schulklasse, einer Hochzeitsgesellschaft, einer Betriebsversammlung oder auf einer Bühne. Und wir haben einen Tag lang ganz viel Spaß und Freude miteinander! ACHTUNG: Anmeldung nur noch bis Donnerstag Morgen möglich unter 089 – 41 42 47 – 0.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen und grüße herzlichst,

Zum Schluss noch meine Auswahl relevanter Artikel zur derzeitigen Situation in Israel und Palästina:

Tomer Dotan-Dreyfus, in Berlin lebender Israeli, kommentiert in der Berliner Zeitung: Israel brennt und Deutschland guckt zu
BIP-Aktuell berichtet in seiner 250. Ausgabe über die Rebellion in der israelischen Armee
Lidia Averbukh, 2021 über das israelische Rechtssystem promoviert, schreibt im Verfassungsblog über Israels Staatsumbau
Marwan Bishara beklagt auf AlJazeera den faschistischen Umbau durch die gegenwärtige israelische Regierung: Turmoil in Israel, trepidation in Palestine
Oren Ziv beschreibt im israelischen Magazin +972 die Hintergründe um das Pogrom von Huwara: Why Huwara
Nate Orbach, ebenfalls auf +972, über den Rachefeldzug von Simcha Rothman, Vorsitzender des Ausschusses für Recht und Justiz der Knesset
Eva Illouz, israelisch-französische Soziologin, sagt im SPIEGEL-Gespräch: Wer ein Freund des jüdischen Staates ist, muss jetzt die Stimme erheben

Zum Thema „Stimme erheben“: Roger Waters, ehemals Pink Floyd, hat vor dem UN Sicherheitsrat eine beeindruckende Rede gehalten. Auf die Diffamierungen und Ausladungsversuche einiger deutscher Städte und Bürgermeister hat er in klaren Worten auf seiner Website geantwortet.

Ganz besonders möchte ich das SWR2-Radio-Interview mit Dr. Aref Hajjaj hervorheben. Es veranschaulicht durch seine persönlichen Erlebnisse, in welcher Situation Palästinenser sich seit Beginn der Nakba, also seit 1947, befinden.

PS: Dieser Newsletter ist für Dich wie immer kostenfrei; das wird auch so bleiben. Wenn Du meine unabhängige Arbeit gut findest und mich dabei unterstützen möchtest, diese weiterhin unabhängig fortzusetzen, kannst Du mich durch eine Mitgliedschaft bei STEADY bereits mit einem Beitrag von 3 €/Monat unterstützen. Wie das geht, was Du davon hast und wieviel mir das bedeutet, erfährst Du, wenn Du auf das Bild unten klickst. Danke.

Konzert verschoben – Katastrophe in Huwara

Zuerst die schlechte Nachricht: Leider müssen wir krankheitsbedingt unser für morgen geplantes Konzert Nicht ganz kosher! um drei Wochen verschieben.
Die gute Nachricht: Wir haben bereits einen Ersatztermin gefunden!
Das Konzert mit meinem fabelhaften ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH findet am Donnerstag, den 23. März 2023 um 20.30 Uhr im alten kino Ebersberg statt. Infos und Restkarten gibt es HIER.

Am 23.3.23 spielt NIRIT & ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH das Programm Nicht ganz kosher! in Ebersberg. Mit dabei: Andi Arnold (cl), Pit Holzapfel (tb, git), Robert Probst (p), Christian Schantz (b, git), Günther Basmann (dr)

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Aber nun zu der wirklich schlechten Nachricht. Aus gegebenem Anlass möchte ich ein paar Informationen und Hintergründe zur derzeitigen Gewalteskalation in Palästina und Israel weitergeben. In den gängigen Medien lese ich von „Ausschreitungen“. Unter „Ausschreitungen“ stelle ich mir vor, dass zum Beispiel eine Gruppe von Menschen demonstriert und dann plötzlich einige aus dieser Gruppe ausscheren, im wahrsten Sinne aus-schreiten, vielleicht weil sie wütend sind oder ungehalten, weil etwa ihre Forderungen nicht gehört werden, oder weil sie einfach gewaltbereit sind. Was aber in den vergangenen Tagen in den palästinensischen Städten Nablus und Jenin und zuletzt am vergangenen Sonntag in dem palästinenischen Dorf Huwara geschehen ist, sind geplante Gewaltaktionen seitens der israelischen Armee sowie seitens gewalthungriger, blutdürstiger bewaffneter israelischer Zivilisten, die man gemeinhin als „Siedler“ bezeichnet. Es sind jüdisch-israelische Männer, die auf den umliegenden Hügeln um die palästinensischen Städte und Dörfer herum in illegalen Siedlungen und sogenannten „Außenposten“ leben. Sie ziehen mit Stöcken, Eisenstangen, Sprengstoff, Handgranaten, Brandsätzen und einem schier grenzenlosen Hass auf alles „Arabische“ bewaffnet los, um Angst, Terror und Vernichtung zu verbreiten. Ihr Ziel deckt sich mit dem der israelischen Regierung (und diese Regierung hat keine Scheu mehr, dies klar auszusprechen): Das gesamte Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan soll „judaisiert“ werden, sprich: Palästinenserfrei.

Als „Auslöser“ für die Eskalation erfahren wir hierzulande (und natürlich auch in israelischen Medien), dass ein palästinensischer „Extremist“ zwei Brüder — beide Siedler aus einem benachbarten Settlement — in einem vorbeifahrenden Auto erschossen hat. Diese Tat ist mit nichts zu entschuldigen; aber es wäre klug, sie verstehen zu wollen. Was war der Auslöser hierfür? Was hat den jungen Schützen zum Extremisten gemacht? Kann es damit zu tun haben, dass Tage zuvor elf Menschen in Nablus getötet und über hundert zum Teil schwer verletzt wurden? Hat der Täter dabei oder bei einer der zahllosen israelischen Razzien, die in den letzten Monaten zu Tausenden von Verhaftungen und weit über 100 getöteten Palästinensern im Westjordanland geführt haben, womöglich einen Freund oder Verwandten verloren? Noch einmal: Eine Bluttat ist unentschuldbar und mit nichts zu rechtfertigen. Aber wer Interesse hat, diese Gewaltspirale zu verstehen und womöglich sogar ihr Ende zu fordern, sollte Ursachen und Folgen verstehen und zu unterscheiden lernen.

Dabei können die folgenden Texte von Riad Othman (Nahostreferent bei medico international) und Chris Whitman (Büroleiter in Israel/Palästina bei medico international) helfen, ebenso Beiträge auf Middle East Eye oder dem israelischen Online-Magazin +972. Von entscheidender Bedeutung ist der Haaretz-Artikel von Gideon Levy, zeigt er doch klar auf, dass der Gewaltausbruch in Huwara durch national-religiöse Siedler ein Geplanter war, ein Pogrom auf Ansage, angeheizt durch Aussagen der rechtsradikalen Politiker Ben Gvir, Smotrich und Ben Zion. Letzterer, Vize-Bürgermeister der „Region Samaria“ (was in Wirklichkeit besetztes palästinensisches Land ist, in dem Ben Zion alias Judah Ari Gross mehr als ein Dutzend illegale Siedlungen vertritt) schrieb auf Twitter: „Die Abschreckung, die verlorengegangen ist, muss jetzt zurückkehren, es gibt keinen Platz für Gnade“ und „Huwara muss heute ausgelöscht werden“. Der israelische Finanzminister Smotrich schenkte diesem Tweet einen ‚Daumen hoch‘. In einem TV-Interview (hier auf Hebräisch) gefragt, warum er dies getan hätte, antwortet er: „Weil ich der Meinung bin, dass das Dorf Huwara ausgelöscht werden muss“. Allerdings erklärt er sich, es müsse durch die Regierung geschehen, nicht durch Bürger, die das Gesetz selbst in die Hand nähmen.

Nun frage ich Dich: Müsste es nicht einen internationalen Aufschrei geben? Werden sich deutsche Minister demnächst mit ihren israelischen Amtskollegen treffen und nach dem obligatorischen Handshake bestenfalls erklären, sie seien „besorgt“ und irgendwas von Zwei-Staaten-Lösung schwadronieren?

Ich bin sehr besorgt. Besorgt um Leib und Leben meiner palästinensischen Freunde, um ihre bare Existenz, aber auch um die Existenz und das Wohlergehen meiner israelischen Freunde und meiner Familie. Was ich bereits vor über einem Jahrzehnt vorausgeahnt habe, scheint sich jetzt zu manifestieren. Wenn es so weiter geht, geht es nicht gut aus. Weder für die Israelis, aber schon gar nicht für die Palästinenser. Es wird Zeit, dass wir auch hierzulande lautstark ein Ende der Besatzung und gleiches Recht für alle Menschen zwischen Mittelmeer und Jordan fordern.

Mit schmerzendem Herzen,

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Nicht ganz kosher!

Nicht ganz kosher! — so heißt unser Konzertprogramm, das wir nach langer Pause endlich wieder zu Gehör und Geschau bringen. Was sich hinter diesem Titel verbirgt, wie jiddisch, jüdisch, israelisch und bayerisch dieser Abend wird, das erfährst Du am

Donnerstag, den 2. März 23 um 20.30 Uhr

im alten kino in Ebersberg. Einlass ist um 19.30 Uhr. Wir freuen uns sehr darauf, wieder einige Gäste aus München, Berlin und Jerusalem dabei zu haben — mehr wird allerdings noch nicht verraten. Karten (nicht mehr allzu viele) und alle weiteren Infos gibt es HIER.

ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH: Andi, Nirit, Pit, Günther, Christian — hier in freudiger Erwartung unseres Pianisten Jan und einiger Gäste

Wir freuen uns alle sehr aufs Wiedersehen!
Herzlichst,

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Leider ist dieses Leben nicht nur von freudiger Erwartung geprägt. Ich habe gerade den Verlust eines Freundes zu beklagen, der nicht nur für mich persönlich, sondern für viele politische Wegbegleiter ein unverzichtbarer Mitstreiter war. Er fehlt uns sehr. Hier mein Nachruf, den ich für die Jüdische Stimme geschrieben habe.

Bis zum letzten …

Fassungslos, traurig und wütend sind wir über den Verlust des Hydrogeologen Clemens Messerschmid, der am 8. Februar in seiner geliebten Wahlheimat Palästina, in ‚seiner‘ Stadt Ramallah, verstorben ist. Fassungslos, weil er viel zu jung, viel zu lebendig, viel zu plötzlich und unerwartet gegangen ist; traurig, weil er eine Lücke – nein, einen Krater hinterlässt in unseren Herzen und unseren Hoffnungen, der mit Trost nicht aufzufüllen ist; und wütend, weil wir keine Gelegenheit mehr haben, ihn zu packen, zu schütteln und ihm ins Gewissen zu reden: Achte endlich mehr auf Dich und Deine Gesundheit! Lass Deine Kerze im Kampf für Recht und Gerechtigkeit für die Palästinenser nicht von beiden Seiten abbrennen! Du machst Deine Arbeit ohnehin gewissenhaft, Du musst nicht immer wieder über Deine eigenen Grenzen gehen bis zum letzten Quäntchen Energie, das Dir zur Verfügung steht.

Aber er wäre nicht Clemens Messerschmid – der sturköpfige, aufrechte, kämpferische Wasser-Experte, der überzeugte Kommunist und Marxist, der wissbegierige Analyst, der wahrheitsbesessene Wissenschaftler – wenn er nicht seine Grenzen bis zum Äußersten ausgereizt hätte. An seiner Seite war ein ruhiges Leben nicht denkbar, weder im privaten noch im beruflichen Umfeld. Ihm reichte seine Lebenszeit niemals aus. Wenn er sich eine Meinung gebildet hatte, die immer fundiert war, konnte er darüber trefflich streiten. Er ließ nicht locker, bis alle Argumente durchdiskutiert, analysiert, bis ins letzte Detail beleuchtet und mit penetranter Starrköpfigkeit auf ihren Wahrheitsgehalt hin hinterfragt waren, gerne bis tief in die Nacht hinein bei ein, zwei Gläsern Wein und ungezählten Zigaretten.

„Bis zum letzten Tropfen“ – das war der Titel seines Vortrags, den er seit Jahren im deutschsprachigen Raum vor kleinen und größeren Gruppen hielt. Als ausgewiesener Spezialist in allen Wasserfragen, explizit vertraut mit jeder Facette von Grundwasser, Regenwasser, Wasserverbrauch und vor allem der politischen Dimension der Wassernutzung in Palästina und Israel konnte Clemens Messerschmid wie kein anderer komplizierte Zusammenhänge verständlich erklären. Erst 2022 promovierte er, nachdem er 25 Jahre in Palästina geforscht und gearbeitet hatte. In seine Doktorarbeit flossen Erkenntnisse ein über die Grundwasserneubildung im palästinensischen und israelischen Grundwasserbecken im Westjordanland ein, dem sogenannten Aquifer.

Der wesentliche Kern seiner Arbeit, der eng verknüpft war mit naturwissenschaftlicher Forschung, aber weit über sie hinausging, ist die politische Interpretation seiner Erkenntnisse. Von ihm konnten wir lernen, dass in Ramallah mehr Regen fällt als in Berlin und dass der Wasser-„Mangel“ in Wirklichkeit ein „Wasser-Mythos“ ist. Wir begriffen, warum der Jordan-Fluss in der besetzten palästinensischen Westbank austrocknet, wenn die Wüste auf israelischem Staatsgebiet „zum Blühen“ gebracht wird. Er lieferte uns erweiterte Kenntnisse und Analysen zur Kolonisierung durch Wasser, was bis dato wenig erforscht war; er lehrte uns, wie die Militärbesatzung durch ihren Raub von Wasser das tägliche Leben der Besetzten bestimmte. Er analysierte wissenschaftlich präzise, geradezu mit pedantischer Akribie die systematische Diskriminierung der Palästinenser durch Israels staatlich gelenkte Wasserentnahme und prägte den Begriff der Hydro-Apartheid.

Seine letzte berufliche Herausforderung war ein Projekt in der Westbank im Auftrag der Weltbank, das 2022 begann und das er nun nicht zu Ende bringen konnte. Daneben arbeitete er immer wieder mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen, deren Stipendiat er gewesen war, beriet eine Doktorandin an der Birzeit University bei Ramallah, gab Interviews, schrieb Gutachten, besprach Podcasts und installierte Wassertanks für palästinensische Bauern. Er bot sich stets als solidarischer Unterstützer an, wie etwa im März 2019, als dem Verein Jüdische Stimme der Göttinger Friedenspreis verliehen wurde, was damals im Kontext von Kontokündigung, Diffamierung und Rückzug von Räumen und Geldern zu bundesweiten Protesten führte. Clemens kam eigens nach Göttingen angereist und brachte ein Gedicht mit, das er zu diesem Anlass verfasst hatte. Am liebsten hätte er es selbst bei der Veranstaltung vorgetragen, mit seiner tiefen, kräftigen Stimme, seinem bayerisch-grantlerischen Ton und seinem tiefgründigen, nicht selten sarkastischen Humor, der ihn ebenso auszeichnete wie seine Ernsthaftigkeit und Tiefe, ja auch pedantische Verbissenheit, mit der er berufliche und politische Themen anging.

Clemens war nicht nur der „Wassermann“ oder „Wasserschmid“, wie ihn vor allem seine palästinensischen Freunde und Weggefährten liebevoll nannten, für die er eine leuchtende Leitfigur war. Er war auch ein „Lebeschmid“. Er liebte ausschweifende Gespräche, intellektuellen Austausch und nicht zuletzt gutes Essen – am besten alles in Kombination. Dabei spielte sein großes Lebensthema – Wasser als Grundrecht, als politische Waffe und als Schlüssel zur Gerechtigkeit – in jeder Lebenssituation, in jedem noch so privaten Gespräch eine Rolle. Die Diskriminierung der Palästinenser durch Israels Wasserpolitik, diese so offensichtliche Ungerechtigkeit, machte ihn rasend und trieb ihn an, nicht locker zu lassen und seine politischen Forderungen mithilfe seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse zu untermauern und zu publizieren und sich auch zu anderen Themen der Besatzung zu äußern. Seine palästinensischen Freunde gaben ihm daher den Ehrentitel „deutscher Palästinenser“, aber eigentlich wird ihm das nicht ganz gerecht. Denn Clemens war ein echter Internationalist, dem alles Nationalistische zuwider war. Er pochte auf internationale Solidarität und träumte von einem Land zwischen Mittelmeer und Jordan (und vielleicht auch anderswo), in dem alle Menschen friedlich zusammenleben.

Seine große Liebe für diese Region begann 1997, als er 33-jährig für ein deutsch-palästinensisches Wasserprojekt der GTZ nach Palästina kam. Seine Affinität zu Israel hatte er sicher schon als Sprössling einer gut situierten, kultivierten Intellektuellenfamilie entwickelt, in die er am 5. April 1964 in München hineingeboren wurde. Sie gab ihm ein fundiertes Geschichtsbewusstsein mit und prägte seine tiefe Abscheu gegenüber dem dunklen Kapitel deutscher Nazi-Herrschaft und seiner Implikationen bis in die Gegenwart. Sein Studium begann er in München und setzte es in Aachen fort, wo er zehn Jahre blieb und von dort aus die Welt bereiste. Diese Reisen schärften seinen Blick für Kolonialismus und seine Folgen, für die strukturellen Bedingungen, die zu Armut und Ausbeutung führen, und bestärkten ihn darin, sich für die Ärmsten, die Entrechteten, die Ungehörten einzusetzen. In Palästina führten seine Forschungen zur Wassersituation dazu, dass er ein tiefes Verständnis und Mitgefühl entwickelte für das Unrecht, das den Palästinensern widerfährt. Er machte keinen Hehl daraus, dass er sich auf ihre Seite stellte, sich für sie einsetzte – so wie er sich immer mit jenen verbunden fühlte, die unter Unterdrückung und Diskriminierung leiden. Aber er war kein Sozialromantiker: Er kritisierte auch die palästinensische Seite, ihre korrupte Führung und ihre gesellschaftlichen Strukturen.

Am 8. Februar 2023 verstarb Clemens Messerschmid nach einem Herzinfarkt in seiner Wohnung in Ramallah. Er hinterlässt seine 90-jährige Mutter, seine Schwester Dorothee, seine Lebensgefährtin Kerstin und zahllose Freunde, Gefährten, Kollegen, Genossen und Mitstreiter (-innen). Wir vermissen ihn schmerzlich – als Freund, dessen Solidarität und Unterstützung wir uns immer sicher waren; als Experten, der mit inhaltlicher Präzision unbestechlich dem Wasser und der Wahrheit auf der Spur war; als Partner und Genossen, als tief verwurzelten Linken, als kritischen, klaren Geist, der sein Leben bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Flackern seiner ausgehenden Kerze kompromisslos den Unterdrückten widmete und uns damit ein großes Vermächtnis hinterlässt.

Die Urnenbeisetzung findet demnächst in München statt.

Hier einige Links:

Bis zum letzten Tropfen – Vortrag von Dr. Clemens Messerschmid in Wien (2021)

Der ewige Kampf ums Wasser: ARD-Interview von (2017)

https://youtu.be/bE5GHfXjv44


Der Wassersektor im Gazastreifen, ein (un)lösbares Problem? (2020)

Interview: Kampf ums Wasser in Palästina (2020)

Spannende Veranstaltungen

Heute ist es nun wirklich so weit, die von mir fälschlicherweise für letzte Woche angekündigte Gesprächsrunde zwischen Charlotte Wiedemann, Bashir Bashir und Amos Goldberg findet heute Abend, 2.2.2023 um 19 Uhr im Potsdamer Einstein-Forum unter der Leitung von Susan Neiman statt. Wer gerade nicht in Potsdam ist, kann per Zoom live dabei sein. Alle Infos dazu findest Du im Link.

Der Diskussion liegt das neueste Buch von Charlotte Wiedemann DEN SCHMERZ DER ANDEREN BEGREIFEN zugrunde. Es ist ein wichtiges Werk, intelligent und tiefschürfend, Denkmuster herausfordernd und überdies von Liebe und Leidenschaft für das Menschliche im Menschen durchtränkt. Die beiden anderen Mitdiskutanten sind eigens für diese Veranstaltung aus Israel angereist. Sie haben 2019 ein umfangreiches Buch mit dem Titel THE HOLOCAUST AND THE NAKBA herausgebracht, in dem sie die beiden sehr unterschiedlichen, aber für beide Seiten zweifellos traumatischen historischen Ereignisse, Holocaust und Nakba, von verschiedenen Seiten beleuchten lassen und in Beziehung zueinander stellen. HIER kannst Du die Einleitung dazu als PDF herunterladen.

Wenn Du also heute Abend Zeit hast, und wenn Du Dich gerade wieder angesichts der grausamen Ereignisse in Israel und Palästina — und leider nicht nur dort — fragst, was es denn braucht, um diesem scheinbar endlosen „Konflikt“, dieser nie enden wollenden Spirale der Gewalt etwas entgegen zu setzen, dann empfehle ich Dir wärmstens, diesem Gespräch heute Abend beizuwohnen. Vielleicht liegt im Begreifen und infoge dessen in der Anerkennung des Schmerzes der Anderen ein Schlüssel zum Umdenken.

Auf zwei weitere Veranstaltungen in eigener Sache möchte ich Dich auch noch hinweisen: Wir spielen unser furioses, energiegeladenes, witziges und zwischendurch auch mal traurig-berührendes Konzertprogramm Nicht ganz kosher! in genau vier Wochen, am Donnerstag, den 2. März 2023 um 20.30 Uhr im alten kino in Ebersberg. Hinter dem Link verbergen sich alle weiteren Infos und der Ticket-Vorverkauf.

Außerdem freue ich mich auf eine ganze Woche El Haddawi Winterschool am Chiemsee, bei der ich als Gastdozentin in Zusammenarbeit mit dem Begründer der Winterschool Ingo Taleb Rashid meinen Beitrag zu Wahrnehmung und Bühnenpräsenz leisten und dabei sicher selbst noch viel lernen und entdecken kann. Wenn Du mitkommen möchtest auf diese Entdeckungsreise, dann melde Dich schnell noch hier an.

Noch etwas: Mein Video Say Their Names — Palästinensische Jugendliche beim Fußballspiel — gibt es jetzt auch in einer Englischen Version:

Bitte teile es weiter. Zur Stunde beklagen wir allein in diesem Jahr bereits 35 getötete Palästinenser und sechs Israelis, darunter sieben palästinensische Kinder und ein Israelisches. Das sind 41 Tote zu viel. (Details zu Menschenrechtsverletzungen gegenüber Palästinensern im wöchentlichen Bericht des Palestinian Center for Human Rights.)

Herzlichst,

Wenn Dir meine Arbeit gefällt, kannst Du mich durch eine Mitgliedschaft bereits mit einem Beitrag von 3 €/Monat bei STEADY unterstützen. Wie das geht und was Du davon hast, erfährst Du HIER. Danke.